Wirtschaft

Mit der Nürnberger S-Bahn soll erstmals ein Privatunternehmen ein großes regionales S-Bahn-Netz in Deutschland mit rund 20 Millionen Fahrgästen pro Jahr betreiben. (Foto: dpa)

16.12.2015

Nürnberger S-Bahn fährt bald privat

Nun also doch: Bahn-Konkurrent National Express soll beim Betrieb des Nürnberger S-Bahn-Netzes zum Zug kommen

Das Nürnberger S-Bahn-Netz soll nun doch von Ende 2018 an vom privaten Bahn-Konkurrenten National Express betrieben werden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gab am Dienstagabend grünes Licht für die Vergabe. Damit soll erstmals ein Privatunternehmen ein großes regionales S-Bahn-Netz in Deutschland mit rund 20 Millionen Fahrgästen pro Jahr betreiben.
Das Oberlandesgericht München hatte Mitte September verfügt, dass vor einem Zuschlag die finanzielle Leistungsfähigkeit der deutschen Tochtergesellschaft des britischen Unternehmens geprüft werden müsse. Diese sei zu bejahen, National Express Rail GmbH sei "ausreichend finanziell leistungsfähig", erklärte die BEG. Der endgültige Zuschlag könne wegen verbleibender Einspruchsmöglichkeiten frühestens Anfang Januar erfolgen, erklärte die BEG. DB Regio kündigte am Abend an, "weitere Schritte" zu prüfen.

Sorge um mehrere Hunderte Arbeitsplätze

Die BEG hatte den Betrieb des S-Bahn-Netzes bereits im Februar überraschend an National Express vergeben. Nach der Entscheidung waren auch Sorgen um mehrere Hundert Arbeitsplätze laut geworden. Die Deutsche Bahn, deren S-Bahn-Züge bislang im Großraum Nürnberg rollen, hatte gegen die Vergabeentscheidung Einspruch eingelegt, dem in erster Instanz entsprochen wurde. Dagegen legten wiederum die BEG und auch National Express Beschwerde ein, über die Mitte September das OLG zu entscheiden hatte.

Neben den heutigen S-Bahn-Strecken von Nürnberg nach Bamberg, Hartmannshof, Altdorf, Neumarkt, Roth und Ansbach gehören zu dem Netz auch die geplante S-Bahn-Verlängerung über Ansbach hinaus nach Dombühl und der heutige Allersberg-Express (zukünftige S5).

Das Dieselnetz Nürnberg soll auch über Mitte 2019 hinaus in der Hand von DB Regio bleiben, entschied die BEG zudem. Bis zum Jahre 2031 solle DB Regio wie bisher die dieselbetriebenen Strecken im Nürnberger Umland betreiben. "Wir freuen uns über diese Entscheidung der BEG und hoffen, dass wir bald den endgültigen Zuschlag bekommen", sagte Hansrüdiger Fritz, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Bayern.

OB Maly befürchtet große Probleme

Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) befürchtet allerdings weitere Probleme. "Ein geordneter Übergang 2018 wird kaum möglich sein", sagte er.  Bisher seien nicht einmal die nötigen Wagen bestellt oder zugelassen. Daher müssten BEG und Deutsche Bahn dringend über eine Verlängerung des Vertrags sprechen. Maly: "Ohne eine Verlängerung wird es wohl nicht zu händeln sein." Rechtlich möglich sei das - auch ohne Ausschreibung. Der Stadt sei vor allem daran gelegen, dass der S-Bahn-Betrieb geordnet weitergehe und die Beschäftigung der fast 500 Mitarbeiter sichergestellt sei.

Der DGB Bayern und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Bayern befürchten ebenfalls negative Auswirkungen für die Beschäftigten, die Kunden und die Sicherheit in den Zügen. Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, sagte: "National Express ist offensichtlich mit einem arbeitnehmerunfreundlichen Konzept zum Zuge gekommen. Weil Bayern eines der letzten Bundesländer ohne Tariftreue- und Vergabegesetz ist, kann National Express mit Dumping-Konditionen kalkulieren. Es drohen gravierende Folgen für die 450 Beschäftigten und durch Einsparungen beim Sicherheitsdienst auch für die Kunden. Es steht völlig in den Sternen, ob die 450 Beschäftigten ihre Jobs behalten. In der Industrie ist es völlig undenkbar, dass ein Betrieb verkauft wird, ohne dabei die Zukunft der Beschäftigten zu regeln. Beim Freistaat hingegen ist das möglich. Unfassbar."

Frank Hauenstein, Leiter der Nürnberger EVG-Geschäftsstelle, erläuterte: "Wir vermuten, dass National Express den Sicherheitsdienst in den Zügen nicht mit Eisenbahnern besetzen will, sondern wie schon in Nordrhein-Westfalen über Subunternehmer. Zum Schutz vor Vandalismus und für die Sicherheit der Fahrgäste fordern wir weiterhin betrieblich geschultes Personal für die Begleitung der Züge." In Nordrhein-Westfalen betreibt National Express seit einigen Tagen zwei Regionalbahnen. Dort gibt es bereits etliche Berichte und Beschwerden über eklatante Verspätungen, falsche Züge und schlechten Service. (dpa/BSZ)

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