Wirtschaft

Das Wasserkraftwerk Rothenfels am Main soll erweitert werden. (Foto: RMD)

02.01.2015

Ökologisch aufgerüstetes Kraftwerk

Rhein-Main-Donau AG investiert rund 13 Millionen Euro in den Ausbau des Wasserkraftwerks Rothenfels am Main

Die Rhein-Main-Donau AG (RMD), München, wird ab kommenden Frühsommer in den nächsten zwei Jahren ihr Wasserkraftwerk Rothenfels für rund 13 Millionen Euro um eine hochmoderne, unterirdische Rohrturbine erweitern und zusätzlich das Kraftwerk mit einer modernen Fischaufstiegsanlage sowie der Möglichkeit eines Fischabstiegs ökologisch aufwerten. Die Projektleitung für das Bauvorhaben liegt beim bewährten Betriebsführer der RMD-Mainkraftwerke, der E.ON Kraftwerke GmbH.

„Wir freuen uns, dass wir nach der Investitionsentscheidung nun den Ausbau des Wasserkraftwerks Rothenfels (Landkreis Main-Spessart) angehen können und damit einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende in Bayern leisten werden“, sagte RMD-Vorstand Albrecht Schleich.
„Parallel zur besseren Nutzung des noch ausreichend vorhandenen regenerativen Wasserkraftpotenzials am Main entsteht auch eine dem neuesten Stand der Technik entsprechende Fischaufstiegsanlage. Wir erzielen also einen doppelten Nutzen: Unterstützung der Energiewende in Bayern und weitere Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit beim Mainkraftwerk Rothenfels“, so Thomas Leitl, bei E.ON verantwortlich für die Wasserkraft.
Die Rhein-Main-Donau AG erweitert die seit 1939 mit zwei Turbinen arbeitende Kraftwerksanlage um eine hochmoderne, unterirdische Rohrturbine. Dieses so genannte Triebwerk wird eine Leistung von 2100 Kilowatt (2,1 Megawatt) haben, sodass am Standort pro Jahr zusätzlich rund 7,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) – wetter- und tageszeitunabhängig – sauberer Grundlaststrom ins Netz eingespeist werden kann. Das entspricht dem Strombedarf von 2260 Durchschnittshaushalten oder mehr als dem Viereinhalbfachen der Einwohner der Stadt Rothenfels. Der Betrieb der unterirdischen, horizontal gelagerten Kaplanturbine wird das Klima zuverlässig jährlich um über 5,1 Millionen Kilogramm Kohlendioxid (CO2) entlasten. Die im Herbst 2012 modernisierte vollautomatisch arbeitende Hightech-Rechenreinigungsmaschine ist bereits für die Erweiterung des Kraftwerks ausgelegt.
Die Rhein-Main-Donau AG erreicht mit dem Ersatz der 1937 gebauten alten Fischtreppe auf der Schleusenseite des Mains eine spürbare ökologische Verbesserung, indem sie auf über 230 Metern eine dem aktuellen Stand der Technik entsprechende technische Fischaufstiegshilfe mit 52 Betonbeckenstufen auf der kraftwerksseitigen rechten Uferseite baut.
Sie wird mit bis zu 1800 Litern Mainwasser pro Sekunde (zwölf Badewannen pro Sekunde) beaufschlagt. Um eine belastbare Datenbasis für die als ausreichend angesehene Wassermenge in der FAA zu erlangen, ist ein den Betrieb begleitendes wissenschaftliches Monitoring der neuen Anlage vorgesehen. Dessen Ergebnisse sollen zur Bewertung der Funktionsfähigkeit der geplanten Fischaufstiegsanlage dienen. Sie werden eine wichtige Grundlage für die Bemessung der Wassermengen von künftigen Fischaufstiegsanlagen entlang der Bundeswasserstraße „Main“ bilden. Da sich Fische während ihrer Wanderbewegungen flussaufwärts an einer ausreichend spürbaren Lockströmung orientieren, ist die Wassermenge, die am Ende der Fischaufstiegsanlage in das Fließgewässer austritt, einer der Erfolgsfaktoren für das Funktionieren der FAA.
Zusätzlich wird auch eine oberflächennahe Fischabstiegshilfe für Lachs- und Jungfische seitlich neben dem Turbinenschutzrechen in Form einer Überlaufschwelle mit daran anschließendem Sammelbecken und einer Ableitung ins Unterwasser geschaffen. Vom Sammelbecken aus werden die flussabwärts wandernden Fische mittels eines Rohres bis zum untersten Becken der Fischaufstiegsanlage geführt, von wo aus sie dann weiterwandern können. Über die Fischabstiegsanlage fließen bis zu 400 Liter pro Sekunde Mainwasser ab.
Auch diese ökologische Fischschutzmaßnahme wird wissenschaftlich begleitet. Die bestehende Aalabstiegsanlage (so genanntes Zick-Zack-Rohr) beim jetzigen Kraftwerk Rothenfels wird im Rahmen der Erweiterungsmaßnahme auf die neue Turbine ausgeweitet und bietet Aalen weiterhin die Möglichkeit des gefahrlosen Abstiegs um das Kraftwerk herum.
Sowohl die Fischtreppe als auch das Triebwerk werden zwischen der Staatsstraße 2315 (Marktheidenfeld-Lohr) und dem bestehenden Kraftwerksgebäude errichtet. Baubeginn zu dem mehrjährigen Projekt soll im kommenden Frühsommer sein. In diesem Zusammenhang betonte Schleich: „Unser Ziel ist es, die Eingriffe in die Umgebung und Beschränkungen während der Bauzeit so gering wie möglich zu halten. Wir bitten um Verständnis, dass es während der Bauzeit aus Sicherheitsgründen leider unvermeidlich sein wird, den beliebten Übergang vom Kraftwerk auf das Ostufer des Mains für den öffentlichen Personenverkehr zu sperren.“
Nach Fertigstellung der Kraftwerkserweiterung kann die Rothenfelser RMD-Anlage dann durchschnittlich rund 32 Millionen Kilowattstunden regenerativen, grundlastfähigen Strom pro Jahr erzeugen. (Jan Kiver)

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Kommentare (1)

  1. Walter am 14.05.2015
    Staustufe Rothenfels: RMD baut Flusskraftwerk aus, vom 12.05.2015

    Der Leser erhält den Eindruck, dass mit dem Einbau einer 3. Turbine und Fischauf- und Fischabstieg gleichzeitig für Mensch und Natur nur Gutes getan wird. Naturschützer haben erfolglos gegen den weiteren Ausbau argumentiert. Warum?

    Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind seit dem Jahr 2000 die Gewässer in einen besseren ökologischen Zustand zu bringen. U.a. gilt zwingend ein sog. Verschlechterungsverbot. Bis 2015 hätten die Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Da es in Ausnahmefällen zwei Fristverlängerungen gibt (2021 bzw. 2027,) ist bislang wenig passiert. Mit §34 und §35 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) von 2010 wurde dies in nationales Recht überführt.

    Mit dem Einbau der neuen Fischwanderhilfen wird einerseits eingestanden, dass die bisherigen nur eine Alibifunktion hatten und unwirksam waren (wobei die neuen Anlagen kaum besser sind, bzw. nicht auf Wirksamkeit hin überprüft werden). 0,6 m³/s für die "Fischtreppe" gegenüber 170 m³/s Durchsatz der
    Turbinen? Wie soll ein Fisch das Rinnsal finden? Ausschildern?

    Auch der Fischschutz vor den Turbinen ist nicht wirksam (Rechenabstände, Anströmgeschwindigkeit, ...). Z.B. werden derzeit ca. 30% der Aale, welche überwiegend durch die Turbinen flussabwärts wandern, je Kraftwerk getötet (gehäckselt). Wo bleibt hier Art. 20a Grundgesetz (GG)? Ein Aal aus dem Mittellauf des Mains hat also kaum eine Chance das Meer zu erreichen um dort in der Sargassosee abzulaichen um den Fortbestand der Art zu sichern.
    Aale sind zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht und stehen unter besonderem Schutz, bzw. dürfen diese aus Unterfranken aufgrund Schadstoffbelastung mit Dioxin und PCB nicht ohne chem. Untersuchung als Lebensmittel nicht "in Verkehr" gebracht werden. Wenn Sie es bis nach Baden-Württemberg oder Hessen schaffen, ist das dagegen wieder zulässig.

    Umfangreiche Untersuchungen an dem vor 4 Jahren neu gebauten Wasserkraftwerk in Kostheim (Main) kommen zum Ergebnis, dass nach gültigem Planfeststellungsbeschluss dieses stillgelegt werden müsste, da aufgrund gravierender Mängel deutlich mehr als zugesicherte max. 10% der abwärts-wandernden Fische getötet werden. Eine Ausnahmegenehmigung der hessischen Landesregierung hebelt dies jedoch aus.

    Die "Durchgängigkeitsstudie schiffbarer bayerischer Main" wurde von E.ON Wasserkraft GmbH, Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd und dem Bayer. Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit herausgegeben.
    Die E.ON ist der Betreiber der Main-Kraftwerke der Rhein-Main-Donau AG.
    Würden Sie nach einem Verkehrsunfall ein Gutachten über Ihrem eigenen Schaden beim Unfallverursacher beauftragen und ein neutrales Ergebnis erwarten? Dennoch stellt das Gutachten ein vernichtendes Urteil zum ökologischen Einfluss der bisherigen Kraftwerke bzw. Staustufen aus.

    Invesitert E.ON um der Bevölkerung und der Natur etwas Gutes zu tun? Sicher nicht. Die zusätzliche Turbine kann aufgrund der schwankenden Wasserführung überschlägig nur zu 1/3 des Jahres ausgelastet werden.
    Allerdings erhält der Wasserkraftbetreiber über die EEG-Umlage für 20 Jahre eine erhöhte garantierte Einspeisevergütung. Die Differenz beträgt mindestens 500.000.- €/a! Dies zahlt der Stromverbraucher über die EEG-Umlage von aktuell 6,17 Ct/kWh. Bei nach 2015 in Betrieb genommenen Anlagen reduziert sich die Zulage für jedes spätere Inbetriebnahmejahr um 0,5%. Den Nachweis, dass EEG-Zulage vergütet werden kann, erstellt üblicherweise ein Gutachter, oft der Anlagenplaner. Ob die geforderten ökologischen Verbesserungen eingehalten werden, wird nicht behördlich überprüft!

    Alle aufgeführten Informationen können im Internet nachgelesen werden.

    Auch ich benötige Strom und erzeuge diesen nicht selbst. Als selbsternannte "führende Industrienation" sollte es uns jedoch gelingen, Naturschutz und Stromerzeugung bzw. wirtschaftliche Interessen besser abzugleichen.

    Walter Rauch

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