Wirtschaft

17.06.2011

Photovoltaik ist angesagt

Intersolar: Viele Wechselrichterhersteller wissen nichts von neuen Vorschriften

Die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen steht immer mehr im Vordergrund, die Umwelt dagegen ist nicht mehr im Fokus. Das wird Jahr für Jahr deutlicher auf der Weltleitmesse Intersolar. Seit die Ausstellung vom beschaulichen Freiburger Messegelände nach München Riem umzog, hat sich viel geändert. Nahm einst die Sonnenwärme fast die halbe Fläche ein, belegt Solarthermie heute gerade mal etwas mehr als eine von 15 Hallen. Tendenz: Weiter sinkend.
Photovoltaik ist angesagt, denn Solarstrom soll Kernenergie ersetzen, zumindest in Deutschland. Deshalb kommen Anbieter aus der ganzen Welt hierher. Auch wenn die Fertigung von Solarzellen und -Modulen heute großteils in China und dem Rest Südostasiens stattfindet. Und war die Solar-Gesellschaft einst eine schillernd bunte, so ist sie heute in Einheitsgrau und -schwarz gekleidet: Sonnenenergie, ein „Business“ wie scheinbar jedes andere auch. Dafür werden die Geräte immer bunter.
So übertrumpfen sich Wechselrichter-Hersteller mit Höchstumwandlungsgraden, die bei näherem Hinsehen aber nur für einen bestimmten Punkt der Einspeisekennlinie gelten. Der Vergleich mit der Konkurrenz ist damit schier unmöglich. Doch wo das Geschäft explodiert, kommen ständig neue Mitspieler dazu. Aber optimal vernetzt scheint die Solarwelt dann doch noch nicht, wie ebenfalls am Beispiel Wechselrichter (WR) auffällt. So haben sich die deutsche Solarwirtschaft und die Stromnetzbetreiber auf die neue „Anwendungsrichtlinie VDE AR-N4105“ geeinigt. Vor allem, um das Netz zu stabilisieren.

Sofortiger Kollaps


Bisher müssen alle Solar-WR sofort abschalten wenn die Netzfrequenz über 50,2 Hertz (Hz) steigt. Doch das würde bei allein über 10 000 Megawatt Solareinspeisung ins Niederspannungsnetz zu einem sofortigen Kollaps der Stromversorgung führen. Die neue Richtlinie schreibt nun vor: Steigt die Frequenz über 50,2 Hz, müssen die WR die Einspeiseleistung langsam absenken. Erst bei 51,5 Hz dürfen sie komplett abschalten. Dazu kommen weitere Neuerungen der VDE AR-N4105. Doch die haben sich noch nicht weit über Deutschland hinaus herumgesprochen.
Der „Manager von Technischer Unterstützung“ am Stand von Macsolar aus Shanghai beispielsweise ist sichtlich irritiert bei der Nachfrage: „Wir haben erst auf der Messe davon gehört“, gibt er zu. Beim chinesischen Hersteller der MODAQO-Umrichter hat man gar „keine Ahnung“. Auch dem japanischen Produzenten der MEIDEN-Wechselrichter ist die Vorschrift „unbekannt“.
Aber es gibt auch andere Reaktionen. Die Chinesen von Involar „passen die Software unserer Geräte ohnehin jeweils an die Einsatzländer an“, die neuen Vorgaben seien problemlos einzuhalten. Auch die Solarmax-WR aus der Schweiz „sind einstellbar, je nach Länder-Vorschrift.“ Von Eltek Valere aus Norwegen kommt dagegen nur das pauschale Versprechen: „Diese Norm werden wir einhalten, weil wir sonst in Deutschland keine Geräte mehr verkaufen können.“ Somit bleibt der Schwarze Peter beim Kunden. PV-Anlagenkäufer, Installateure oder Großhandel müssen jeweils konkret nachfragen, ob die vorgesehenen Einspeisegeräte spätestens am 1. Januar 2012 die Anwendungsrichtlinie VDE AR-N4105 einhalten. Am Besten auch bei hiesigen WR-Herstellern, trotz deren Versprechen: Ab 1.7.2011 werden neu produzierte Geräte die Einspeisenorm erfüllen, auch8 wenn die erst am Jahreswende Pflicht wird. (Heinz Wraneschitz)

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