Wirtschaft

Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag hat Dirk Ippen (r.), Mitverleger unserer Zeitung, für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Bayerischen Printmedienpreises von Bayerns Medienminister und Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) erhalten. Mit dem Jubilar freut sich seine Gattin Marlene über die Auszeichnung. (Foto: Schlaf)

15.10.2010

"Print hat Zukunft“

Großverleger Dirk Ippen, der auch die Bayerische Staatszeitung mitverlegt, ist davon überzeugt, dass es weiterhin gedruckte Zeitungen geben wird

Wegbrechende Leserschichten und sinkende Anzeigenerlöse kennzeichnen schon seit Jahren die Lage bei den Zeitungsverlagen. Trotz Internetboom und Informationsweitergabe über mobile Endgeräte wie iPhones oder Tablet-PCs wird es die Tageszeitung auch weiterhin geben. Davon ist Dirk Ippen, einer der bedeutendsten Zeitungsverleger Deutschlands, der in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag feierte, überzeugt. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft der Zeitungslandschaft.

BSZ Herr Ippen, wie kann man Qualitätsjournalismus künftig noch finanzieren?
IPPEN So wie bisher. Denn das klassische Erlösmodell einer Tageszeitung funktioniert allen Unkenrufen zum Trotz ja immer noch, also das Verkaufen von Abonnements an die Leser und deren Weiterverkauf an Anzeigenkunden. Bislang ist auch keine Tageszeitung verkauft worden. Und wenn doch, wie im Fall der Süddeutschen Zeitung vor einigen Jahren, werden von Investoren mehrere 100 Millionen Euro geboten. Also sind die klassischen Tageszeitungen und damit der Qualitätsjournalismus trotz Internet nicht tot.

BSZ Aber die Anzeigenkunden wollen Reichweite und diese bekommen sie bei schrumpfender Auflage nicht mehr im gewohnten Umfang, weil viele Leser ins Internet abwandern.
IPPEN Das stimmt nur zum Teil. Eine kleine Lokalzeitung wie zum Beispiel das Fehmarnsche Tageblatt mit einer Auflage von nur 5000 erzielt eine Reichweite von über 80 Prozent, weil sie die einzige Tageszeitung dieser Region ist. Sie ist Teil der örtlichen Gemeinschaft und das dominierende Medium vor Ort. Ein Aldi beispielsweise wird dort inserieren, weil er dort die Leser findet, die seine Produkte kaufen. Natürlich wird der Anzeigenkunde dort zu niedrigeren Preisen inserieren als in anderen auflagenstärkeren Medien. Aber für die lokale Tageszeitung sind andererseits die Kosten auch nicht so hoch.
BSZ Aber viele Menschen nutzen doch bereits den Online-Einkauf.
IPPEN Das Bestellen über das Internet macht etwa 5 bis 6 Prozent der Umsätze im gesamten deutschen Einzelhandel aus. Also sind die Tageszeitungen immer noch wichtige Medien, um die Kunden zu erreichen.

BSZ Welchen Vorteil hat denn Werbung in einer Zeitung gegenüber anderen Werbeformen?
IPPEN Mit der Tageszeitung erreiche ich die Menschen am Frühstückstisch. Man sieht die Anzeigen beim Lesen des Blattes oder man muss die Anzeigenbeilagen herausnehmen, um die Zeitung aufschlagen zu können. Somit wird automatisch die Aufmerksamkeit des Lesers auf diese Beilagen gelenkt. Wenn ich dagegen Werbung zum Beispiel als Postwurfsendung im Briefkasten finde, ist es fraglich, ob ich sie öffne und lese.

BSZ Dann ist offenbar der Werbewert einer Tageszeitung wesentlich höher, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
IPPEN Ja. Wir haben in unserer Gruppe Münchner Zeitungsverlag eine Untersuchung gemacht. So sagen uns zum Beispiel Autohändler, dass trotz der Internetportale die Transaktionsdichte für Kraftfahrzeuge höher ist, wenn die Kunden über ein Zeitungsinserat auf das Fahrzeug aufmerksam wurden.

BSZ Dann müsste die Zukunft des Qualitätsjournalismus doch gesichert sein.
IPPEN Leider nicht.
BSZ Warum?
IPPEN Weil die Tendenz, eine Zeitung zu lesen, immer stärker sinkt. Und weil viele Menschen sich nur schnell informieren wollen. Das können sie im Internet kostenlos.

BSZ Dann muss man eben für die entsprechenden Inhalte im Internet endlich einmal Geld verlangen.
IPPEN Darin liegt die Hoffnung der Verlage. Denn Werbeerlöse lassen sich auch im Internet erzielen, auch wenn diese nicht so hoch sind. Aber man hat ja auch keine Papier-, Druck- und Zustellkosten.

BSZ Also geht doch alles ins Internet.
IPPEN Nein. Beides muss man bedienen, Print und Online. Denn gerade junge Menschen lesen gerne online. Ob sie das später auch noch tun werden, oder lieber eine gedruckte Zeitung lesen, wissen wir nicht. Aber ich denke, dass sich der Journalismus frei machen muss vom Medium. Heute kann jeder, der etwas Kluges zu sagen hat, seine Inhalte im Internet veröffentlichen. Lange Zeit konnte er das nur, wenn ein Verleger ihn anstellte und es ihm erlaubte, in seiner Zeitung zu publizieren. Der Einzige, der in diesem Spiel überflüssig wird, ist der Verleger.

BSZ Vor Kurzem wurde der Rheinische Merkur an die Zeit verkauft. Sterben die deutschen Wochenzeitungen aus?
IPPEN Das glaube ich nicht. Denn gerade junge Menschen geben an, dass sie am Wochenende Zeit zum Lesen haben und gerne eine Sonntagszeitung nutzen. Deshalb hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auch vom Start weg eine so gute Entwicklung genommen. Und wenn man Spezialtitel ansieht, so kann man feststellen, dass diese gerade in gedruckter Version stark nachgefragt werden. Ich habe mich erst kürzlich mit einem Verleger von Wissenschaftszeitungen unterhalten. Er sagte, dass sie selbstverständlich alle Inhalte auch online anbieten würden, aber die meisten Leser doch das Gedruckte bevorzugen – sei es in Zeitungsform, oder dass sie sich die Onlineinhalte ausdrucken.

BSZ Wochentitel können also in der Nische überleben?
IPPEN Durchaus. Aber sie müssen ihre Inhalte auch elektronisch anbieten, obwohl das Internet für sie eine nicht so große Rolle spielt. Entscheidend ist, dass sie Neues und Interessantes aus ihrem speziellen Bereich anbieten. Denn auch wenn Menschen weniger Lesen, so stirbt der menschliche Geist ja nicht aus. Und der will mit intelligenten Dingen gefüttert und befriedigt werden.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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