Wirtschaft

04.01.2013

Revolutionäre Technik entwickeln

Deutscher Solarkraftwerk-Weltmarktführer übernimmt Firma für gedruckte Organik-Solarzellen

Als der US-Solarkonzern Konarka im Juni in Konkurs ging, kam auch bei der europäischen Tochter des Herstellers für Organische Photovoltaik (OPV) mit Sitz in Nürnberg die Auflösungsangst hoch. Doch die eigene Insolvenz vier Wochen später – man wollte nicht im US-Strudel mitgerissen werden – machte die in Nürnberg ansässige Konarka Technologies GmbH stärker. Das stellte Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) vor Kurzem fest.
Mit dem neuen Firmennamen tut sich Ralph Pätzold noch sichtlich schwer. Öfters spricht er von Konarka, wenn er eigentlich Belectric sagen müsste. Pätzold war Geschäftsführer der alten und ist auch „CEO“ der neuen Belectric OPV GmbH. Standort: Nürnberg, Landgrabenstraße 94, wie zuvor. Mitarbeiter: 16, wie vor der Insolvenz. Aufgabe: Entwicklung der „revolutionären Technik, mit der sich die Art der Energieerzeugung wandelt: flexible, organische Solar-Produkte“. Nur eben nicht mehr unter dem Namen „Konarka“ sondern als „Belectric OPV“.


Zur Marktreife bringen

200 bis 300 Nanometer dünne Solarschichten, auf Folien aufgedruckt: Wer durch die Labore geht, fühlt sich an Tintenstrahldrucker im Büro erinnert. Nur werden bei Belectric nicht Textpassagen, sondern Solarzellen abgeschieden. Im Labormaßstab. Doch „von Technologiereife zur Marktreife zu kommen, das ist schwierig“, weiß CEO Pätzold. Aus eigener Erfahrung.
Die „deutschen Amerikaner“ hatten zwar die Laborproduktion im Griff. Doch für die Massenproduktion war es wohl noch zu früh. Dennoch wurde vor Jahren in den USA eine alte Kodak-Filmfertigung aufgekauft. Der Hersteller wollte der „kristallinen“ Photovoltaik Konkurrenz machen. Dabei bietet diese Technik Langlebigkeit von über 20 Jahren. OPV ist zwar billiger, aber weniger langzeitstabil. Verkauft wurde deshalb nicht viel in den letzten Jahren. So kam es offenbar zur Pleite in den USA und zur Insolvenz hier.
Die Belectric-Gruppe aus Kolitzheim in Unterfranken erkannte den Wert, der in der Entwicklung des dünnen, flexiblen „Konarka Power Plastic“ steckt. „Wir wollen das Produkt auf den Markt bringen“, ist Michael Belschak überzeugt, der Finanzchef der Belectric Holding. 540 Millionen Euro Umsatz bei 2000 Mitarbeitern stehen momentan zu Buche. „Bisher bauen wir keine Module, aber alles andere“, nennt er einen Grund für die Übernahme der Entwicklungsfirma. Doch bei Forschung soll es nicht bleiben: „Wir haben die Pilotanlage der Amerikaner aus der Insolvenzmasse gekauft“, berichtet er.
Im März 2013 soll sie in Franken wieder losproduzieren. Dabei wolle man „nicht in amerikanischen Größenwahn“ verfallen, verspricht Belschak. Die Maschine wird aber weder in Nürnberg noch in Kolitzheim aufgestellt, sondern am dritten Belectric-Standort Kitzingen. Dort, auf einem alten Kasernengelände stellt die Tochter Padcon bereits große Wechselrichter für Solarkraftwerke her. Platz für die Modulfertigung sei genug, sagt Belschak. Und bei gerade mal einer Stunde Fahrzeit zwischen Nürnberg und Kitzingen werde auch kein Forschertourismus aufkommen.
Belectric untersuche gerade den OPV-Markt, sei mit Autoherstellern „zum Beispiel für solare Rallyestreifen“ im Gespräch und mit anderen Anwendern, denen zehn Jahre Haltbarkeit genügen. „Nischenanwendungen, wo Gewicht oder Formbarkeit wichtig sind“ wolle Belectric zuerst angehen.
Doch für Michael Fraas ist „die beste Nachricht: Es geht weiter bei Konarka! Und dann noch durch eine Firma aus der Region! Einen Schock, als die US-Mutter Insolvenz anmeldete“ habe er bekommen, gibt Nürnbergs Wirtschaftsreferent zu. Der ist außerdem Vorstand des Kompetenzvereins „Energieregion Nürnberg“ und kann sich deshalb über den „hochinnovativen Player“ in Franken auch künftig freuen.
(Heinz Wraneschitz)

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