Wirtschaft

23.07.2010

Rodenstock für Verlängerung der Kernkraftwerks-Laufzeiten

vbw legt gesamtwirtschaftliches Energiekonzept vor

Die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. fordert in der Energiepolitik einen klaren und langfristigen Fahrplan bis 2050, dessen Umsetzung jetzt beginnen müsse. „Denn es ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen eine absolute Notwendigkeit“, so vbw-Präsident Randolf Rodenstock. Gerade Bayern mit seinen energieintensiven Industrien benötige klare und stabile Rahmenbedingungen für eine sichere, bezahlbare und klimagerechte Energieversorgung.


Die vbw habe mit ihrer Studie „Das Energiewirtschaftliche Gesamtkonzept“ Vorschläge für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung vorgelegt. Das Konzept weise die Machbarkeit eines geringeren Energieverbrauchs und sinkender Treibhausgasemissionen nach und liefere so auch wichtige Ansätze für einen effektiven Klimaschutz, erklärte Rodenstock. Der Entwurf stehe bewusst im Gegensatz zur „energiepolitischen Flickschusterei, die wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Deutschland erlebt haben“. Der Entwurf basiere nicht auf ideologischen Vorgaben, auf deren Grundlage bestimmte Energieträger zu bevorzugen wären. Vielmehr beschreibe er auf der Basis fundierter Hochrechnungen, mit welchem Energiemix die Herausforderungen jetzt und in Zukunft für eine optimale Energieversorgung am Standort Deutschland zu bewältigen sind, sagte der vbw-Präsident.
Diese Herausforderungen sind laut Rodenstock groß. Der wachsende Energiebedarf der Schwellenländer werde dauerhaft die globale Energienachfrage deutlich steigen lassen – Experten schätzen um bis zu 40 Prozent, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern. Höhere Nachfrage heiße aber steigende Kosten bei der Energiebeschaffung.
Ferner erfordere das notwendige klimapolitische Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, eine weitestgehend CO2-neutrale Energieerzeugung sowie eine deutlich effizientere Nutzung von Energie. Beides werde mit hohen Investitionen verbunden sein. Darüber hinaus erfordere der Ausbau der erneuerbaren Energien und dezentrale Erzeugungsstrukturen eine neue, intelligente sowie europaweit organisierte Netzstruktur und neue Formen der Energiespeicherung, damit die Versorgungssicherheit trotz Schwankungen in der Energieeinspeisung gewährleistet bleibt. Nur so könne ein Schlüsselproblem der erneuerbaren Energien gelöst werden: „Unsere Industrie muss auch mit ausreichend grundlastfähiger Energie versorgt werden können, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.“

Mutig in erneuerbare Energien investieren


Auf Sicht kann laut Rodenstock auf keinen Energieträger verzichtet werden. Auch die Kernenergie, die gerade in Bayern heute mit einem Anteil von über zwei Dritteln die größte Stromquelle für die öffentliche Versorgung sei, werde im Energiemix der Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen. „Wir brauchen eine Verlängerung der Laufzeiten für unsere Kernkraftwerke um 20, besser noch um 30 Jahre. Denn Kernenergie als Brückentechnologie bietet dreierlei, was wir jetzt brauchen: günstige, stabile und CO2-neutrale Energieerzeugung.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass Bayern energiepolitisch im Vergleich zu anderen Bundesländern vor einer besonderen Herausforderung steht. „Der Freistaat hat weder ausreichend Standorte für erneuerbare Energien noch unmittelbaren Zugang zu den neu entstehenden Windparks in der Nord- und Ostsee. Gerade deshalb ist die Kernkraft auch für die Zukunft unabdingbar.“
Rodenstock forderte unter anderem ein mutiges Investieren in erneuerbare Energien sowie einen intelligenten Netz- und Speicherausbau sowie Rahmenbedingungen für einen wettbewerbsorientierten deutschen wie europäischen Energiemarkt statt nationaler Alleingänge. Ferner spricht sich der vbw für eine Steuerung des Energiemixes der Zukunft aus, die Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise gewährleistet. Hier gelte es besonders, so Rodenstock, Fehlsteuerungen aufgrund von Subventionen insbesondere der erneuerbaren Energieträger zu vermeiden.
„Wir brauchen dringend und zügig ein weltweites Klimaschutzabkommen. Wir wollen gern Vorreiter beim Klimaschutz sein – die Grenzen sind aber dort erreicht, wo die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beschädigt wird.“
Energieeinsparungen und die Abkehr von fossilen Brennstoffen bei den Endverbrauchern bilden neben einer emissionsarmen Stromerzeugung das Fundament des Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzepts, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Dadurch, so Michael Schlesinger, Direktor der Prognos AG, sinken die Ausgaben für importierte Energierohstoffe bis 2050 auf rund 66 Milliarden Euro oder 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 2008 lagen die entsprechenden Werte bei 85 Milliarden Euro und 3,4 Prozent.
Die energiebedingten Treibhausgasemissionen verringern sich im Szenario laut Schlesinger zwischen 1990 und 2050 um 87 Prozent. Sollte sich nichts bewegen, seien die Emissionen 2050 lediglich um 180 Millionen Tonnen niedriger. Der Primärenergieverbrauch halbiere sich bei der Umsetzung des Gesamtkonzepts zwischen 2008 und 2050 und verändere seine Struktur. 2050 werden laut Schlesinger in Deutschland rund 77 Prozent weniger Öl und etwa 60 Prozent weniger Erdgas eingesetzt als 2008. Erneuerbare Energien würden mit 56 Prozent zur Bedarfsdeckung beitragen.
Für Bayern wäre mit der Umsetzung des Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzepts eine Verringerung der CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2050 um rund 84 Prozent verbunden. Der Energieverbrauch würde 2050 um fast 60 Prozent niedriger als 2008 liegen . Die Energieeffizienz in Bayern würde sich erheblich stärker als im Bundesdurchschnitt verbessern und 2050 um mehr als die Hälfte über diesem liegen. Durch die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke müsste Bayern erst nach 2035 Strom importieren. Langfristig würden Stromimporte eine zunehmend wichtige Rolle für die Versorgung in Bayern spielen.
(Friedrich H. Hettler)

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