Wirtschaft

Blick vom Osten auf die Messe München bei Nacht. (Foto: Messe München)

03.07.2015

Rückblick auf ein gutes Jahr 2014

Messe München war an ihrem Heimatstandort erfolgreich, hat ihre internationale Position konsequent ausgebaut und steht als gesundes Unternehmen da

2014 war ein gutes Jahr für die Messe München. Mit einem Konzernumsatz von 309,4 Millionen Euro hat die Messe München einen Überschuss von 30,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon profitieren auch die Landeshauptstadt München und der Freistaat Bayern.

„Denn wir werden 30,4 Millionen Euro je zur Hälfte an unsere beiden Hauptgesellschafter Freistaat Bayern und Landeshauptstadt München als Zinsen auf ihre Gesellschafterdarlehen überweisen“, sagte Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung, vor der Presse. Die Messe München sei an ihrem Heimatstandort erfolgreich gewesen, habe ihre internationale Position konsequent weiter ausgebaut und stehe als ein kerngesundes Unternehmen da.
Mit diesem Jahresergebnis habe die Messe München Dittrich zufolge ihre Ziele für 2014 deutlich übertroffen: „Statt wie ursprünglich kalkuliert mit einem Defizit abzuschneiden, schreiben wir im fünften Jahr in Folge und zum sechsten Mal seit dem Umzug auf das neue Messegelände im Jahre 1998 schwarze Zahlen und kommen ohne Zuschüsse der Gesellschafter aus.“
Der Schlüssel für diesen Erfolg war laut Messechef Dittrich das 2010 gestartete Effizienz- und Wachstumsprogramm, mit dem konsequent vier Ziele verfolgt wurden: deutliche Effizienzsteigerung im Unternehmen, überdurchschnittliches Wachstum am Heimatstandort und vor allem im Ausland, ständige Verbesserung des Kundenservice und Innovationsführerschaft im Zeichen der Digitalisierung. „Damit stehen wir kurz vor unserem strategischen Ziel, ab dem Jahre 2016 von unseren beiden Hauptgesellschaftern wirtschaftlich unabhängig zu werden. Und für mich ist sonnenklar, dass wir dieses Ziel erreichen werden“, so Dittrich.
Auch die Gesellschafter der Messe München hätten bei der vor Kurzem stattgefundenen Aufsichtsratssitzung „nur gestrahlt“. Denn mit dieser Bilanz sei die Messe München wieder die profitabelste von den großen Messegesellschaften in Deutschland.
Der Messe München Konzern machte 2014 weltweit einen Umsatz von 309,4 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 353 Millionen Euro. „Weil es neben der bauma als größter Messe der Welt eine Bündelung von vielen großen Ausstellungen gab, wie das nur alle zwölf Jahre vorkommt“, erläuterte Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und zuständig für die Finanzen. In München erwirtschaftete die Messe München GmbH 223,7 Millionen Euro – das sind beim reinen Veranstaltungsergebnis 8,9 Millionen Euro über dem Plan. Über dem Plan lagen besonders die IFAT (+ 2,0 Millionen Euro), die EXPO REAL (+1,5 Millionen), die automatica (+ 1,0 Million Euro) oder die ISPO (+1,0 Million Euro). Die Gastveranstaltungen legten – ohne Kongresse und MOC-Erlöse – um 3,3 Millionen Euro zu. Das ICM hat zum ersten Mal die zehn Millionen-Euro-Schwelle überschritten (10,5 Millionen Euro). Der EBITDA der Messe München GmbH - also der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen - beträgt 68,8 Millionen Euro. „Mit dieser Bilanz stehen wir auf Platz 3 unter den deutschen Messeplätzen. Weltweit stehen wir mit unseren 14 internationalen Leitmessen unangefochten unter den Top Ten. 2014 sind unsere Veranstaltungen erneut stärker als der Durchschnitt der Messen in Deutschland gewachsen“, freute sich Messechef Dittrich. Nur die Messe Frankfurt liege mit über 500 Millionen Euro Umsatz und die Messe Düsseldorf mit über 400 Millionen Euro Umsatz noch vor München. Aber die Messe München konnte bei wesentlichen Messe-Kennzahlen deutlich besser zulegen als die anderen deutschen Messegesellschaften. So sei die Zahl der Aussteller um 3,9 Prozent gewachsen, während der Durchschnittswert der anderen deutschen Messegesellschaften bei + 1,5 Prozent lag. Die Auslandsbeteiligung stieg sogar um 7,5 Prozent (Durchschnitt + 5,2 Prozent). Die vermietete Standfläche konnte um 3,8 Prozent zulegen (Durchschnitt + 0,3 Prozent) und die Besucherzahl kletterte um 7,6 Prozent (Durchschnitt + 0,3 Prozent).
„Diese Erfolgsbilanz hört sich leicht an. Aber auf welchem Hintergrund haben wir dieses sehr gute Ergebnis erreicht?“, fragte Dittrich rhethorisch. Beim Neubau des Messegeländes kamen die Gesellschafter in den 1990er Jahren überein, die Kosten von insgesamt 1,2 Milliarden Euro durch ein Darlehen von 680 Millionen Euro, das die Messe München selbst aufnahm, sowie durch ein Gesellschafterdarlehen von 520 Millionen Euro zu finanzieren. „Für das Darlehen von 680 Millionen Euro muss die Messe München bis heute jährlich einen Kapitaldienst von 50 Millionen Euro leisten. Sollte die Messe München dadurch kein ausgeglichenes Ergebnis erzielen, haben die Gesellschafter die Differenz mit einem Liquiditätszuschuss von jährlich etwa 20 Millionen Euro ausgeglichen“, erläuterte Dittrich. 2007 habe es die Messe München erstmals geschafft, trotz dieses hohen Kapitaldienstes einen Gewinn zu erzielen, der als Zins auf die Gesellschafterdarlehen ausgezahlt wurde.
Nach der ursprünglichen langfristigen Planung hätte die Messe München bis 2018 insgesamt noch 180 Millionen Euro Liquiditätszuschuss von den beiden Hauptgesellschaftern bekommen sollen. 2009 wurde jedoch entschieden, den Zuschuss auf 50 Millionen Euro zu begrenzen. „Das sind 130 Millionen Euro weniger, als damals geplant“, so Dittrich. Maßgeblicher Treiber dieser Entscheidung sei der heute amtierende Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewesen. „Aus heutiger Sicht müssen wir sagen, dass es eine richtige Entscheidung war, obwohl sie uns damals einige schlaflose Nächte bereitet hat“, so der Messechef. Seit 2010 habe die Messe München nicht wie ursprünglich kalkuliert insgesamt 31 Millionen Euro Zuschüsse abgerufen. „Nein, wir haben insgesamt 99,7 Millionen Euro Zinsen an unsere beiden Hauptgesellschafter gezahlt“, so Dittrich.
Weil die Messe München ab 2016 von ihren beiden Hauptgesellschaftern wirtschaftlich unabhängig wird, könne sie sich dann jährlich 50 Millionen Euro an Zins und Tilgung sparen. Somit kann mit dem Neubau zweier dringend benötigter Messehallen begonnen werden. Die 105,8 Millionen Euro teuren Gebäude werde die Messe komplett selbst finanzieren und sie sollen bis 2018 fertig sein. Baubeginn werde nächstes Jahr nach der Messe bauma sein. „Wir brauchen diese beiden zusätzlichen Hallen, denn vier unserer großen Messen sind vollständig ausgebucht“, so Dittrich.
Aber nicht nur in Deutschland ist die Messe München erfolgreich. 2014 hat sie ihre internationale Position strategisch weiter ausgebaut. In Istanbul wurde 2014 mit der Seismic Safety eine neue Messe für Erdbebensicherheit gegründet und mit der IFAT Eurasia in Ankara eine neue Messe für Umwelttechnologien etabliert. 2014 starteten die Münchner mit der food & drink technology Africa in Johannesburg, organisierten einen BAU Congress China und kauften mit der India Lab Expo eine führende Messe für Analytik, Labortechnik und Biotechnologie in Indien. Die bauma China stellte trotz der schwächelnden Konjunktur in China im November neue Ausstellerrekorde auf. Aufgrund der großen Nachfrage richtet die Messe München in Shanghai (neben Bejing) eine zweite ISPO ein. 400 Marken sind gleich zum Start im Juli vertreten. Im September findet die zweite BAUMA CONEXPO AFRICA in Johannesburg statt.
Diese Internationalisierung ist laut Messechef Dittrich Garant für die ausgezeichneten Zahlen in München. Denn es sei ein Wechselspiel. „Wir bringen unsere Münchner Weltleitmessen erfolgreich in die wichtigsten Wachstumsmärkte der Welt wie China, Indien, Türkei oder das südliche Afrika. Umgekehrt kommen aus diesen Regionen mehr Aussteller und Besucher zu uns nach München“, so Dittrich. In diesem Zusammenhang sei es auch Ziel, den Auslandsanteil am Gesamtumsatz bis 2016 auf über 20 Prozent zu steigern.
(Ralph Schweinfurth)

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