Wirtschaft

14.06.2013

Rundum g’sund

Aktionsprogramm zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz

Nur gesunde Mitarbeiter können ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten, das weiß jeder. Aber immer noch heißt gesund nur physisch gesund, nicht auch psychisch gesund. Und das in einer Zeit, da sich psychische Erkrankungen auch in der Arbeitswelt immer mehr häufen. Bayme, der Bayerische Unternehmensverband Metall und Elektro, und vbm, der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, haben jetzt gemeinsam als bayme vbm ein Programm ins Leben gerufen, das Unternehmen den Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern und Hilfe erleichtern soll.
Die Aktion zeigt sich breit aufgestellt. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm, erklärt: „Das Programm basiert auf den drei Säulen Wissenschaft, Weiterbildung und Beratung.“ Es gehe darum, so Brossardt, aus dem gewonnenen Wissen einen Nutzen zu ziehen und so Verbesserungen in den einzelnen Betrieben zu erreichen. Zu diesem Zweck werde momentan eine Studie erstellt, die 2014 veröffentlicht werden solle. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Belastungen im Job ebenso wie die Unterschiede zwischen Burnout-Kranken und gesunden Menschen und die Dispositionen für psychische Erkrankungen. Denn, so erklärt Brossardt, „in der Öffentlichkeit wird oft ein Zerrbild gezeichnet. Burnout scheint zu einem ‚Modethema’ geworden zu sein“.
Für die Studie hat sich bayme vbm ein renommiertes Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie ins Boot geholt. Direktor Florian Holsboer erhofft sich aus der Erhebung Daten über den Schweregrad und die Zuordnung zu verschiedenen Arten und Fällen psychischer Erkrankungen. Denn er muss offen zugeben: „Die Gründe für den Anstieg psychischer Erkrankungen sind unbekannt.“ Und nicht einmal der Anstieg selbst kann an Zahlen zweifelsfrei belegt werden. Zwar stieg die Zahl der Arztkontakte aufgrund psychischer Störungen zwischen 2004 und 2010 bei Männern um etwa 5 Prozent auf etwa 12 Prozentpunkte und bei den Frauen auf etwa 17 Prozent (Vorjahr: rund 14) an. Doch dies darf nicht vorschnell interpretiert werden. „Vielleicht kommt es ja auch zur Zunahme, weil etwas Gutes passiert ist“, meint Florian Holsboer dazu.
Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen nimmt immer mehr ab, immer häufiger trauen sich Arbeitnehmer, über Probleme zu sprechen. Hier soll das Aktionsprogramm greifen. Unter dem Weiterbildungsaspekt sollen Workshops für Mitarbeiter, Führungskräfte und Betriebsärzte angeboten werden, ab 1. September dieses Jahres ergänzt durch eine Hotline, unter der Mitarbeiter mit zwei Psychologen über psychische Probleme austauschen können.
Aber warum startet dieses Programm gerade jetzt? Bertram Brossardt erklärt: „Zur Zeit findet in der Öffentlichkeit eine sehr starke Emotionalisierung des Themas statt. Darauf reagieren auch gesetzgeberische Planungen, die der Grundlagen entbehren.“ Diese Grundlagen und neue Erkenntnisse soll die Studie des Max-Planck-Instituts zutage fördern. „Wir wollen die Wahrheit, keine Mythen. Wir wollen einen Beitrag leisten“, sagt er über das Aktionsprogramm. Ziel sei es, dass gut qualifizierte, leistungsfähige Mitarbeiter wettbewerbsfähig bleiben, so der Geschäftsführer. Inwieweit dies erreicht werden kann, wird sich in den für das Programm angelegten drei Jahren zeigen. Bayme vbm investiert dafür rund 1,7 Millionen Euro.
(Maria-Mercedes Hering)

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