Wirtschaft

09.01.2015

Schachtwasserkraftwerk als weltweites Pilotprojekt

Landkreis Garmisch-Partenkirchen geht neue Wege

Als weltweit einzigartiges Pilotprojekt bezeichnet der Garmischer Landrat Anton Speer (Freie Wähler) das zukünftige Schachtwasserkraftwerk an der Loisach; das ist ein Fluss, der sich von Lermoos in Tirol bis zur Isar bei Wolfratshausen durch die Landschaft schlängelt. Kurz vor Weihnachten unterschrieb er die Genehmigung für eine Anlage, mit der die Gemeinde Großweil ihren im Dorf verbrauchten Strom komplett selbst erzeugen wird. Der Bürgermeister des 1400-Einwohner-Ortes im Nordosten des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, Manfred Sporer (CSU), ist sich sicher: „Die Jahresleistung des Kraftwerkes mit 2,4 Millionen-Kilowattstunden reicht für 600 Vierpersonenhaushalte.“
Die Gemeinde Großweil hält 25 Prozent der Anteile an der im September 2014 gegründeten Kraftwerk Großweil GmbH. Gemeinsam mit den Gemeindewerken Garmisch-Partenkirchen (55 Prozent) und dem privaten Kraftwerksbetreiber Markus Poettinger (20 Prozent) aus Farchant teilt sich Großweil die Baukosten in Höhe von etwa 3,5-Millionen Euro – der Antrag auf einen Zuschuss durch das Bayerische Wirtschaftsministerium ist gestellt. Wenn es nach Manfred Sporer geht, könnte das Kleinkraftwerk Anfang 2016 in Betrieb gehen. Gebaut wird im Herbst und im Winter, nach der Hochwasserperiode. Dem Schachtwasserkraftwerk Großweil liegt ein patentiertes Konzept der Technischen Universität München mit den Teamleitern Peter Rutschmann und Albert Sepp zu Grunde: Vor einem ohnehin in der Loisach bei Großweil vorhandenen Wehr wird ein Schacht in das Flussbett gegraben. Das Wasser strömt in eine dort eingebaute unterirdische Kiste, treibt einen an eine Turbine gekoppelten Generator an und fließt unterhalb des Wehres wieder in den Fluss zurück. Das komplette Kleinkraftwerk integriert sich mit dieser Bauweise unsichtbar in die Landschaft, außerdem ist kein spezieller Stausee erforderlich. Am Ufer ist ledig ein kleines Trafohäuserl zu sehen.
Manfred Sporer hält das geplante Schachtwasserkraftwerk für umweltfreundlich, denn im Gegensatz zu herkömmlichen Wasserkraftwerken liegt der Rechen, der Treibholz und Geschiebe von der Turbine fernhalten soll, flach am Boden des Flusses. Bringt also – wie er betont – für Fische und Laich nur eine geringe Störung; außerdem berücksichtigt die Technologie bereits vorhandene Fischtreppen.
Für Landrat Speer ist das Schachtwasserkraftwerk an der Loisach ein entscheidender Schritt zur Umsetzung der Energiewende im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: „Wir müssen die Ressourcen an Wasserkraft nutzen. Großweil wird ein absolutes Vorzeigeprojekt.“ (Günter Bitala)

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