Wirtschaft

Alkohol ist bei Firmenfeiern kein grundsätzliches Tabu. (Foto: dpa)

21.09.2015

Scherze unter der Gürtellinie

Richtige Verhaltensweisen bei Firmenfeiern

Eine Firmenfeier ist die beste Gelegenheit für jeden Chef, seinen Mitarbeitern für die geleistete Arbeit zu danken und seine Wertschätzung auszudrücken. Allerdings gibt es bei Firmenfeiern für die Mitarbeiter auch so manche Stolperfalle, die im günstigsten Fall für peinlich berührtes Lachen sorgt, im ungünstigsten aber sogar arbeitsrechtliche Folgen haben kann. Die größten Ausrutscher können natürlich bei der Weihnachtsfeier passieren, die in nahezu jedem Unternehmen stattfinden.

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Festivitäten und Events mit internem oder offiziellem Charakter. Firmenjubiläen beispielsweise werden gern zusammen mit Partnern, Zulieferern, Kunden und natürlich den Mitarbeitern gefeiert. Diese haben üblicherweise einen sehr förmlichen Charakter und häufig ein offizielles Rahmenprogramm. Während bei diesen Anlässen Begleitung durchaus gern gesehen ist, ist das bei rein internen Feiern nicht der Fall. Diese werden etwa veranstaltet, wenn ein bestimmtes Ziel erreicht wurde oder das Unternehmen Wert auf Maßnahmen zum Teambuilding legt. Diese werden gern mit Veranstaltungen wie einem Besuch im Klettergarten kombiniert, sind ausschließlich den Mitarbeitern vorbehalten und haben einen inoffiziellen Charakter.

Während für die erstgenannten Gelegenheiten alle wichtigen Fragen wie Begleitung und Dresscode von der Unternehmensleitung geklärt sind, ist das bei Weihnachtsfeiern oder Betriebsausflüge nicht der Fall. Ob Begleitung erwünscht ist oder eher nicht, wird von jedem Unternehmen anders gehandhabt. Ein Faktor, der eine wichtige Rolle spielt, ist die Größe des Unternehmens: Während kleinere Firmen oft den familiären Charakter des Unternehmens betonen wollen und Partner sowie Familie ausdrücklich eingeladen sind, ist das bei größeren Mittelständlern oder Konzernen eher nicht der Fall. Neue Mitarbeiter sollten sich deshalb bei ihren Vorgesetzten erkundigen, wie die Frage der Begleitung gehandhabt wird.

Was soll ich nur anziehen? Der richtige Dresscode

Grundsätzlich wird von den Mitarbeitern bei der Firmenfeier ein gepflegtes Erscheinungsbild erwartet, was jedoch nicht heißt, dass die Mitarbeiter overdressed erscheinen sollen. Bei der Weihnachtsfeier oder beim Betriebsausflug etwa empfiehlt es sich, möglichst normal zu erscheinen. Denn wer üblicherweise in Jeans, Hemd und Sakko im Büro erscheint, wirkt im zweireihigen Anzug nicht nur deplatziert, er fühlt sich meist auch nicht recht wohl in seiner Haut und wirkt auf seine Kollegen verkleidet.

Handelt es sich dagegen um Feiern, die mit Outdoor-Aktivitäten kombiniert werden, ist praktische Freizeitkleidung gefragt. Gegebenenfalls können die Mitarbeiter Kleidung zum Wechseln mitnehmen, allerdings sollte auch diese dem Anlass entsprechend gewählt werden. Wer etwa ein Sakko für die Grillfeier nach dem Besuch eines Klettergartens im Gepäck hat, wirkt nicht nur deplatziert, sondern ruiniert sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch das eine oder andere gute Kleidungsstück. Auch was den Dresscode angeht, lohnt es sich für Mitarbeiter, die erstmals an einer Firmenfeier teilnehmen, bei Kollegen oder Vorgesetzten nachzufragen.

Auch wenn sich der Chef bei der Firmenfeier betont kollegial gibt, sollte ein Mitarbeiter keinesfalls den Eindruck erwecken, er wolle dem Vorgesetzten „Honig ums Maul schmieren“. Das führt spätestens nach der Feier zu bösem Blut im Unternehmen und kann im ungünstigsten Fall sogar zu Mobbing führen. Sofern es natürlich etwas Besonderes zu feiern gibt, zum Beispiel das oben genannte Firmenjubiläum, könnte man dies als Gesprächsthema anschneiden und somit angemessen gratulieren. Wer sich Vorgesetzten gegenüber hingegen völlig normal verhält, fährt also in jedem Fall gut. Auch kleine Geheimnisse von Kollegen sollten den Vorgesetzten nicht bei dieser Gelegenheit zugetragen werden. Auch das führt zu schlechter Stimmung und kann dem Betroffenen sogar selbst schaden: Er erweckt damit nämlich den Eindruck, er könne keine Geheimnisse für sich behalten.

Alkohol - ein leidiges Thema

Alkohol ist bei Firmenfeiern kein grundsätzliches Tabu. Im Gegenteil wird sogar oft gern mit einem Gläschen auf abgeschlossene und künftige Projekte angestoßen. Das gilt jedoch aus zwei Gründen nicht für übermäßigen Alkoholgenuss. Zum einen wird von vielen Chefs sehr wohl das Trinkverhalten der Mitarbeiter zur Kenntnis genommen, sodass sich das Glas zu viel bei der Weihnachtsfeier als Karrierebremse herausstellen kann. Zum anderen kann es nach der Feier bei einem Gläschen zu viel schnell zu peinlichen Situationen kommen, für die sich die Betroffenen nach der Feier entschuldigen müssen. Ein Klassiker: Vorgesetzte verbrüdern sich mit ihren Mitarbeitern und bieten leichtfertig das "Du" an, was allen Beteiligten im normalen Arbeitsalltag unangenehm ist.

Die gelockerte Atmosphäre bei der Firmenfeier verleitet so manchen vielleicht, Themen anzusprechen, die im Alltag unter den Tisch gefallen sind. Jedoch gibt es einige Themen, die keinesfalls angesprochen werden sollten. Beispielsweise sollte nicht über abwesende Personen gesprochen oder Klatsch verbreitet werden. Das wird im normalen Alltag schon nicht gern gesehen und hat auf einer Feier noch weniger verloren. Auch Meinungsverschiedenheiten sollten nicht während einer Feier geklärt werden. Hier werden nicht nur Kollegen, die nicht involviert sind, mit hineingezogen, der Missstand kann darüber hinaus auch eskalieren. Ärger und Konflikte sollten im Alltag unter den Betroffenen geklärt werden. Ebenso schlecht sind Gehaltsverhandlungen bei Firmenfeiern aufgehoben. Auch diese sollten in ruhiger Atmosphäre unter vier Augen mit dem Chef geführt werden.

Als absolutes Tabu gelten Scherze, die unter die Gürtellinie gehen, sowie Gespräche über Religion und Politik. Diese Themen sind absolute Privatsache und sollten von allen Beteiligten auch als solche behandelt werden. Gerade hier kann es schnell zu Streitigkeiten kommen, wenn die Belegschaft multikulturell zusammengesetzt ist, wie es in Großstädten auch bei kleinen Firmen oft der Fall ist. (BSZ)

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