Wirtschaft

06.03.2015

Schizophrene Energiewende

Eine Glosse von Detlef Fischer

Am Wochenende setzt sich der als Naturschützer verbrämte Egozentriker mit aller Kraft für die Verhinderung von Stromtrassen ein, die durch Bayern laufen sollen. Denn diese sind schlecht für die Energieautarkie und heimische Wertschöpfung seines Landkreises. Sie befeuern nur den europaweiten Stromhandel mit Atomstrom.
Unter der Woche arbeitet er für einen bayerischen Automobilkonzern, der einen Großteil seiner Produktion von Kunden aus dem Ausland bezahlt haben möchte. Dessen immer schneller werdenden Spritschlucker beschleunigen vor allem den Klimawandel. Darum freut sich der Pseudo-Öko schon auf die fette Gehaltsprämie für den nächsten Produktionsrekord. Darum kann er es auch gut nachvollziehen, dass die bayerische Staatsregierung keine ehrgeizigeren Ziele zur Energieeinsparung vorgibt.
Gerne berichtet er jedem von seiner Reise nach Fukushima, wo er sich die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe angeschaut habe. Dafür hat er zwar genauso viel Energie verbraucht und Kohlendioxid ausgestoßen, wie ein bayerischer Durchschnittsbürger in einem ganzen Jahr, aber das Flugzeug wäre ja auch ohne ihn geflogen.
In Bayern setzt er sich dafür ein, dass keinem Fisch durch ein Wasserkraftwerk auch nur eine Schuppe gekrümmt wird. Zur Erholung fliegt er dann gerne mal nach Mexiko zum Fischen.
Allerdings kann er das Gemeckere des Stromverbandsgeschäftsführers nicht mehr ertragen, warum er sich als Energieeffizienzfan und renommierter Naturschützer kein Elektroauto anschafft und es mit seiner Photovoltaikanlage auflädt. Das ist ihm doch viel zu teuer. Dann kann er sich doch die Reise mit dem Summit-Club des Deutschen Alpenvereins nach Nepal nicht mehr leisten.
In Bayern verhindert er jede neue Kilowattstunde Strom aus Wasserkraft, weil er die Fische so liebt. In Norwegen hat er ein mit Photovoltaikzellen stromautark gemachtes Wochenendhaus. Daher muss er jetzt keinen norwegischen Wasserkraftstrom mehr verwenden, um die von ihm getöteten Fische lecker zuzubereiten. Gut findet er auch, dass das Kerosin wieder so billig geworden ist. So kann er öfter hin- und herdüsen.
All diese Beispiele machen dem Autor Mut. Bei so viel Idealismus und Denken im Sinne des Großen und Ganzen muss das doch noch klappen mit unserer Energiewende… Ähnlichkeiten mit real lebenden Personen sind beabsichtigt und durchaus erwünscht.

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