Wirtschaft

Die bayerische Brauwirtschaft produzierte im abgelaufenen Kalenderjahr 2017 inklusive alkoholfreiem und Malzbier insgesamt rund 25,8 Millionen Hektoliter Bier. (Foto: Bayerischer Brauerbund)

12.02.2018

Schneider fordert Bürokratieabbau

Die bayerische Brauwirtschaft trotzt dem Absatztrend und gewinnt Marktanteile bei Spezialitäten und im Export

Seit fast zwei Jahrzehnten begleitet der Bayerische Brauerbund das individuelle Marketing der Brauereien im Freistaat mit der Kampagne „Bayerisches Bier – einzig in der Welt“. Dabei geht es nach den Worten des Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes um Vielfalt – der Baustätten, der Sorten und der Marken – sowie um Tradition, „sowohl die auf dem Reinheitsgebot fußende Tradition der Bierherstellung, als auch die in Jahrhunderten zählende Tradition unserer Brauereien, und es geht um Qualität“. Für Schneider ist es das besondere Zusammenspiel dieser drei Parameter, das die Einzigartigkeit bayerischen Biers ausmacht – „und dem wir verdanken, dass bayerisches Bier als geschützte geografische Angabe unter dem besonderen Schutz der EU steht“.
Mit einer deutlich besseren Absatzentwicklung als der Bund blicken Bayerns Brauer zufrieden auf das Kalenderjahr 2017 zurück. Wie der Bayerische Brauerbund in im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz mitteilte, konnte der Gesamtbierabsatz im In- und Ausland im zurückliegenden Jahr um 1,3 Prozent auf 23,8 Millionen Hektoliter gesteigert werden.

Bayerisches Lebensgefühl

Noch nicht enthalten ist in diesen Zahlen der Absatz an alkoholfreiem Bier, das sich mit einem Volumen von rund zwei Millionen Hektolitern zu einem eigenständigen, starken Segment im Biermarkt entwickelt hat. Insgesamt produzierte die bayerische Brauwirtschaft rund 25,8 Millionen Hektoliter, ein Produktionsvolumen, das zuletzt 1995 erreicht wurde.

Nach den Ursachen dieser positiven Entwicklung gefragt, nannte Schneider weitere Exporterfolge der bayerischen Brauer. „Wir exportieren mit bayerischem Bier auch ein Stück bayerisches Lebensgefühl. Bayerisches Bier ist Teil des kulinarischen Erbes Europas.“ So begründete er die neuerlich Zunahme der Exportmenge um 5,8 Prozent auf insgesamt 5,2 Millionen Hektoliter.
Besonders erfreulich ist laut Schneider, dass zusätzlich zum Mengenwachstum auch ein steigendes Bewusstsein für Geschmacksunterschiede verschiedener Bierspezialitäten beim Verbraucher zu beobachten ist. Dies trage auch zu einer steigenden Beliebtheit traditionell bayerischer Bierspezialitäten in anderen Bundesländern bei.

Vor 25 Jahren hat der Bayerische Brauerbund bei der EU den Antrag gestellt, die Bezeichnung „Bayerisches Bier g.g.A.“ unter Herkunftsschutz zu stellen. Dem wurde 2001 vom EU-Ministerrat zugestimmt. „Nun erwarten wir von der EU auch die konsequente Ausdehnung und Verteidigung dieses Schutzes im Rahmen von Freihandelsabkommen, damit er in den aktuell schnell wachsenden Märkten nicht zum Muster ohne Wert wird“, sagte Schneider. Die weltweit hohe Anerkennung von „Bayerischem Bier“ und die Exklusivität bayerischer Bierspezialitäten könne nur glaubhaft erhalten werden, wenn auch „Bayern drin ist, wo Bayern als Herkunftsbezeichnung drauf steht“.

Trotz steigender Absatzmengen wies der Brauer-Präsident auf den unverändert hohen Wettbewerbsdruck und den Verdrängungswettbewerb im Biermarkt hin, der mit niedrigen Preisen ausgetragen und durch die anhaltende Konzentration im Handel weiter befeuert werde. „Knapp 72 Prozent der im deutschen Einzelhandel abverkauften nationalen Pilsmarken werden zu Sonderangebotspreisen verschleudert“, erklärte er. Während die Erlössituation auch für bayerische Brauereien somit unbefriedigend bleibt, steigen die Aufwendungen und Kosten gerade im Mittelstand stetig an. Für Schneider ein Grund, warum die Branche in den vergangenen Jahren viele Traditionsbrauereien verloren hat.

Kritisch äußerte sich Schneider zu den bürokratischen Anforderungen an Brauereien, die einen immer größeren Zeitaufwand erfordern. Gemeinsam mit dem Beauftragten für Bürokratieabbau der Staatsregierung soll hier Abhilfe geschaffen werden. Da das bayerische Braugewerbe unverändert mittelständisch strukturiert ist und familiengeführte Traditionsbetriebe das Gesicht der Brache prägen, „gibt es bei uns keine großen Stabsstellen, an die man die Erfüllung der unzähligen Dokumentationspflichten und anderer, vielfältiger bürokratischer Auflagen delegieren könnte“. Selbst die Inanspruchnahme zahlreicher, auf den Mittelstand zugeschnittener Fördermöglichkeiten sei oft so kompliziert, dass sich viele gerade mittelständische Brauer erst gar nicht an eine Beantragung trauen.

Genusskultur

Auch warnte Schneider vor einer Überregulierung bei der Alkoholmissbrauchsbekämpfung. Hier setze die Branche seit Jahren auf verhaltenspräventive, aufklärende Maßnahmen, deren positive Wirkung durch sinkenden Alkoholmissbrauch insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eindrucksvoll belegt werden könne. Gleichzeitig erteilte der Brauer-Präsident weiteren Verboten und Einschränkungen eine klare Absage.

Der Freistaat feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen und dazu gehört laut Schneider auch das Bier als Teil bayerischer Genusskultur. Aus diesem Grund wurde letztes Jahr im Rahmen eines Pilotprojekts die Zertifizierung „Ausgezeichnete bayerische Bierkultur“ ins Leben gerufen, die zusätzlich zum Prädikat „Ausgezeichnete bayerische Küche“ erworben werden kann. Bier ist für Schneider „ein Teil des weltweit positiven Bayernbilds. Mit dem Genuss bayerischen Biers kann man neben der unbestrittenen Qualität unserer Produkte an einem Lebensgefühl teilhaben, um das uns viele beneiden.“ (Friedrich H. Hettler)

(Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbunds; Bier ist bayerisches Lebensgefühl - Fotos: Bayerischer Brauerbund)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 7 (2018)

Umfrage Bild
Abstimmen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 16. Februar 2018 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Angelika Niebler (CSU), Vorsitzende der CSU-Europagruppe im EU-Parlament

(JA)

Werner Langen (CDU), Mitglied des Vorstands der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2017

Ausgabe vom
24. November 2017

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.