Wirtschaft

Intensiver Dialog mit der Landespolitik: Im Rahmen von Arbeitsfrühstücken im Landtag informierten die Initiative ChemDelta Bavaria die großen Fraktionen von CSU und SPD – hier im Bild die CSU-Abgeordneten mit Erwin Huber, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im bayerischen Landtag (3. v. li.)und den ChemDelta-Verantwortlichen. (Foto: ChemDelta Bavaria)

16.07.2014

„Schulterschluss mit der Landespolitik“

Initiative ChemDelta Bavaria diskutierte mit Landtagsabgeordneten über den Bahnausbau und weitere Wettbewerbsfaktoren

Die Initiative ChemDelta Bavaria im direkten Dialog mit dem Bayerischen Landtag: Im Rahmen von zwei Veranstaltungen mit insgesamt 21 Abgeordneten diskutierten Verantwortliche des ChemDelta-Lenkungskreises über wichtige Wettbewerbsfaktoren der südostbayerischen Chemieregion. Tenor: „Es ist höchste Zeit, zu handeln.“ 

Mit mehr als acht Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und einer Exportquote von über 60 Prozent bildet das Bayerische Chemiedreieck einen Schwerpunkt der chemischen Industrie im Süden Deutschlands und gehört zu den wirtschaftlich stärksten Regionen in Bayern. Mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und rund 1.000 Auszubildenden ist über ein Drittel der Beschäftigten in der chemischen Industrie in Bayern hier tätig. Rund 50.000 weitere Arbeitsplätze in der Region sind eng mit der chemischen Industrie verbunden.

„Essentielle Wettbewerbsfaktoren für die Unternehmen unseres Bayerischen Chemiedreiecks sind Verkehrsinfrastruktur und Logistik, Energie, Umwelt, Bildung und Nachbarschaft“, erklärt Initiativen-Sprecher Alfred Kern: Um diese Themenfelder kreisten auch die beiden Gesprächsrunden zwischen den Landtagsabgeordneten und den Werkleitern der großen ChemDelta-Standorte. Zusammen mit Kern waren Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf und aktuell Vorsitzender des Lenkungskreises der Initiative, Dieter Gilles, Werkleiter der Wacker Chemie AG Burghausen, Gerhard Wagner, Standortleiter Burghausen und Geschäftsführer der OMV Deutschland GmbH, Stefan Greger, Mitglied des Vorstands der AlzChem AG, Markus Born von den Bayerischen Chemieverbänden sowie weitere Vertreter der Chemiestandorte in den Landtag gekommen. Sie diskutierten mit Mitgliedern des Wirtschafts- sowie des Bildungsausschusses im Landtag, es waren aber auch interessierte Abgeordnete aus anderen Ausschüssen anwesend. Initiiert wurden die Gesprächsrunden über die Heimatabgeordneten aus der Chemiedreiecksregion: Ingrid Heckner und Erwin Huber (beide CSU) sowie Günther Knoblauch (SPD).

Infrastruktur-Defizite belasten gute Nachbarschaft

Am Beispiel des schleppenden zweigleisigen Ausbaus der Bahnverbindung in das Chemiedreieck – zirka ein Prozent des jährlichen Güter-Transportaufkommens der Deutschen Bahn wird über die eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke Tüssling-Mühldorf-München abgewickelt – machte Wacker-Werkleiter Gilles klar: „An die Stelle der Sympathie für die Belange der Industrie muss endlich ein Handeln der politisch Verantwortlichen treten, das wirtschaftlich vertretbare Chancen auf Verkürzung der Genehmigungszeiten und Beschleunigung der Baumaßnahmen nutzt!“ Auch  Stefan Greger  von der AlzChem thematisierte dies: „Defizite der regionalen Verkehrsinfrastruktur dürfen das ausgezeichnete Verhältnis zu den Nachbarn unserer Standorte nicht weiter unnötig belasten. Das hohe Steueraufkommen, das die Unternehmen vor allem über die Gewerbesteuer erbringen, muss daher zum Teil durch die Investitionen in die Infrastruktur wieder in die Region zurück fließen!“

Sichere Energieversorgung unverzichtbar

Die sichere, umweltverträgliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen sei eine weitere unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien im Bayerischen Chemiedreieck, betonte Gerhard Wagner von der OMV Deutschland. Der Stromverbrauch der Mitgliedsunternehmen von ChemDelta Bavaria habe 2013 mit 4,7 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr rund 1,4 Prozent des gesamtdeutschen Stromverbrauchs betragen: „In Wettbewerbsregionen wie den USA kosten Strom und Gas bis zu zwei Drittel weniger als in Deutschland – Energiepolitik ist daher keine rein nationale Angelegenheit!“ 

„Landespolitik soll aktiv Widerstand leisten“

Deutlich wurde Stefan Greger von der AlzChem AG beim Thema „Wettbewerbsfaktor Umwelt“: „Die Produktionsanlagen im ChemDelta Bavaria sind auf dem neuesten Stand und erfüllen alle Auflagen. Die EU-Kommission, aber auch die nationalen Behörden, werden aufgefordert, wieder an den Geist der EU-Öko-Auditverordnung (EMAS) anzuknüpfen, statt ständig neue bürokratische Pflichten zu generieren, die in der Industrie die tatsächlichen Umweltleistungen schwächen.“ Auch die bayerische Landespolitik sei hier aufgerufen, aktiv Widerstand zu leisten, um die chemische Industrie nicht zu gefährden.


ChemDelta als Wissenschaftsstandort etablieren

Für die Zukunft der gesamten Region ChemDelta Bavaria werde die Stärkung der Innovationskraft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor, sagte Dr. Bernhard Langhammer von InfraServ Gendorf. So könnte ein regionales Kompetenz- und Technologiezentrum für moderne Verfahrenstechnik, in Kooperation mit einer Hochschule, als „Leuchtturm“ den Produktionsstandort ChemDelta Bavaria auch als Wissenschaftsstandort etablieren. „Grundsätzlich bedarf es hier aber auch einer Steigerung der Wertschätzung von Ausbildungsberufen gegenüber Studienabgängen, mehr naturwissenschaftlichen Themen bereits an den Grundschulen und einer Stärkung der beruflichen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten vor Ort im Chemiedreieck“, so Langhammer.

In beiden Veranstaltungen machten die Abgeordneten deutlich, dass sie diese Form des Informationsaustausches sehr begrüßen und im direkten Kontakt mit den Unternehmen viele wichtige Fakten erfahren hätten. „Ihre Sorgen sind unsere Sorgen“, sagte Erwin Huber, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im bayerischen Landtag. Ähnlich äußerte sich Annette Karl, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag. (Markus Koch)

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