Wirtschaft

08.06.2012

Sell in May and go away

Eine Aktienmarkteinschätzung der Fürst Fugger Privatbank

Das alte Sprichwort „Sell in May and go away“ scheint zumindest in diesem Jahr zuzutreffen. Nach den Kursabgaben im Monat April beschleunigte sich der Abwärtstrend im Mai nochmals. Die meisten internationalen Indizes notieren somit seit Jahresanfang deutlich im Minus. Selbst der bislang von den Anlegern bevorzugte deutsche Aktienmarkt konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen und büßte seine zwischenzeitliche Wertentwicklung von mehr als 20 % fast vollständig ein. Was war passiert? Die zum Jahresbeginn zu optimistischen Prognosen hinsichtlich der weltweiten Konjunkturentwicklung erwiesen sich als nicht nachhaltig. Hinzu kam, dass sich die Schuldenkrise innerhalb der Eurozone kontinuierlich ausweitet.

 

Vor allem der letztgenannte Punkt erweist sich immer mehr als Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft. Angesichts eines rückläufigen Wachstums in China, einer weiterhin schwachen Wirtschaftsentwicklung in den USA sowie einem schwächelnden Europa machen sich die Anleger vermehrt darüber Gedanken, wie es mit der Konjunktur, aber auch den Aktienmärkten weitergehen wird. In Phasen mit hoher Unsicherheit scheint der beste Rat darin zu bestehen, Ruhe zu bewahren und sich auf Fakten zu berufen.

 

Auf mittlere Sicht sprechen die überbordende Liquidität sowie die niedrigen Bewertungen für steigende Notierungen. Angesichts der kurzfristig fortbestehenden politischen Unsicherheiten im Euroraum sowie durchwachsener Konjunktursignale dürfte sich die Erholung aber ins zweite Halbjahr verschieben. Ob Aktien auf dem derzeitigen Niveau bereits als klarer Kauf einzustufen sind, bleibt offen. Fakt ist, dass sich Phasen erhöhter Unsicherheit häufig als interessante Einstiegsgelegenheit für strategische Investoren erwiesen haben.

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