Wirtschaft

Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank AG aus Linz, sorgt für gute Kunden-, Mitarbeiter- und Investorenbeziehungen. (Foto: Oberbank)

19.05.2017

Shareholder-Value ist nicht alles, was zählt

Die Oberbank ist seit Jahren erfolgreich – auch in Bayern

Mit 181,3 Millionen Euro Überschuss nach Steuern war das Geschäftsjahr 2016 für die Oberbank aus Linz erneut ein Rekordjahr, das siebte in Folge, um genau zu sein. Angesichts dieser Erfolgsserie stellt sich die Frage nach dem Geheimnis für dieses Reüssieren am Markt. Denn die Bank aus Oberösterreich, die auch in Bayern vertreten ist, scheint die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum zu stören.

„Unser größtes Differenzierungsmerkmal ist die hohe Motivation unserer Mitarbeiter“, erklärt Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger der Staatszeitung. Aber auch die langfristige Unternehmensvision, als Bank selbstständig und unabhängig zu bleiben, sei ein Baustein des Erfolgs. „Wir schauen auf ein ausgewogenes Interessenverhältnis zwischen Kunden, Mitarbeitern und Aktionären. Bei uns gibt es kein einseitiges Bedienen des Shareholdervalues“, sagt der promovierte Bankchef.

4000 Bewerbungen pro Jahr


Angst vor feindlichen Übernahmen braucht er hierbei nicht zu haben, denn die Aktien sind zu über zwei Drittel im Besitz von Menschen, die wollen, dass die Oberbank weiterhin ihren unabhängigen Weg geht. Sie sind laut Gasselsberger also in Händen von Kunden, Mitarbeitern und Anlegern (vor allem Partnerkreditinstitute der „3-Banken-Gruppe: Bank für Tirol und Vorarlberg, BKS Bank und Oberbank), die das Geschäftsmodell der Oberbank schätzen. Auf diese Weise könnten auch die internen Werte „Nachhaltigkeit, Beständigkeit und wertschätzender Umgang miteinander“ gedeihen.

„Wir bekommen pro Jahr etwa 4000 Bewerbungen. Das zeigt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind“, so der Generaldirektor. Bis 2020 will er 40 Prozent Frauen in Führungspositionen der Oberbank installiert haben. Die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit der Bank gelingt Gasselsberger zufolge auch über die Mitarbeiterbeteiligung. Über 100 Millionen Euro seien in Form von Aktien in Mitarbeiterbesitz. „Auf diese Weise partizipieren unsere Mitarbeiter am Erfolg der Oberbank“, sagt der Bankchef.

Der "Oberbank-Geist"


All das trage zum sogenannten Oberbank-Geist bei. „Das ist eine Organisationsform, die nur schwer kopierbar ist“, freut sich Gasselsberger über sein erfolgreiches Geschäftsmodell. Er selbst lebt seinen Mitarbeitern auch das Engagement für die Kunden vor. So absolviert er nach eigenen Angaben pro Jahr rund 300 Kundenbesuche. Damit hat er immer aktuellste Informationen über die Bedürfnisse seiner Klientel.

Die kämpft gerade mit der fortschreitenden Digitalisierung. Wie alle Unternehmen stellen sich auch die Firmenkunden der Oberbank auf das Thema „Industrie 4.0“ ein. „Da gibt es Vorreiter, Mitläufer und Nachzügler. Aber wir müssen unsere Kunden für dieses Zukunftsthema sensibilisieren, damit sie weiterhin am Markt erfolgreich agieren können“, so Gasselsberger. Darum räumt er auch bankintern dem Thema viel Raum ein. „Damit wir bei diesen komplexen IT-Themen nicht in ein Kreditrisiko laufen, bauen wir derzeit ein Kompetenzzentrum auf“, so der Generaldirektor. Sogenannte digital embassadors, also digitale Botschafter, werden alle Firmenkundenberater der Oberbank auf die Digitalisierung vorbereiten und fit machen. Denn bei der Unternehmensfinanzierung sei es entscheidend, das jeweilige Geschäftsmodell einer Firma zu verstehen, so Gasselsberger. Und Digitalstrategien stünden hier immer mehr im Vordergrund. „In der Endausbaustufe werden wir dann 100 Corporatebanker haben, die auf Augenhöhe beim Thema Digitalisierung mit den Bankkunden kommunizieren können“, so der Bankchef. Um dies zu erreichen, sollen auch Kontakte zu Universitäten, Fachhochschulen und Politikern ausgebaut werden. Dies gelte auch für bayerische Hochschulen.
Digitalisierung spielt aber auch bei den internen Prozessen der Oberbank eine bedeutende Rolle.

„Zahlungsverkehr, einfache Sparprodukte, Kreditkundenbetreuung und die Vergabe kleinerer Kredite sind Dinge, die wir online abwickeln“, erklärt Gasselsberger. Für ihn stellt die Digitalisierung ein Instrument der Kundenbindung dar. Den direkten Kundendialog vor Ort könne die elektronische Kommunikation aber nie ersetzen. Um das Kreditrisiko möglichst gering zu halten, sei der intensive Austausch mit den Kreditnehmern nötig. Die Zahlen bestätigen dieses vorsichtige Vorgehen: So hat die Oberbank ihre Wertberichtigungsquote von 0,64 Prozent im Jahr 2014 auf 0,16 Prozent im vergangenen Jahr senken können. Der Anteil notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen ist laut Gasselsberger in diesem Zeitraum von 4,85 Prozent auf 3,53 Prozent zurückgegangen.

Filialnetz erweitern


Trotz fortschreitender Digitalisierung hält die Oberbank aber an der Expansion ihres Filialnetzes fest. „Wir sind derzeit auf Standortsuche in Bayern, Hessen und Thüringen“, erklärt Gasselsberger. Er betont, dass Filialen für die Oberbank kein Kostentreiber, sondern ein Geschäftsbringer sind. Besonders mittelständische Firmenkunden könnten hiervon profitieren. Zum einen hätten sie Ansprechpartner vor Ort und zum anderen könnten sie gerade beim Exportgeschäft in die Slowakei, nach Tschechien und Ungarn (dort ist die Oberbank vertreten) erfolgreich begleitet werden. „Mit uns kann man sich in diesen Ländern so einige bürokratische Hürden ersparen“, betont Gasselsberger.

Neben der Exportfinanzierung könnten Unternehmen mit der Oberbank auch Gesellschafterwechsel oder geförderte Investitionen realisieren. Eine Bilanzsumme von knapp 20 Milliarden Euro lasse hier Kreditvergaben ohne Konsortialpartner zu. „Zudem entscheiden wir schnell und flexibel“, erklärt der Generaldirektor. Auch preislich sei die Oberbank konkurrenzfähig und Firmenkunden könnten sich auf eine hohe Kontinuität ihrer Ansprechpartner in der Bank verlasen. „Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die anderen Banken mit ihrer Umorganisation aufhören“, sagt Gasselsberger leicht scherzhaft. Denn permanent wechselnde Zuständigkeiten würden die Kunden nicht mögen.

Ebenfalls auf wenig Gegenliebe stößt die Nullzinspolitik der EZB – bei der Oberbank und bei ihren Kunden. „Diese Politik führt zu hohen Verwerfungen. Denn es ist eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit“, so Gasselsberger. Sparer, die nicht in Aktien oder Immobilien investieren könnten, hätten eine negative Realverzinsung, sprich ihr Erspartes verliert an Wert. Diese Politik würde seitens der EZB nur gefahren, damit die überschuldeten Staatshaushalte einiger EU-Staaten im Griff behalten werden können. „Die Republik Österreich ist mit rund 300 Milliarden Euro verschuldet. Hierfür hat sie einen jährlichen Zinsaufwand von sieben Milliarden Euro. Vor 20 Jahren konnte sie mit dem gleichen Zinsaufwand nur ein Drittel der jetzigen Staatsschulden finanzieren“, verdeutlicht der Bankchef die EZB-Politik.

Kaum Zinsen


Für den klassischen Sparer hat er wenig Erfreuliches. Wer flexibel über sein Geld verfügen können möchte, werde um das klassische Sparbuch, Fest- und Tagesgelder nicht herumkommen. Doch diese böten derzeit kaum Zinsen. Eine etwas höhere Verzinsung sei mit Fonds zu erreichen. „Die performen gut, wenn sie einen gewissen Aktienanteil haben“, so Gasselsberger. Aber dies seien langfristige Anlageformen.

Insgesamt steht die Oberbank mit ihrer Cost-Income-Ratio (Verhältnis von Aufwand und Ertrag) von 50,8 Prozent extrem gut da. Viel schlanker geht es gar nicht mehr. Das könnte für den einen oder anderen Anleger auch die Aktien der Oberbank interessant machen. Denn sie hat eine exzellente langfristige Kursentwicklung. Seit Anfang 2011 ist der Kurs der Oberbank-Stammaktie um mehr als 50 Prozent gestiegen.
(Ralph Schweinfurth)

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