Wirtschaft

Meist nutzen Geschäftsleute die kleinen Flieger von Cityjet, die Platz für 50 bis 100 Fluggäste haben. (Foto: Cityjet)

10.01.2014

Sich für die Heimat engagieren

Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will den Regionalflugverkehr beflügeln

Nach dem wirtschaftlichen Aus für Regionalfluggesellschaften wie Augsburg Airways, Cirrus Airlines, Contact Air und OLT Express Germany gibt es wieder Hoffnung in diesem Marktsegment. Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will die Air France-KLM-Tochter Cityjet kaufen und dem regionalen Businessflugverkehr in Europa wieder Aufwind verleihen. Denn es gebe Potenzial abseits der großen Wirtschaftszentren.

Doch vom unternehmerischen Engagement des Mittelfranken wird Deutschland wohl kaum profitieren. „Denn der innerdeutsche Verkehr ist wegen der Luftverkehrsabgabe nur noch auf ganz wenigen Strecken wirtschaftlich darstellbar“, sagt Hans Rudolf Wöhrl, Geschäftsführer der Intro Group aus Reichenschwand (Landkreis Nürnberger Land) – zu der auch die Aviation GmbH gehört – zur Staatszeitung. Dies begründet der Unternehmer vor allen Dingen damit weil in grenznahen Gebieten – zum Beispiel Friedrichshafen zu Zürich – der Wettbewerb nicht nur wegen der Luftverkehrsabgabe, sondern auch wegen der Mehrwertsteuer „vollkommen unfair und scheinbar politisch gewollt, verzerrt wurde“.
Insofern wird auch Wöhrls Heimatflughafen, der unter rückläufigen Passagierzahlen und Schulden leidende Nürnberger Airport (Staatszeitung berichtete), nicht vom neuen Regionalflugengagement des Unternehmers profitieren. Wöhrl zufolge müsste der Airport der Frankenmetropole endlich einen vernünftigen Autobahnanschluss erhalten, damit mehr Fluggäste aus Würzburg oder Ingolstadt kommen. Gerade für Geschäftsreisende wäre das eine Alternative zu den Großflughäfen Frankfurt oder München. Doch solange das Risiko besteht, im Stau hängenzubleiben und den Flieger zu verpassen, werde sich dort laut Wöhrl wohl nichts bewegen: „Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass der Nürnberger Flughafen nur unter der Erde (via U-Bahn, Anmerk. d. Red.) und aus der Luft erreichbar ist.“

Zu den Kaufabsichten von Cityjet sagt er: „Wir haben ein finales Angebot abgegeben und wurden jetzt, als der Wunschkandidat von Air France, den Mitarbeitervertretern vorgestellt.“ Rein formal hätten diese zwar keine Möglichkeit, den Verkauf zu verhindern. „Aber für uns ist die Meinung der Mitarbeiter sehr wichtig, bevor wir uns auf dieses Wagnis einlassen. Bei LTU hatten wir auf Grund einer sehr ablehnenden Haltung der Arbeitnehmergremien schon einmal ausreichend schlechte Erfahrungen gesammelt.“
Ein Zusammenschluss der Cityjet mit der vom Bodenseeairport aus operierenden und im österreichischen Bregenz ansässigen Regionalfluggesellschaft Intersky, an der Wöhrl über die Intro Aviation zu 25,1 Prozent beteiligt ist, weißt der Unternehmer als reine Spekulation zurück: „Natürlich wollen wir Synergien schöpfen, aber von einer Fusion war niemals die Rede, eine solche wäre aus heutiger Sicht auch gar nicht sinnvoll.“ Das hänge sowohl mit den vollkommen unterschiedlichen Programmen, als auch mit der unterschiedlichen Gesellschafterstruktur zusammen.
Auch eine Kooperation mit einem Luftfahrtbündnis wie Star Alliance oder One World sei nicht sinnvoll. „Diese Allianzen machen ja nur Sinn, wenn man echte Zubringerdienste leistet und diese leisten mittlerweile alle großen Gesellschaften mit der eigenen Flotte“, erklärt Wöhrl.
Er beklagt auch einen politisch gewollten, uneingeschränkten Wettbewerb, der dazu führt, dass strukturschwache Regionen völlig veröden. So hat er auch für den Flughafen Hof-Plauen wenig Hoffnung. Die Region um Hof sei mittlerweile entwöhnt vom Flughafen.
Aber nicht nur rund um Hof leidet man unter fehlenden Regionalflugverbindungen. Abseits der großen Wirtschaftszentren fehlt in ganz Europa entsprechender Flugverkehr. Wöhrl glaubt an ein Rivival des Regionalverkehrs.
Das wird jedoch nicht als Billigflugsegment funktionieren. „Der Flugverkehr mit kleineren Flugzeugen ist pro Sitzplatz immer wesentlich teurer als zum Beispiel mit einer B 737“, erklärt Wöhrl. Außerdem sei es nicht möglich, aus der Region heraus ein Flugzeug so gut zu beschäftigen, wie wenn man auf einem großen Flughafen operiert. Daher gelte, dass Regionalverkehr nie den Wünschen des preisorientierten Touristen gerecht werden kann. Regionalverkehr diene in erster Linie der Wirtschaft und genau das macht ihn so wichtig. „Hier zählt Klasse und nicht die Masse der beförderten Passagiere“, betont der Unternehmer.
Konkurrenz durch andere Regionalfluggesellschaften fürchtet Wöhrl indes nicht: „Was ich anstrebe, ist den Regionalverkehr insgesamt wieder etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und dabei wäre eine engere Zusammenarbeit der Regionalgesellschaften hilfreich.“ Das könne bei der Abstimmung von Streckennetzen, der Werbung, aber auch durch Nutzung aller Synergien geschehen, wie zum Beispiel bei der IT, dem Einkauf, der Wartung, usw. „Ich habe nicht die Absicht, unter der Intro Aviation ein Sammelsurium von Airlines zu etablieren, denn gerade daran sind alle großen Gesellschaften gescheitert“, so Wöhrl. Regionaler Luftverkehr funktioniere nur, wenn auch die Betreiber der Airlines einen regionalen Bezug haben und sich für ihre Heimat engagieren. (Ralph Schweinfurth)

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