Wirtschaft

Siemens zog mit einem gigantischen Messeauftritt die Besuchermassen an. (Foto: Schweinfurth)

28.11.2014

Siemens steht auf Gigantomanie

Mit einem beeindruckenden Messestand, der eine ganze Messehalle füllte, präsentierte sich Bayerns und Deutschlands Technologiekonzern Nummer eins auf der diesjährigen Automatisierungsmesse SPS IPC Drives in Nürnberg, die insgesamt zum 25. Mal stattfand. Siemens füllte die komplette Frankenhalle und zog damit die Besuchermassen an. Über 100 Sattelschlepper bewegten 2700 Tonnen Material, um diesen Messestand der Superlative realisieren zu können. Insgesamt wurden allein für den Siemens-Auftritt in der Frankenhalle 29 Kilometer Kabel verlegt. Highlight des Messestands war eine 8,4 Quadratmeter große LED-Wand mit über zwei Millionen Pixel, auf der die fünf Schritte der industriellen Wertschöpfung dargestellt wurden.

Prozesse simulieren

Der bayerische Technologiekonzern präsentierte auf der SPS IPC Drives einige Neuheiten, darunter Tecnomatix Plant Simulation. Diese Software ermöglicht es, Produktionssysteme und Prozesse zu modellieren und zu simulieren. Materialfluss, Ressourcennutzung und Logistik werden optimiert. Auch neu war der SIMATIC S7-150 Software-Controller, der mit höherer Systemverfügbarkeit für eine Produktion ohne Unterbrechung auch bei einem Reboot – zum Beispiel durch Updates – oder Systemabsturz sorgt. Ebenfalls eine Innovation von Siemens ist SITOP PSU8600. Dabei handelt es sich um das erste Stromversorgungssystem, das sich vollständig in vernetzte Automatisierungsanwendungen einbinden lässt.
Doch nicht nur Siemens zeigte, wie Industrie 4.0 funktioniert. 1602 Aussteller aus 42 Ländern präsentierten in erstmals 14 Messehallen ihre Produkte und Lösungen, Innovationen und Trends rund um die elektrische Automatisierung. Die SPS IPC Drives verzeichnet damit einen Flächenzuwachs auf 117.800 Quadratmetern. Die Anzahl der Aussteller, die nicht aus Deutschland stammen, erreicht in diesem Jahr mit 508 Ausstellern einen neuen Höchststand. Ihr Anteil ist auf 32 Prozent gestiegen und unterstreicht die internationale Bedeutung der Messe. Die Top 5 der nach Deutschland am stärksten vertretenen Ausstellernationen sind Italien, China, Schweiz, Österreich und USA.
Wie viel Geld Siemens für diesen Messeauftritt der Superlative investiert hat, war aber leider nicht herauszubringen. Alle Beteiligten wollten hierzu nichts sagen. So bleibt nur eine grobe Schätzung: über 100.000 Euro (Hallenmiete, Standbau, Catering, Stromkosten, etc.). Wie sich diese markige Selbstdarstellung mit dem Konzernumbau und dem damit verbundenen Arbeitsplatzabbau verträgt, sei an dieser Stelle unkommentiert.
Eine interessante Anwendung für die Baubranche zeigte die optiMEAS GmbH aus dem hessischen Friedrichsdorf bei Bad Homburg. Mit dem Smartlog genannten Gerät können auf Baustellen, im Tagebau, im Bergbau und im Tunnelbau seismische Überwachungen und Erschütterungsmessungen erfolgen. Das ist ein wichtiges Alarm- und Dokumentationsinstrument. So können etwa sich abzeichnende Erdrutsche frühzeitig detektiert beziehungsweise Rissbildungen und Setzungen an bestehenden Gebäuden durch benachbarte Tiefbauarbeiten wie zum Beispiel U-Bahnbauarbeiten dokumentiert werden. Damit ist es zum einen möglich eventuell rechtzeitig Evakuierungen vorzunehmen, oder gerichtsfeste Beweise vorzulegen. „Letzteres ist wichtig, um entsprechende Forderungen bei Schadenersatzprozessen zu untermauern“, erläuterte Nadin Günther von optiMEAS der Staatszeitung. Auch bei Sprengarbeiten ist der Einsatz von Smartlog sinnvoll. Denn das rund 2000 Euro teure Gerät erfasst jeden seismischen Vorgang.
Synchronisierungsinstrumente für Windenergieanlagen präsentierte OmicronLab von der österreichischen Omicron electronics GmbH aus Klaus in Vorarlberg. Das Unternehmen, das auch eine Bayern-Niederlassung in Erlangen hat, ist Spezialist für Testgeräte zur Prüfung von Schutz- und Meßeinrichtungen in elektrischen Energiesystemen. Bei der neuen Technologie geht es darum, dass verschiedene Windkraftanlagen eines Windparks zur exakt gleichen Zeit die gleichen Steuerungsimpulse ausführen. „Oftmals stehen die einzelnen Windräder ja bis zu zehn Kilometer voneinander entfernt“, erklärte Markus Pfitscher von OmicronLab der Staatszeitung.
(Ralph Schweinfurth)

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