Wirtschaft

Grenzüberschreitend werden Loipen für den Skilanglauf gespurt. (Foto: Euregio)

26.02.2010

Standortmarketing gemeinsam betreiben

Arbeit der Euregio „Bayerischer Wald – Böhmerwald – Unterer Inn“ dient als Basis für die künftige Europaregion Donau-Moldau

Kaspar Sammer, Geschäftsführer der Euregio in Freyung, ist sich der Schwere der künftigen Aufgaben, die auf ihn und alle Beteiligten warten, wohl bewusst. Doch er bleibt gelassen, wenn es um das große Ziel Europaregion Donau-Moldau geht. Nach 16 Jahren des Bestehens der Euregio „Bayerischer Wald – Böhmerwald – Unterer Inn“ und auch für die benachbarte Euregio „Egrensis“ in der Zusammenarbeit mit Westböhmen kann er sagen: „Wir haben den Boden für die künftige Europaregion bereitet. Doch nun ist es an der Zeit, über all dies ein gemeinsames Dach zu errichten, um das Erreichte auszubauen, zu festigen und durch eine starke Interessenvertretung in Europa zu sichern.“
Vereinzelten Unkenrufen von selbsternannten „Bayerwald-Gurus“ zu den Erfolgen der Euregio und der Erreichbarkeit einer Europaregion Donau-Moldau halten Kaspar Sammer und die Verantwortlichen mit Landrat Ludwig Lankl (CSU) an der Spitze schlicht Zahlen und Beispiele erfolgreicher Projekte entgegen.
An die 300 Großmaßnahmen in den Bereichen Kultur, Partnerschaften, Infrastruktur – und hier besonders Tourismus –, Schutz von Ressourcen in den Nationalparks sowie Kooperationen im wirtschaftlichen Bereich sind erfolgreich verwirklicht oder laufen bis zum Jahr 2013. Weit über 1000 Kleinprojekte, ebenfalls in den Bereichen Kulturaustausch, Schul- und Vereinspartnerschaften und vielen anderen grenzüberschreitenden Bereichen, wurden gefördert. Allein in den letzten zehn Jahren, so Sammer, seien über 80 Millionen Euro im Gebiet der Euregio in die gemeinsamen Projekte geflossen. Dies belege, dass trotz der verschiedenen gesetzlichen und strukturellen Vorgaben in Bayern, Tschechien und Österreich gemeinsame Ziele verwirklicht werden können – dies sei auch in einer künftigen Europaregion Donau-Moldau möglich.
Als Beispiele nannte Sammer im Sektor Infrastruktur zahlreiche Ortsumgehungen zur Entlastung vom Grenzverkehr, so in Langdorf, Kreis Regen, in Philippsreuth und Waldkirchen. An Straßenbau- und Brückenprojekten im Nachbarland nannte er stellvertretend für andere die Projekte in Prachatice, Vimperk und in der tschechischen Region Eisenstein. Daneben seien über 100 Kilometer grenzüberschreitende Radwege und eine Vielzahl von Loipen entstanden, weiter Informationseinrichtungen in Budweis und Pilsen, welche über die VHS Regen laufen. Marketing-Maßnahmen im Tourismussektor würden weiter ausgebaut. An touristischen und kulturellen sowie wirtschaftlichen Projekten hob Sammer das Granit-Zentrum in Hauzenberg, das Glasmuseum Frauenau, die Beteiligung an den Europäischen Wochen Passau über die Grenzen hinweg, die Dreiländermesse in Passau, den Erweiterungsbau der Deggendorfer Stadthalle mit deutsch-tschechischem Koordinationsbüro sowie die Großmaßnahme „Kultur am Goldenen Steig“ hervor.
Die Landräte von Niederbayern und der Oberpfalz haben bereits beschlossen, die Europaregion Donau-Moldau voranzutreiben. Für die bayerische Staatsregierung erklärte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU): „Mit der Europaregion Donau-Moldau wird künftig ein trinationaler Zusammenschluss zu einem Verbund territorialer Zusammenarbeit (EVTZ) angestrebt. Die bayerische Staatsregierung wird den neuen EVTZ unterstützen.“ Auch die Bezirksregierungen von Südböhmen und Westböhmen stehen ebenso wie Oberösterreich, das koordinierend tätig sein wird, dem Vorhaben positiv gegenüber. Ermutigende Signale kommen aus Brüssel.
Ohne „Nachhilfe“ seien die politisch Verantwortlichen in Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich in der Lage, die Situation zu beurteilen. Sie wissen, dass die Frage etwa der großen Verkehrsmagistralen von Süd nach Nord und vom europäischen Westen nach Osten nur auf oberster Ebene, sprich zwischen München und Prag und Wien gelöst werden kann. Sie sind sich klar darüber, dass die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der Oberpfalz, Oberfranken und Westböhmen traditionell enger sind als zwischen Niederbayern und Südböhmen: Doch könnte hier eine „Gesundheitsregion“, so Sammer, entstehen in dieser reichen Kulturlandschaft, aufbauend auf dem bisher Erreichten. Sie wissen ohne die Informationen aus der „Niederbayerischen Botschaft“ in München, dass auch Regierungswechsel in Bayern wie in Tschechien die lange erhofften direkten Gespräche und Besuche der Ministerpräsidenten verzögerten.
Euregio-Vorsitzender Lankl sowie seine beiden Stellvertreter, die Landräte Theo Zellner (CSU) aus Cham und Franz Meyer (CSU) aus Passau, schrieben in einer Stellungnahme: „In allen drei Regionen des Dreiländerecks Ostbayern-Oberösterreich-Süd- und Westböhmen besteht der Wunsch, die erfolgreiche projektbasierte Zusammenarbeit nun auf ein breiteres Fundament zu stellen und wichtige gemeinsame Themen – Kaspar Sammer nennt Standortmarketing, grenzüberschreitende Arbeitsmärkte und Naturschutz – noch effizienter zu bearbeiten. Hierfür ist ein mehrjähriger und offener Prozess der Maßnahmenplanung erforderlich. Als Einstieg werden wir eine Netzwerk- und Potenzialanalyse durchführen, welche die Basis für umfassende Regionalentwicklungsprojekte bilden soll. Die Einbindung und breite Beteiligung aller regionalen Funktionsträger ist hierbei von größter Wichtigkeit. Ziel ist es nicht, die Europaregion in ihren Zielen, Strategien und Organisationsformen zu vereinheitlichen, sondern vielmehr den Versuch zu unternehmen, eine Region zu formen, die ihren Bürgerinnen und Bürgern im grenzüberschreitenden Miteinander neue Perspektiven eröffnet und als Gegenpol zu den Zentren und Metropolen selbstbewusst auftreten kann.“

(Hermann Höcherl)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 48 (2016)

Soll die Meisterpflicht wieder eingeführt werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 2. Dezember 2016 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Hans Michelbach, MdB und Vorsitzender der CSU-Mittelstands-Union

(JA)


Jonas Kuckuk, Vorstand im Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker, BUH e.V.

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2016

Nächster Erscheinungstermin:
25. November 2016

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 27 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen
Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.