Wirtschaft

09.03.2012

Strom muss für alle bezahlbar bleiben

Die Energiewende stand im Mittelpunkt des Netzwerktags 2012 der Wirtschaft Niederbayerns

Zwei Seelen haben Niederbayerns Unternehmer bei der Energiewende in der Brust. Diesen Zwiespalt zwischen Gewinnern und Verlierern brachte der Ruhstorfer Metall-Unternehmer Wolfram Hatz recht witzig auf den Punkt: „Bayern wird die Energieversorgung schaffen, der Strom wird teurer und es wird Stromausfälle geben. Darum braucht jeder von euch ein Notstrom-Aggregat von meiner Firma in der Garage!“
Rund 700 Unternehmer und Vertreter von Kammern, Behörden und Medien nahmen Ende letzter Woche am „Netzwerktag Niederbayern“ in der Deggendorfer Stadthalle teil. Vorträge, Diskussionen und Beratungsgespräche bei einer gleichzeitigen Fachausstellung drehten sich um das alle bewegende Thema: „Energie und Technologie der Zukunft – Chancen und Risiken für den Mittelstand.“
Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte auch gleich in seiner Eröffnungsrede: „In Niederbayern gibt der Mittelstand den Ton an und die Energiewende ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen.“ Er fügte aber gleich hinzu: „Der Umbau der Stromversorgung stellt für Bayern eine große Herausforderung dar. Mit dem Jahr 2022 ist für den Ausstieg aus dieser Technologie ein sehr ambitioniertes Datum vorgegeben. Denn mehr als die Hälfte unseres Stroms stammt ja bisher aus Kernkraft.“ Der Minister zählte erst seine und der Staatsregierung Großtaten auf: ein neues Energiekonzept, die neue Agentur „Energie Innovativ“, 126 Millionen zusätzlich für die Energiewende mit Schwerpunkt Forschung, ein neues Frauenhofer-Zentrum für Speichertechnologie in Straubing. Zeil von sich begeistert: „Das ist Politik, die Chancen eröffnet!“


Doppelmoral ist nicht akzeptabel

Zeil leugnete aber auch die Risiken nicht, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, Strom bezahlbar zu erhalten und die Klimaziele zu erreichen. Damit die Risiken so gering wie möglich bleiben, will er in erneuerbare Energien und Gaskraftwerke investieren, Leitungsnetze massiv ausbauen und neue Speichermöglichkeiten erforschen. Die Energiewende müsse „vor Ort stattfinden, in den Kommunen und Regionen.“ Aber oft seien dieselben Bürger, die den Atomausstieg begrüßen, gegen neue Windräder, neue Leitungen und Kraftwerke in ihrer Umgebung. Zeil: „Auch die Doppelmoral kann ich nicht akzeptieren: Bei uns Kernkraftwerke abschalten und dann Atomstrom aus dem Ausland importieren!“
Dass wir uns diesen „Widerspruch zwischen abstrakter Zustimmung und konkreter Ablehnung“ nicht mehr leisten können, betonte in der Diskussion auch Niederbayerns Regierungspräsident Heinz Grunwald: „Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie findet aber nicht in den Metropolen statt, sondern im ländlichen Raum. Das ist eine strategisch günstige Ausgangslage für Niederbayern.“ Niederbayerns IHK-Präsident Josef Dachs wies darauf hin, dass viele exportorientierte Firmen Niederbayerns im internationalen Wettbewerb stehen: „Deshalb muss Energie für private Verbraucher wie für Unternehmer verfügbar und bezahlbar sein!“ Wolfram Hatz, Vizepräsident des Verbands der bayerischen Metallindustrie, betonte: „Bayern muss entweder Strom dazukaufen oder noch viel tun, um autark zu werden.“ Er stimmte auch Dachs zu: „Niemand sagt etwas gegen Reduzierung der Solar-Förderung. Aber um den ehrgeizigen Ausstieg zu schaffen, brauchen unsere Betriebe mehr Planungssicherheit.“
Dass der größte Anteil am Strompreis staatlich reguliert ist, machte Max Binder, der Geschäftsführer von E.ON Bayern, deutlich. Und: „Die Netze sind die Schwachstelle der Energiewende. Wir haben über 70 000 Strom Abnahmestellen in Niederbayern, aber es fehlen nicht nur die Netze, sondern auch die Rahmenbedingungen dafür.“ Einen „Glücksfall für das Handwerk“ sieht Kammerpräsident Franz Prebeck in der Energiewende, vor allem beim Energiesparen: „In Niederbayern wurden eine Milliarde Euro in die Gebäudesanierung investiert.“ Aber die Kehrseite: „Auch Handwerksfirmen sind stark von Stromkosten betroffen.“ Die Forderung von Minister Zeil, um der Versorgungssicherheit willen schnell die Weichen für Gaskraftwerke zu stellen fand ebenso allgemeinen Beifall wie seine Warnung vor De-Industrialisierung Bayerns. Hatz: „Wenn die Energiepreise weiter steigen, werden Firmen ins Ausland gehen und andere zusperren!“
(Hannes Burger)

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