Wirtschaft

Mobile Commerce ist eine Spezialform des E-Commerce, bei der mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablet-Computer zum Einsatz kommen. (Foto: dpa)

05.03.2015

Tablet statt Tante-Emma-Laden

Immer mehr Unternehmen setzen auf Mobile Commerce

Mobile Commerce ist keine Zukunftsvision mehr, sondern längst Praxis bei Unternehmen und Verbrauchern. Die Entwicklung des Handels kontinuierlich schreitet so schnell voran, dass selbst Zukunftsforscher überrascht sind – und der Prozess ist längst noch nicht abgeschlossen.

Der stationäre Handel zeigt sich in der Retrospektive vielen Veränderungen unterworfen. Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit spielte sich der Austausch von Waren überwiegend auf Märkten und Messen ab, die zu festgelegten Zeiten stattfanden. Spezielle Güter konnte der mittelalterliche Zeitgenosse sogar nur auf den Jahrmärkten erwerben, die – wie die Bezeichnung bereits anklingen lässt – nur einmal jährlich abgehalten wurden. In den folgenden Jahrhunderten änderte sich diese Praxis. Die Händler spezialisierten sich auf bestimmte Güter und boten ihre Waren auch in Ladengeschäften zum Verkauf an.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs geschah in Deutschland bis in die 1950er Jahre hinein überwiegend in den Tante-Emma-Läden. Der Einkauf hatte eine persönliche Note, da der Austausch über lokale Neuigkeiten selbstverständlich zum Besuch eines Geschäftes gehörte. Gleichzeitig unterlagen die Kunden dadurch jedoch einer gewissen sozialen Kontrolle. Abgesehen davon kostete der Einkauf viel Zeit. So wog der Händler beispielsweise Gewürze noch von Hand ab und addierte die Preise mit Stift und Zettel.

1949: Siegeszug der Supermärkte

In den USA etablierten sich die Supermärkte mit Selbstbedienung und umfangreichem Sortiment. Nach dem Zweiten Weltkrieg griffen deutsche Unternehmen die Idee auf. So fand in Hamburg 1949 die Eröffnung des ersten Supermarktes statt. In weniger als 20 Jahren veränderte sich die Einkaufswelt radikal, viele der kleinen Läden verloren ihre Kunden und mussten schließen. Der Handel mit anderen Gütern wie etwa Textilien, Elektronikartikeln oder Haushaltswaren konzentrierte sich in Kaufhäusern, die deutschlandweit über ein ausgeprägtes Filialnetz verfügten. Nicht wenige davon haben sich inzwischen vom Markt verabschiedet, beispielsweise das Traditionsunternehmen Cramer und Meermann. Quelle und Neckermann, die zunächst ebenfalls stationäre Kaufhäuser betrieben, verlagerten ihre geschäftlichen Aktivitäten später ausschließlich auf das Kataloggeschäft, dessen Umsätze und Gewinne in der Folge niedriger ausfielen. So mussten beide Unternehmen schließlich Insolvenz anmelden.

Das Aufkommen des Internets Ende der 1980er Jahre sollte sich wieder als revolutionären Umbruch für den stationären Handel und das Kataloggeschäft erweisen, der das Einkaufsverhalten der Verbraucher stark veränderte. So ist es heute online deutlich einfacher, Preise von Produkten oder Dienstleistungen zu vergleichen. Außerdem befinden sich Kunden in der vorteilhaften Lage, bequem auf elektronischem Wege auswählen, bestellen sowie bezahlen zu können und die Lieferung frei Haus zu erhalten. Ein Paradebeispiel dafür in der Schuhbranche ist Zalando. Dadurch gehören Staus, nervenaufreibende Parkplatzsuche, Wartezeiten an der Kasse und der eigenhändige Transport der erworbenen Güter der Vergangenheit an. Zu den Gewinnern dieses Wandels zählen beispielsweise Unternehmen wie Amazon. E-Commerce gilt deshalb heute als Zauberwort für Unternehmen, deren Zielsetzung in einer vorteilhaften Positionierung am Markt liegt. Sind wir damit bereits am Ende der Entwicklung angekommen? Keineswegs, denn mit Mobile Commerce setzt sich der Wandel ungebrochen fort.

2015: Shoppen mit dem Smartphone

Mobile Commerce ist eine Spezialform des E-Commerce, bei der mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablet-Computer zur Anbahnung und Abwicklung von Geschäften zum Einsatz kommen. Unternehmen, die diese Möglichkeiten bereits nutzen, können damit nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern auch die Effizienz ihrer geschäftlichen Aktivitäten steigern. Außerdem bietet sich die Chance, mit der Installation mobiler Apps Kundeninteraktionen angenehmer zu gestalten und damit den Kundenservice zu verbessern. Mobile Commerce zeichnet sich durch höchste Flexibilität aus, denn potenzielle Kunden sind überall erreichbar und Real-Time-Advertising ist jederzeit möglich. So erhalten etwa Nutzer einer bestimmten App Kinokarten als Angebot, wenn sie sich in der Nähe eines Kinos befinden. Die US-Kaufhauskette Neiman Marcus hält für ihre Stammkunden beispielsweise einen speziellen Service bereit: Mit einer App können diese kostenlos einen besonders geschulten Verkäufer buchen, der sie auf der Einkaufstour begleitet. Da sich der Mitarbeiter mithilfe der Kundendatei auf seinen Einsatz vorbereitet, kennt er das bisherige Kaufverhalten des jeweiligen Kunden und kann ihn noch besser beraten. Dies wirkt sich letztlich positiv auf den Umsatz aus und führt zu höherer Kundenzufriedenheit.

Unsere moderne Welt ist durch Schnelllebigkeit gekennzeichnet. Eine wachsende Zahl an Einkaufsoptionen ist vor allem für den klassisch stationären Handel mit Risiken verbunden. Es stellt sich die Frage, welche Strategie für den kleinen Ladenbesitzer sinnvoll ist, der seine Kunden nicht an die mobilen Unternehmen verlieren möchte. Ein wichtiger Aspekt ist der persönliche Kontakt zu den Kunden, der nicht zu unterschätzen ist. Fundierte Beratung, Rabatt- und Sonderaktionen tragen ebenfalls zur Kundenbindung bei. Des Weiteren kann auch der kleine Händler moderne Technologien nutzen und eine Doppelstrategie fahren. Insgesamt bleibt festzuhalten, das Mobile Commerce zwar noch in den Kinderschuhen steckt, dieses Marketinginstrument jedoch ein nahezu unerschöpfliches Marktpotenzial aufweist. Es empfiehlt sich von daher zumindest für jedes große Unternehmen, sich mit diesem Thema eingehend zu beschäftigen, denn selbst bei vielen Dax-Unternehmen herrscht hier noch Nachholbedarf. (BSZ)

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