Wirtschaft

23.07.2010

Traublinger: Bundesregierung kapituliert vor den eigenen Ansprüchen

Das bayerische Handwerk startet optimistisch ins 2. Halbjahr 2010

„Die Handwerkskonjunktur hat im 2. Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahr ordentlich zugelegt. Wir erwarten, dass dies in den Sommermonaten so bleibt“, erklärte Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstags (BHT), bei der Vorstellung der neuesten Zahlen im Handwerk.
Im 2. Quartal gaben 82 Prozent der bayerischen Handwerksunternehmer ihrer aktuellen Geschäftslage die Note „gut“ beziehungsweise „befriedigend“. Damit wurde laut Traublinger der Wert des Vorjahresquartals um neun Prozent deutlich übertroffen. Die gute Stimmung gehe quer durch alle Branchen. Besonders ausgeprägt sei sie im Handwerk für den gewerblichen Bedarf und im Bauhauptgewerbe, aber auch im Kraftfahrzeuggewerbe.
Der Auftragsbestand im bayerischen Handwerk reichte zur Jahresmitte für 6,4 Wochen, ein Plus von 0,8 Wochen im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Kapazitätsauslastung der Betriebe habe sich im 2. Quartal 2010 erhöht, so der BHT-Präsident. Im Durchschnitt lag sie bei 77 Prozent (+ 3 Prozent). Auch der Umsatz habe deutlich zugelegt. Nach einer ersten Schätzung setzte das Handwerk im Freistaat im 2. Quartal 2010 21,8 Milliarden Euro um. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies laut Traublinger einem realen Rückgang von rund 0,8 Prozent. Im 1. Quartal habe das reale Umsatzminus gegenüber dem Vorjahresquartal noch bei über fünf Prozent gelegen.
Aufgrund der staatlichen Investitionsprogramme zur Krisenbewältigung hätten insbesondere die Bau- und Ausbaubetriebe die Produktion kräftig hochgefahren. Impulse seien darüber hinaus auch aus dem privaten Wohnungsbau gekommen, der vom niedrigen Zinsniveau profitiert. Traublinger sprach in diesem Zusammenhang von einer „Flucht in Sachwerte“.
Vom Umsatzanstieg hätten aber auch die Beschäftigtenzahlen profitiert, sagte der BHT-Präsident. Im 2. Quartal 2010 waren rund 849.000 Menschen im bayerischen Handwerk tätig. Damit sei das Vorjahresniveau nur noch um 0,5 Prozent unterschritten worden. Dass der Arbeitsplatzabbau nahezu zum Erliegen gekommen ist, führt Traublinger vor allem auf Einstellungen im Bauhauptgewerbe zurück, zudem ist seiner Ansicht nach auch der Personalabbau im Kraftfahrzeuggewerbe vorerst beendet. Ferner würden die meisten Handwerksbranchen derzeit wieder mehr offene Stellen melden als noch vor zwölf Monaten. Besonders dringend gesucht würden zum Beispiel Elektroinstallateure und Augenoptiker.
Trotz der Wirtschaftskrise würden 29 Prozent der Betriebe Geld in neue Anlagen investieren (+ 4 Prozent). In der Summe würden 659 Millionen Euro aufgewendet, ein Plus von zwei Prozent. Einen erneuten Zuwachs habe das bayerische Handwerk bei der Zahl der Betriebe zu verzeichnen, erklärte Traublinger. Knapp 191.100 eingetragene Unternehmen im 2. Quartal 2010 bedeuten ein Plus von 2,2 Prozent.


Keine Erhöhung
des Spitzensteuersatzes

„Den kommenden Monaten blicken die Handwerker im Freistaat optimistisch entgegen“, betonte der BHT-Präsident. 82 Prozent würden einen zumindest befriedigenden Geschäftsverlauf erwarten. (+ 11 Prozent). Für das Gesamtjahr 2010 werde ein leichtes Umsatzplus von 0,1 Prozent auf 88,1 Milliarden Euro erwartet. Die Beschäftigtenzahl dürfte im Jahresschnitt nahezu unverändert bleiben (- 0,4 Prozent auf 850.000).
Damit aus dem durch öffentliche Mittel angeheizten Aufwind ein sich selbst tragender Aufschwung wird, müssen laut Traublinger die Binnenmarktkräfte gestärkt werden. Denn neben der starken Exportnachfrage brauche Deutschland dringend ein zweites Standbein. „Nur darauf zu hoffen, dass der Export die Binnenkonjunktur irgendwann schon mitziehen wird, reicht nicht aus.“ Hier sei die Politik gefragt, die langfristig kalkulierbare, transparente und investitionsfördernde Rahmenbedingungen schaffen muss.“
Das Handwerk sei aber erfreut, dass die Bundesregierung denjenigen Stammtischparolen nicht folgt, die Steuererhöhungen in erster Linie für die Leistungsträger fordern. Schließlich sei bei allen Personenunternehmen, die rund 80 Prozent der Handwerksbetriebe ausmachen, die Einkommenssteuer quasi die Unternehmenssteuer.
Kritisch äußerte sich Traublinger aber auch zur Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Schwarz-Gelb sei im Herbst 2009 angetreten, die gesetzlich bedingten Lohnzusatzkosten konstant unter 40 Prozent zu halten. Dieses Versprechen werde nach nicht einmal einem Jahr konterkariert. Ferner soll ja zum 1. Januar 2011 auch der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung erhöht werden. Für den BHT-Präsidenten kommt diese Erhöhung „einer Kapitulation vor den selbst erklärten Ansprüchen“ gleich.
Nach Berechnungen des BHT müssten die bayerischen Betriebe für ihre Beschäftigten inklusive Lehrlinge rund 60 Millionen Euro aufwenden. „Mit dieser Erhöhung gefährdet die Regierung in dieser sensiblen Konjunkturphase Tausende von Arbeits- und Ausbildungsplätzen im Handwerk.“
(Friedrich H. Hettler)

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