Wirtschaft

Mitarbeiter des Polymerherstellers Rehau fertigen im Werk Viechtach Stoßfänger für den Audi TT. (Foto: BSZ)

01.04.2010

Trotz Randlage auf Erfolgskurs

Im Landkreis Regen nutzen viele Unternehmen das niedrigere Kostenniveau als Wettbewerbsvorteil

Der Landkreis Regen liegt fernab der Autobahnen, die als wirtschaftliche Entwicklungsachsen gelten, am östlichen Ende Bayerns. Dennoch erfreut sich der Kreis im Bayerischen Wald einer soliden Wirtschaftsstruktur mit Unternehmen, die bereit sind, auch im vermeintlich entlegensten Winkel des Freistaats zu investieren. Das Landratsamt unterstützt sie.
„Wir begreifen uns als Dienstleistungs- und Servicezentrum, das Bürgern und Unternehmen lästige Arbeiten abnimmt, damit diese ihre Ideen zum Wohle des Landkreises realisieren können“, sagt Landrat Heinz Wölfl (CSU). Als Paradebeispiel dieser Hilfsbereitschaft seiner Mitarbeiter im Landratsamt nimmt er die Firma Linhardt in Viechtach. Sie habe innerhalb von zehn Tagen die Baugenehmigung für eine Reinstraumfabrik erhalten. „Das war möglich, weil wir Fachmann mit Fachmann verkoppelt haben. Jedem mit der Planung des Neubaus beschäftigten Mitarbeiter von Linhardt haben wir einen direkten Ansprechpartner mit dem gleichen Kompetenzfeld bei uns im Amt an die Seite gestellt“, erläutert Wölfl das Vorgehen. Auf diese Weise waren alle Planungsschritte schon frühzeitig bekannt und zur Genehmigung musste nicht alles geprüft, sondern nur noch abgesegnet werden.
Dieses hohe Engagement für die Unternehmen ist normal im Landkreis Regen. In regelmäßigen und vor allem kurzen Abständen fragen die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt bei den Firmen nach, ob sie bei irgendeinem Vorhaben unterstützend tätig werden können. Darum fühlen sich die Betriebe im Landkreis recht wohl. Das Münchner Elektronikunternehmen Rohde & Schwarz beispielsweise hat schon seit über 40 Jahren ein Zweigwerk in Teisnach. Oder die Firma Rehau stellt so genannte Fittinge, das sind die T-Stücke bei Wasserrohren, in Viechtach her. „Normalerweise sind diese Fittinge aus Kupfer und die Leitungen aus Kunststoff. Rehau hat es geschafft, diese Verbindungsstücke ebenfalls aus Plastik herzustellen mit genau der gleichen Langlebigkeit wie Kupfer“, erklärt der Landrat. Und weil Kunststoff erheblich günstiger ist als Kupfer, könne Rehau die Fittinge weltweit zu einem konkurrenzlos günstigen Preis anbieten, was den Ertrag des Unternehmens steigert. Um die enorme Nachfrage nach diesen Fittingen zu befriedigen, hat Rehau in den letzten zwei bis drei Jahren 50 Millionen Euro in eine entsprechende Fertigungsstraße investiert.
Trotz Negativschlagzeilen vor einigen Jahren hat Rodenstock Optik immer noch rund 550 Beschäftigte in Regen. Der Brillenhersteller war ins Gerede gekommen, weil Ex-Firmenchef Randolf Rodenstock ein neues Werk in Tschechien eröffnen ließ, iEin wichtiger Wirtschaftszweig im Landkreis Regen ist auch der Tourismus. Da der Grenzlandkreis mit Geldern des Freistaats Hotellerie und Gastronomie bei Investitionen mit 25 Prozent fördern kann, ist in den vergangenen zehn Jahren viel modernisiert worden. „Vor allem die 4-Sterne-Häuser haben investiert und konnten so ihre Übernachtungszahlen und damit ihre Einnahmen steigern“, erläutert Wölfl. Auf diese Weise ist der Landkreis Regen zum übernachtungsstärksten im Bayerwald geworden. „Jetzt müssen wir uns darum kümmern, dass die 3-Sterne-Häuser und die Ferienwohnungen nachziehen“, betont der Landrat. Denn das Erholungspotenzial ist groß. Mit Slogans wie „Kanada vor der Haustür“, „Bayerisch Kanada“ oder „Tierisch Wild“ soll der Bayerische Wald möglichst viele Besucher anziehen. Auch die 25 Millionen Euro, die am Großen Arber in neue Liftanlagen investiert wurden, rechnen sich. Denn jetzt können die Wintersportler mit modernen Sechser-Kabinen schnell nach oben befördert werden. Anstehen und frieren am alten Zweier-Lift gehören endgültig der Vergangenheit an.
Neben dem schon lange eingeführten Markenbegriff Nationalpark Bayerischer Wald soll jetzt durch einen eigenen Cluster Forst & Holz im Landkreis Regen, der eng mit dem gleichnamigen bayerischen Cluster kooperiert, die Veredelung von heimischem Holz als neuer Wirtschaftszweig etabliert werden. „Bisher haben wir unser Holz nur verkauft und mit den veredelten Produkten haben andere ihre Einnahmen gesteigert“, sagt Wölfl. Das soll sich grundlegend ändern. Mit dem Betrieb „Holz-Schiller“ in Regen sei zwar bereits ein Grundstein gelegt, doch müsse noch viel mehr an Holzveredelung entstehen, damit neue Arbeitsplätze und Kaufkraft im Landkreis geschaffen werden kann.

(Ralph Schweinfurth)

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