Wirtschaft

31.10.2014

Unerschlossenes Sparpotenzial

Energetische Gebäudesanierung hinkt hinterher

Die energetische Sanierung in Deutschland ist noch ausbaufähig: das war die Kernbotschaft einer Veranstaltung der vbw – Vereinigung der bayerischen Wirtschaft e. V. in München. „Wir sind das Schlusslicht in Europa“, kritisierte vbw-Präsident Alfred Gaffal.
Während nach seinen Angaben in Italien jährlich rund 900.000 Heizungen auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden und es in Frankreich immerhin noch 700.000 seien, schaffe Deutschland gerade mal 600.000 Heizungen, so Gaffal. Insgesamt seien in der Bundesrepublik sechs Millionen Heizungsanlagen sanierungsbedürftig. „Leider fehlt die Verlässlichkeit und Planbarkeit für Investitionen“, bedauerte der Verbandschef. Hinzu komme, dass etwa drei Viertel der privaten Hauseigentümer in Deutschland über die Details einer Sanierung nicht oder nur unzureichend informiert seien. Die vbw plane in diesem Zusammenhang unter dem Stichwort „Energie weiß-blau“ eine neue Info-Plattform im Internet. Alfred Gaffal forderte von der Bundesregierung ein „attraktives steuerliches Abschreibemodell nach dem Motto 10 x 10 – also zehn Prozent über zehn Jahre hinweg.“ Das würde sich langfristig auch für den Staat rechnen, denn ein Euro an steuerlicher Abschreibung ziehe bis zu acht Euro an Investitionen nach.
Stephan Kohler, Referent für Gebäudesanierung bei der dem Bundeswirtschaftsministerium zugeordneten Deutschen Energieagentur (dena), ernüchterte das Publikum im Saal gleich zu Beginn seiner Ausführungen: „Die regenerativen Ziele der Bundesregierung werden wir nicht schaffen.“ Gleichwohl stecke in der Gebäudesanierung ein großes Potenzial, um den Energieverbrauch insgesamt zu drosseln, immerhin beanspruchen Gebäude eine Drittel des gesamten Energieverbrauchs hierzulande. Bayerns Wirtschafsministerin Ilse Aigner (CSU) verwies in diesem Zusammenhang auf das neue 10.000-Häuser-Programm der Staatsregierung, dass sie gemeinsam mit der staatseignen Kfw-Bank bestreiten wolle.
Die aktuelle Bestandsaufnahme klingt allerdings ernüchternd: Fast 80 Prozent der Häuser in Deutschland sind noch ungedämmt, nur zwölf Prozent der Heizungen befinden sich auf dem aktuellen Stand der Technik. Die energetische Sanierungsrate in der Bundesrepublik liegt bei etwa 1,0 Prozent. Und das hat Folgen: Momentan verschlingen die Gebäude jedes Jahr Energie von zusammen 900 Terrawattstunden, zwei Drittel davon entfallen auf die etwa 15 Millionen Wohnhäuser. Dabei ließe sich allein mit einer konsequenten Dämmung der Außenwand der nationale Gasverbrauch um bis 16 Prozent reduzieren. Denn die regenerativen Energiequellen sind noch lange nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Lediglich 300 Terrawattstunden entstammten 2013 von Sonne, Wasserkraft & Co.
Ein populäres Beispiel erfolgreicher energetischer Gebäudesanierung wurde dieser Tage in Berlin publik: Das Auswärtige Amt – mit 163.000 Quadratmetern Fläche räumlich einer der größten Bundesbehörden – investierte dafür rund drei Millionen Euro. Bisher verschlang das Ministerium von Ressortchef Frank-Walter Steinmeier etwa 1,95 Millionen Euro jährlich an Energiekosten. Nach der energetischen Sanierung des aus dem frühen 20. Jahrhundert stammenden Gebäudes sollen es jährlich etwa 600.000 Euro weniger sein. (André Paul)

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