Wirtschaft

17.05.2013

Verlierer der EU-Effizienzrichtlinie?

Kraft-Wärme-Kopplung

Auf der 20. Jahrestagung des europäischen Dachverbands Cogen Europe der Bauer von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) in Brüssel, wurde deutlich, dass die EU-Kommission neue Akzente in ihrer Energiepolitik setzt: „Vergesst den Klimawandel“, sagte Paul Hodson, zuständig für Effizienz in der Energieabteilung der EU-Kommission. Selbst ohne den Klimawandel wäre es aus ökonomischen Gründen sinnvoll, in Energie-Effizienz zu investieren.
Europaweite Rechtsgrundlage für Energie-Effizienz (und KWK) ist seit dem 4. Dezember 2012 die Richtlinie 2012/27/EU (veröffentlicht im EU-Amtsblatt L 315), die bis zum 5. Juni 2014 ins nationale Recht umzusetzen ist. Laut Art. 14 ist eine Kosten-Nutzen-Analyse für Kraft-Wärme-Kopplung bei Neubau und Modernisierung von Kraftwerken und Industrieanlagen (> 20 MW) von den Mitgliedstaaten durchzuführen. KWK ist nur eine Lösung unter vielen, um Energie zu sparen und klare Vorgaben aus Brüssel gibt’s nicht.
Die britische Cogen-Europe-Vorsitzende Fiona Riddoch ist mit der neuen Vorschrift nicht zufrieden. „Den Mitgliedstaaten werden darin keine klare Vorgaben gemacht, wie sie Kraft-Wärme-Kopplung in ihre Effizienz-Strategie berücksichtigen sollen“, sagte sie zur Staatszeitung. „Bei Kosten-Nutzen-Analysen ist ein großer Bewertungsspielraum gegeben. Die Zahl der möglichen Opt-Outs ist groß.“ Sie warne davor, bis Mitte 2014 zu warten, um Energieeffizienz in den neuen klima- und energiepolitischen Rahmen 2020-2030, der zurzeit zur Diskussion steht (Grünbuch KOM 2013/169) zu integrieren. 2014 prüft die EU-Kommission, ob das 20-Prozent-Einsparziel 2020 erreicht werden kann. Stellt sich heraus, dass es nicht erreicht wird, können im Komitologie-Verfahren nationale bindende Einsparziele festgesetzt werden. KWK sei in mehreren EU-Ländern in Gefahr, so Riddoch. Die Entscheider in den EU-Institutionen müssten handeln, um den derzeitigen Bestand an KWK-Anlagen zu bewahren.
Laut einer Vergleichsrechnung der EU-Kommission („non-paper“) hätten mit ihrem ursprünglichen Richtlinien-Vorschlag 25 Millionen Tonnen Öl durch KWK eingespart werden können, mit dem von EU-Rat und EU-Parlament angenommen Kompromiss, d.h. der gültigen Richtlinie nur 11 Millionen Tonnen.
Einige Konferenzteilnehmer sehen indes nicht so schwarz. Exxon Mobil produziert 50 Prozent seines Stroms mit KWK-Anlagen selbst an 30 Plätzen weltweit (5000 MW) und sieht hohes Potenzial für KWK, ebenso General Electric wegen des „goldenen Zeitalters“ für Erdgas und dem Ausbau der Pipelines (+ 30 Prozent weltweit, + 7 Prozent in Europa) und das US-Unternehmen Caterpillar, das allgemein als Baumaschinenhersteller bekannt, aber sehr aktiv im KWK-Anlagenbau ist.
In Deutschland, dem größten Markt für KWK-Anlagen in Europe, würden sich immer mehr mittelständische Industriebetriebe, die Prozessdampf brauchen (Chemie-, Lebensmittel-; Papierindustrie) eigene KWK-Anlagen beschaffen, damit ihre Versorgung gesichert sei, sagte Stefan Paul von Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH der Staatszeitung. Typisch für die mittelständische Industrie seien Anlagen mit einer Leistung von 7,5 MW.
Laut jüngsten Angaben der EU-Statistikbehörde vom 3. April 2013 betrug der Anteil von KWK an der Bruttostromerzeugung 2010 in der EU (27) 11,7 Prozent. Das Potenzial schätzt Cogen Europe doppelt so hoch. Den höchsten Anteil hat Dänemark mit 49 Prozent. In Deutschland hat KWK-Strom einen Anteil von 13 Prozent. 2000 lag er bei 10,6 Prozent. (Rainer Lütkehus)

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