Wirtschaft

Immer mehr Firmen setzten auf Kundenkarten, Boni und Geschenke. (Foto: dpa)

19.03.2015

Vertragsbindung? - Nein, Danke!

Durchblick im Tarifdschungel von Handy-, Internet- oder Stromanbietern

Anbieter von Produkten und Dienstleistungen bemühen sich stets um eine bestmögliche Kundenbindung, um in einem sich verschärfenden Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können. Einige Unternehmen vereinbaren mit ihren Kunden teilweise mehrjährige Vertragsbindungen, während andere Branchen immer stärker auf Instrumente wie Kundenkarten, Boni und Geschenke setzen. Ist die Vertragsbindung immer noch ein aktuelles Geschäftsprinzip oder mittlerweile ein Auslaufmodell?

Ob die Vereinbarung einer Vertragsbindung ein langfristig geeignetes Mittel zur Kundenbindung ist, hängt von den Besonderheiten des jeweiligen Produkts und von einem sich allmählich verändernden Kundenverhalten ab. Immer besser informierte Kunden fühlen sich oft durch langlaufende Vertragsbindungen in ihrer Entscheidungsfreiheit und Flexibilität eingeengt. Erbringt der Lieferant allerdings klar erkennbare, notwendige Vorleistungen wie zum Beispiel in Form eines auf seine Kosten eingerichteten Kabelanschlusses, so wird der Verbraucher eher eine längere Vertragslaufzeit akzeptieren. Letztlich entscheidet der individuelle Kundenbedarf darüber, ob Verbraucher auf eine angebotene Vertragsbindung eingehen. Im Folgenden wird die Vertragsbindung in verschiedenen Branchen näher betrachtet und erläutert:

Mobiles Telefonieren gehört für viele Verbraucher zum Lebensalltag. Mobilfunk-Anbieter offerieren Smartphones zu äußerst günstigen Preisen, wenn zugleich ein Handyvertrag mit einer bestimmten Mindestlaufzeit abgeschlossen wird. Oft jedoch täuscht ein Handykaufpreis von zum Beispiel nur einem Euro über die Höhe der Kosten hinweg, die während einer langen Vertragslaufzeit meistens deutlich über dem Wert des nahezu „kostenlos“ erhaltenen Mobiltelefons liegen. Eher selten sind Vertragsangebote ohne Mindestlaufzeit, die mit einer Kündigungsfrist von meistens einem Monat beendet werden können. Einige Tarife sind sogar unter Einhaltung einer nur ein- oder zweiwöchigen Frist kündbar. Wer das Mobiltelefon nur in geringem Umfang nutzt, für den lohnt sich ein Handyvertrag mit langer Vertragsbindung kaum. Prepaid-Handy-Tarife (ohne Vertragsbindung und ohne Grundgebühr) sorgen für maximale Flexibilität. Das Nutzerverhalten entscheidet über die Auswahl der individuell am besten geeigneten Tarifvariante.

Vertrag oder Prepaid?

Internet-Provider bieten Verträge - auch als kombinierte Telefon-, Smartphone- und Internet-Pakete - mit Mindestvertragslaufzeiten von zwölf Monaten oder 24 Monaten an. Flatrate-Tarife ermöglichen Konsumenten eine einfache Kostenkalkulation. Wer das Internet nur gelegentlich mobil nutzen möchte, der wählt mit Prepaid Surfsticks einen Internet-Zugang ohne Vertragsbindung.

Pay-TV-Verträge werden von den verschiedenen Anbietern mit monatlichen Grundgebühren zwischen etwa 6,50 Euro und 35 Euro bei einer Vertragsbindung zwischen zwölf und 24 Monaten angeboten. Seit einigen Jahren besteht aber auch die Möglichkeit, Pay-TV unter Verwendung von Guthabenkarten ohne Vertragsbindung zu nutzen.

Versorgungsunternehmen bieten Gas- und Stromverträge mit maximal zweijähriger Vertragsbindung an. Bei stillschweigender Vertragsverlängerung verlängert sich der Vertrag um jeweils ein Jahr. Durch Auswahl eines Versorgungstarifs mit ein- bis dreimonatiger Kündigungsfrist sichern sich Kunden Flexibilität zum Beispiel für den Fall von Preisveränderungen am Markt.

Fitnesscenter verfügen über sehr unterschiedlich ausgestaltete Angebote. Außerhalb von Verträgen mit einer bis zu zweijährigen Mindestlaufzeit besteht auch die Möglichkeit einer ein- oder mehrmaligen Nutzung eines Fitnesscenters ohne Vertragsbindung. Nur wenn ein Verbraucher davon überzeugt ist, dass er die Disziplin aufbringt, ein Fitnesscenter bis zum Ende der Laufzeit auch tatsächlich zu nutzen, sollte er einen Vertrag mit Vertragsbindung abschließen. Doch auch hier gilt, dass sich ein Vergleich vorher definitiv lohnt, da es doch enorme Preisunterschiede gibt.

Im Bereich des Schulwesens erscheint eine gewisse Unterrichts-Mindestdauer oft sinnvoll, um einen nachhaltigen Lernerfolg sicherzustellen. Privater Nachhilfe-Unterricht wird aber auch ohne Vertragsbindung angeboten. Verträge mit einer mehrmonatigen Vertragsbindung können zu reduzierten Kosten je Unterrichtseinheit abgeschlossen werden. Musikschulen bieten zunehmend Unterricht ohne Vertragsbindung an.

Wirtschaftlicher Erfolg für Unternehmen durch Vertragsbindung?

Das Instrument Vertragsbindung ist ein rechtlich-formales Mittel, um Kunden an ein Unternehmen zu binden. Aus Unternehmenssicht kann die Vereinbarung einer Vertragsbindung angebracht sein, wenn erhebliche Vorleistungen erbracht wurden.

Um einen Kunden über die vereinbarte Vertragsbindungsfrist hinaus an ein Unternehmen zu binden, integrieren Unternehmen solche Maßnahmen in ihren Marketing-Mix, die die Kunden persönlich und auf der Gefühlsebene ansprechen. Kunden, die sich aufgrund eigener Überzeugung und emotionaler Bindung für die Produkte eines Unternehmens entscheiden, sind treuer, loyaler und empfehlungsbereiter als Verbraucher, die sich aufgrund einer Vertragsbindung zur Einhaltung eines einmal abgeschlossenen Vertrags „gezwungen“ sehen. Um die Loyalität von Kunden zu erhöhen und regelmäßig Kaufanreize zu setzen, nutzen Handels- und Dienstleistungsunternehmen bevorzugt Instrumente wie Kundenkarten, Boni, Geschenke, Prämien, Rabatte und Exklusivangebote.

Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg entsteht kaum allein durch die Vereinbarung von Vertragsbindungen, sondern vielmehr durch systematische Ausrichtung aller Unternehmensprozesse auf die Kundenbedürfnisse und durch dauerhaft hohe Leistungen, Fachkompetenz und Freundlichkeit. (BSZ)

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