Wirtschaft

Wasserkraft ist in Bayern seit rund 100 Jahren ein wichtiger Baustein der Energieversorgung. (Foto: LEW)

21.03.2014

Wasserkraft als ökologisches Risiko

Energiewirtschaft widerspricht Bundesamt für Naturschutz

„Freifließende Flüsse nicht mit neuen Kraftwerken verbauen! Keine neuen Kleinwasserkraftwerke! Rückbau bestehender Kraftwerke“! Diese Forderungen des Landesfischereiverbands Bayern (LFV) unterstreicht nun auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN). In einem neuen Forderungspapier fassen die Wissenschaftler der Bundesbehörde neun Kernforderungen zusammen (http://bfn.de).
„Wir freuen uns, dass unsere Bedenken jetzt auch von amtlicher Seite bestätigt werden“, kommentiert LVF-Geschäftsführer Sebastian Hanfland das BfN-Papier. Darum dürfe der Freistaat jetzt keine neuen Baugenehmigungen für Wasserkraftwerke mehr erteilen und müsse die bestehenden Anlagen auf ihre ökologische Verträglichkeit prüfen.
Dem widerspricht die bayerische Energiewirtschaft und äußert Unverständnis für die Position des LVF. „Wir können in unserem Land nicht Stromautobahnen ablehnen und gleichzeitig auch noch dezentrale, saubere und stets zuverlässig verfügbare Wasserkraftwerke bekämpfen“, sagt Albrecht Schleich, Vorstand der in München ansässigen Rhein-Main-Donau AG, zur Staatszeitung. Und Norbert Breidenbach, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), betont: „Die Wasserkraft ist Bayerns wichtigster und verlässlichster erneuerbarer Stromerzeuger.“ Bereits seit rund 100 Jahren leiste die Wasserkraft in Bayern unverzichtbare Beiträge für die bayerische Stromversorgung.
Die Wasserkraftwerke stellen an Bayerns Flüssen importunabhängig, zuverlässig, flexibel und speicherbar Strom in einer Größenordnung zur Verfügung, die für die Versorgung von 3,5 Millionen Durchschnittshaushalten ausreicht. Rund 15 Prozent des verbrauchten Stroms werden in Bayern von etwa 200 großen und etwa 4000 kleineren Wasserkraftanlagen erzeugt.
Unter den erneuerbaren Energien in Bayern trägt die Wasserkraft nach Berechnungen des VBEW mit zirka 43 Prozent den Hauptanteil an der Stromgewinnung, gefolgt von der Photovoltaik (rund 30 Prozent) und der Biomasse (etwa 24 Prozent). Die bayerischen Wasserkraftwerke vermeiden laut VBEW damit über 10 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr. „Wasserkraft hat den höchsten Wirkungsgrad aller Stromerzeugungsanlagen und liefert daher sehr wirtschaftlich grünen Strom. Wir verstehen nicht, warum sich die Behörden so schwer tun, neue Wasserkraftanlagen zu genehmigen“, sagt VBEW-Vorsitzender Breidenbach.
Er verweist auf das Bayerische Energiekonzept, wonach es Ziel der bayerischen Staatsregierung ist, bis zum Jahr 2021 die Stromerzeugung aus Wasserkraft um gut 15 Prozent zu steigern. Somit soll die Wasserkraft bis zum Jahr 2021 mit 14,5 Terrawattstunden rund 17 Prozent des Stromverbrauchs in Bayern decken. (Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (2)

  1. Wasserfreund am 26.03.2014
    Sehr oberflächlich ist die Erwiderung der Energiewirtschaft, LFV und BfN sagen u.a.
    „Aus Sicht des BfN darf daher zukünftig kein Neubau kleiner Wasserkraftanlagen mehr angestrebt werden“, sagte Prof. Beate Jessel, die Präsidentin des BfN. "Denn hier stehen die gravie-renden ökologischen Auswirkungen in keinem Verhältnis zur erzeugten Energiemenge und der erzielten CO2-Minderung."
    Derzeit produzieren ca. 220 Großanlagen 92 % des bayerischen Wasserkraftstroms. Die restlichen 4.000 Kleinanlagen leisten gerade mal einen Anteil von 8 %.
    Ganz schlimm die etwa 3600 Kleinstanlagen mit einer Leistung bis 100 kW, sie tragen mit lediglich 0,05% zum Stromverbrauch in Bayern bei
    Dazu das Umweltbundesamt: "Je kleiner eine Wasserkraftanlage, desto höher ist in Relation ihr Schaden an der Umwelt. Der Beitrag der Kleinwasserkraft zum Klimaschutz ist zudem marginal".
    In Bayern laufen rund 4.250 von bundesweit ca. 7.700 Wasserkraftanlagen
    Das Durchschnittsalter dieser Anlagen beträgt rund 70 Jahre, daraus wird schnell klar, dass die vom Freistaat geforderte Erhöhung des Wasserkraftanteils allein aus Modernisierung erreicht werden könnte, ohne weitere Flüsse zu zerstören
  2. nick am 28.05.2015
    ich find euch alle geil

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