Wirtschaft

Präsident Theo Zellner (l.) gratuliert seinem Nachfolger Ulrich Netzer. (Foto: SVB)

28.04.2014

Wechsel an der Spitze des Sparkassenverbands Bayern

Theo Zellner übergibt Präsidentenamt an Ulrich Netzer

Ulrich Netzer wird zum 1. Mai 2014 Präsident des Sparkassenverbands
Bayern und damit oberster Repräsentant der 71 bayerischen Sparkassen
und weiterer Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe Bayern. Im
Rahmen seiner offiziellen Amtseinführung und Verabschiedung des bisherigen
Amtsinhabers Theo Zellner haben der bayerische Ministerpräsident
Horst Seehofer (CSU) und der Präsident des deutschen Sparkassen- und
Giroverbands, Georg Fahrenschon, heute im Beisein zahlreicher Ehrengäste
erneut die starke Rolle der Sparkassen für die Wirtschaft und Gesellschaft
Bayerns betont.

Ministerpräsident Seehofer unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Sparkassen und sagte Dank und Respekt für die Verdienste Zellners: "Ob Häuslebauer oder Mittelständler, die Sparkasse ist ein grundsolider Partner. Ihr Motto lautet: Dienst am Kunden statt Zockerei. Theo Zellner hat diese Botschaft zu den Menschen gebracht." Zellner habe in seiner Amtszeit alle Herausforderungen gemeistert und Großes für die bayerischen Sparkassen geleistet. Dabei sei er „geschätzt von den Menschen, hart und durchsetzungsstark in der Sache gewesen.“ Er sei sicher, Ulrich Netzer werde „den erfolgreichen Weg unserer bayerischen Sparkassen konsequent fortsetzen. Mit ihm haben wir den richtigen Mann am richtigen Platz.“

Präsident Fahrenschon würdigte Zellner und seine Verdienste für die Sparkassen-Finanzgruppe Bayern: „Wer weiß, wie hart in Brüssel verhandelt wird, kann einschätzen, wie groß der Verhandlungserfolg in Sachen BayernLB ist, zu dem Theo Zellner beigetragen hat.“ Die Sparkassen-Finanzgruppe habe
gerade auch dank Zellner in Bayern eine so starke Position. Fahrenschon
mahnte jedoch, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen: „Es gibt weiterhin
große Herausforderungen. Die Bündelung der Kräfte bei den Verbundunternehmen ist noch nicht abgeschlossen und wir dürfen nicht nachlassen, die Stärken der Sparkassen – die Nähe zu den Kunden und die hohe Qualität ihrer Angebote – weiter in digitale Angebote zu integrieren. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ulrich Netzer, weil ich weiß, dass hier der Sparkassenverband Bayern auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten kann.“

Theo Zellner (65) war seit Mitte April 2010 Präsident des Sparkassenverbands
Bayern. Seine Amtszeit war wesentlich geprägt von der Bewältigung
der Folgen der Finanzkrise für die bayerischen Sparkassen und ihre Finanzgruppe.
Es ist Zellner während der vergangenen vier Jahre gelungen, die
Bedeutung der Sparkassen als verlässliche und stabile Finanzpartner wieder
in den Vordergrund zu rücken und dabei wesentliche strategische Weichenstellungen
für ihre Finanzgruppe vorzunehmen. Zu seinen großen Verhandlungserfolgen
gehört, dass 2013 die Auseinandersetzung mit der EUKommission
im Beihilfeverfahren zur Restrukturierung der BayernLB beendet
und damit etwaige Beihilfeverfahren gegen die bayerischen Sparkassen
abgewendet werden konnten. Im Ergebnis sind die Sparkassen heute mit
25 Prozent der Gesellschaftsanteile wieder stärker als Anteilseigner an der
BayernLB beteiligt und sie sind Alleineigentümer der LBS Bayern. Als Mitglied
der Entscheidungsgremien war Zellner außerdem maßgeblich an der
Neuausrichtung der DekaBank, der Finanz Informatik und der Landesbank
Berlin und damit der Straffung der Strukturen der Sparkassen-Finanzgruppe
Deutschland beteiligt. Vor dem Hintergrund der europäischen Bankenregulierung
hat Zellner in den zurückliegenden Jahren im Sinne aller Regionalbanken
und damit der Bevölkerung und der mittelständischen Unternehmen
Bayerns erfolgreich für den Erhalt des Institutssicherungssystems gekämpft.
Dieses System gewährleistet, dass Sparkassen nicht insolvent werden können,
weil sie gegenseitig füreinander einstehen. Eine europäische Einlagensicherung
müssten ihre Kunden daher nie in Anspruch nehmen. Er wandte
sich deshalb auch vehement gegen die unangemessene Beteiligung der
Sparkassen an europäischen Haftungssystemen, die sich vorrangig an den
Erfordernissen internationaler Großbanken orientieren und letztlich unbeteiligte
deutsche Sparer zur Rettung fremder Institute heranziehen. Zum Abschluss
seiner Amtszeit resümiert Zellner: “Die bayerischen Sparkassen stehen heute wieder da, wo sie hingehören. Die Turbulenzen sind vorbei. Es gilt
jetzt aufzupassen, dass ihre Stabilität nicht durch den Zugriff aus Europa gefährdet
wird.“

Zellners Nachfolger Ulrich Netzer (59) war bereits am 26. Juni 2013 vom
Verwaltungsrat des Sparkassenverbands Bayern für eine Amtszeit von fünf
Jahren als Präsident gewählt worden. Der promovierte Jurist mit Zusatzausbildung
an der Bundesfinanzakademie und ausgewiesener finanzpolitischer
Erfahrung wird den Sparkassenverband ab dem 1. Mai führen. Netzer war
von 1996 bis 2014 Oberbürgermeister der Stadt Kempten. Davor durchlief er
seit 1983 verschiedene Positionen in der Finanzverwaltung in München und
wechselte 1993 als Leiter des Ministerbüros an das Finanzministerium Mecklenburg-
Vorpommern nach Schwerin. Finanzpolitische, steuerliche und betriebswirtschaftliche
Inhalte prägten auch seine Laufbahn als Oberbürgermeister
und damit Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Allgäu. Netzer
ist zudem bereits seit zwölf Jahren Mitglied im Verbandsverwaltungsrat des
Sparkassenverbands Bayern und war damit stets intensiv in die Entscheidungen
der Sparkassen-Finanzgruppe Bayern eingebunden.

Der künftige Präsident des Sparkassenverbands Bayern stellte das effiziente
Zusammenspiel der Einzelkräfte der Sparkassen-Finanzgruppe als eine zentrale
Zukunftsaufgabe heraus. Denn die regional organisierten Sparkassen
können ihre Aufgabe nur in der Zusammenarbeit mit ihren Verbundpartnern
in der Sparkassen-Finanzgruppe, die zentral Produkte und Dienstleistungen
bereitstellen, erfüllen. Es bleibe eine Herausforderung, dabei die Wechselwirkungen
zu erkennen und zielführend zu bearbeiten. Je besser das gelinge,
desto erfolgreicher könnten die Sparkassen im Dienst der Gesellschaft
arbeiten wie es von Beginn an ihre Aufgabe gewesen sei. „Die 200 Jahre alte
Sparkassenidee basiert auf Solidarität, Subsidiarität, Regionalität und Gemeinwohlorientierung.
Sie ist bis heute faszinierend. Es lohnt sich schon deshalb,
leidenschaftlich für das Geschäftsmodell der Sparkassen einzutreten“,
so Netzer. (BSZ)

Der Sparkassenverband Bayern ist zentraler Dienstleister für die 71 bayerischen Sparkassen
und deren Träger. Mit einer addierten Bilanzsumme von rund 182 Milliarden Euro betreiben
die bayerischen Sparkassen in allen Teilen des Freistaates Bayern Finanzdienstleistungsgeschäfte
mit Schwerpunkt Privatkunden und gewerblicher Mittelstand. Bayernweit sind bei den
Sparkassen 44.769 Angestellte beschäftigt, davon 3.636 Auszubildende und Trainees (Stand
31.12.2013).

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