Wirtschaft

Kritischer Blick auf die Monitore in der Schaltwarte (v. l.): Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, TenneT-Chef Martin Fuchs und TenneT-Teamleiter Helmut Paeschke. (Foto: Schweinfurth)

18.12.2013

Wenn es kompliziert wird, Strom zu steuern

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner informiert sich in Dachau über Kapazitätsprobleme deutscher Netze

Wie kompliziert die Steuerung der deutschen Höchstspannungsnetze in Zeiten der erhöhten Erzeugung regenerativen Stroms ist, konnte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) heute Mittag in Dachau erfahren. In der Schaltwarte von TenneT, einem der großen Übertragungsnetzbetreiber in Europa, erläuterten ihr die Experten, wie oft interveniert werden muss, damit die Stromversorgung im Freistaat und im Rest von Deutschland nicht zusammenbricht.
„Vor zehn Jahren mussen wir zweimal eingreifen. Jetzt greifen wir jährlich bis zu 1000 Mal ein, um die Netze zu stabilisieren“, erläuterte Martin Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der TenneT TSO GmbH mit Sitz in Bayreuth. Diese Maßnahmen sind nötig, damit die Spannung von 50 Hertz im deutschen und europäischen Stromnetz immer gewährleistet sind. Wenn in Deutschland plötzlich wegen einer Wolke große Mengen an Solarstrom ausfallen, oder wegen aufkommenden Winds zusätzliche Mengen an Windstrom ins Netz drücken, muss reguliert werden. Das hat Auswirkungen bis in die Nachbarländer (Staatszeitung berichtete).
TenneT-Teamleiter Helmut Paeschke erläutert das TenneT-Netz von Berchtesgaden bis Flensburg. (Foto: Schweinfurth)

In der Dachauer Schaltwarte steuert TenneT sein Netz für den gesamten süddeutschen Raum. „Wir haben dann noch so eine Schaltwarte in Lehrte bei Hannover, von der aus wir unser norddeutsches Netz steuern“, erklärte TenneT-Teamleiter Helmut Paeschke.
Wirtschaftsministerin Aigner zeigte sich äußerst interessiert an den komplexen Vorgängen der Netzsteuerung und fragte immer wieder sehr kritisch nach. „Ich will das alles verstehen“, meinte sie. Doch Tennet-Chef Fuchs versuchte zu beruhigen: „Das müssen Sie nicht verstehen. Wir sorgen dafür, dass alles funktioniert.“ Das war jedoch genau die falsche Replik. Denn die Ministerin möchte schon genaue Kenntnis erhalten, über die Netzsteuerung. „Schließlich rufen die Leute bei mir an, wenn etwas schief geht und der Strom ausfällt“, meinte Aigner.
Mit Blick auf die bayerische Wirtschaft sei eine hohe Versorgungssicherheit das „drängendste Problem“ in der Energiewende. Darum arbeite man auf bayerischer und thüringischer Seite auch intensivst an der so genannten Thüringer Strombrücke. Wenn diese Ende 2015 fertig sein wird, kann an einer zusätzlichen fünften Stelle in Deutschland der Strom von den neuen in die alten Bundesländer fließen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im Zeitplan bleiben“, sagte der ebenfalls beim Vororttermin in Dachau anwesende Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann.
Aber auch bei ihm hakt die Ministerin nach, ob denn für den Fall, dass die Strombrücke nicht rechtzeitig fertig wird, entsprechend vorgesorgt ist. Homann beteuerte, dass selbst dies geregelt ist. Und er betonte: „Bis 2015/2016, wenn das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken vom Netz geht, reichen die Kapazitäten.“ Ob diese aber immer noch genügen, wenn zwei Jahre später auch das schwäbische Atomkraftwerk Gundremmingen vom Netz geht, wollte Homann nicht so genau sagen. Er meinte nur vage: „Das hat keine Auswirkungen.“
Zum heute eingeleiteten Beihilfeverfahren der EU-Kommission gegen die gegen die milliardenschweren Industrie-Rabatte bei der Energiewende meint Aigner: „Ich habe dafür kein Verständnis. Dies gefährdet Arbeitsplätze. Und gerade diese brauchen wir jetzt angesichts der Lage in Europa.“ (Ralph Schweinfurth)

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