Wirtschaft

Die Münchner HundeHelfenHeilen-Stiftung widmet sich der Linderung psychischer und physischer Leiden. (Foto: MuenchnerStiftungsFrühling)

15.03.2013

Wenn’s Zamperl tröstet

„MünchnerStiftungsFrühling“: In der Landeshauptstadt gibt es über 1000 Organisationen, die das Vermögen von Stiftern verwalten

Süddeutschland ist das Zentrum von aktiven, engagierten Bürgern“, lobt „Münchner-Kultur GmbH“-Geschäftsführer Ralf Gabriel. Dieses Engagement schlage sich auch in vielen Stiftungen nieder. Allerdings ist das „Wie viele, Wo, Wofür“ in der Regel viel zu wenig bekannt. Deshalb ruft Gabriel jetzt in Kooperation mit der Stadt München vom 15. bis 22. März den „MünchnerStiftungsFrühling“ aus.
Tausend Stiftungen gibt es allein in der Landeshauptstadt, 200 beteiligen sich an dieser einwöchigen Veranstaltung, die zeigen will, „wer wo für wen Gutes tut“. Dass Gabriel in einer alten Nürnberger Treibriemen-Fabrik diese Stiftungs-Leistungsschau, die Idee und das Programm vorstellt, ist dabei durchaus sinnbildhaft zu verstehen, auch die Terminwahl: „Frühling als Auftakt-Jahreszeit“. Gabriel und die „Münchner Kultur“ sind Spezialisten für solche Mammut-Events. „Die lange Nacht der Museen“ heißt die bekannteste in München, in Nürnberg organisiert er mit der „Kulturidee“ „Die lange Nacht der Wissenschaften“: „Was uns bewegt, ist Neues zu entwickeln, das es bisher so nicht gab, unterbelichtete Ideen ins Rampenlicht zu stellen – beim Stiftungsfrühling die Verbindung von bürgerlichem Engagement und von Geld“. Das wird, und zwar bis 2020 schätzungsweise 2,6 Billionen Euro allein über Erbschaften, durchaus nicht nur nach Liechtenstein geschafft, sondern viel in Stiftungen investiert: 96 Prozent aller Stiftungen in Deutschland verfolgen gemeinnützige Zwecke. Und das schon seit dem Mittelalter: 805 Jahre alt ist die Heilig-Geist-Spital-Stiftung in München. 20 000 Stiftungen sind im „Bundesverband deutscher Stiftungen“ organisiert. Bayern ist da in der Spitzengruppe, Würzburg hat mit seinen vielen kirchlichen Trägern auf 100.000 Einwohner bezogen die meisten Stiftungen.
Gabriels wichtigste Partner bei der Realisierung der „Frühlings“-Idee: die „Stiftungsverwaltung München“ mit ihrer Leiterin Katharina Knäusl, mit 165 Einzelstiftungen, einem Stiftungsvermögen von 380 Millionen Euro und zirka 5 Millionen Euro, die jährlich für soziale Zwecke ausgeschüttet werden können. Kaum ein Gebiet, wo Stiftungen nicht tätig sind: Krankenhäuser, Museen, Umwelt, EineWeltArbeit, Universitätslehrstühle, Sport - im Infoheft und Internetauftritt des Stiftungsfrühlings fängt das bei „Albert-Schweitzer-Familienwerk Bayern Stiftung“ an und hört nach 40 Seiten bei „Wir! Stiftung Pflegender Angehöriger“ auf. Zwischendrin findet man Stiftungen wie „Vita e Voce-Stiftung für Oper und Konzert“, die „Tabaluga Kinderstiftung“, die langfristig traumatisierte oder benachteiligte Kinder begleitet oder die „Stiftung Palladion“ zur Förderung der griechischen Sprache, Kultur und Kunst in Bayern, um nur wenige zu nennen.
Entsprechend hat ein anfänglicher „Initiativkreis“ (darunter Vertreter der Bürgerstiftung München oder vom „Haus des Stiftens“, das einen Service für tausende von Stiftungen anbietet) vier Themeninseln definiert, auf denen sich Stiftungen gemeinsam präsentieren können: „Kunst und Kultur“, „Bildung/Soziales“, „Umwelt/Internationales“ und „Wissenschaft/Gesundheit/Sport“, und zwar jeweils an einem Tag der Stiftungswoche und an einem signifikanten Ort. So ist das „Münchner Künstlerhaus“ die Themeninsel für „Kunst und Kultur“ oder das „HVB Forum“ die für „Bildung/Soziales“.


Dezentrale Darstellung


Da Gabriels Grundidee aber (auch im Unterschied zu einer Art jährlichem Stiftungskongress in Berlin) eigentlich die dezentrale Darstellung der Stiftungen war, stellen sich andere Stiftungen auch zuhause, an Ort und Stelle vor. Zum Beispiel mit einem „Tag der Offenen Tür“ die „Stiftung Lebenshilfe München“, mit offenen Kursen in Kochen oder Boxen die „Stiftung Gesellschaft macht Schule“. Solche Treffpunkte sind über die ganze Stadt verstreut, und das Programmheft des Stiftungsfrühlings sagt einem, wo man sich trifft, ob man sich anmelden muss, welche Besucherkapazität vorhanden ist. 450 Einzelangebote kommen da zusammen, und man kann sich im Internet vorsortieren lassen, was einen interessiert, was es genau zu einer bestimmten Zeit gibt.
Worum es Gabriel noch geht: Eine Eröffnungsveranstaltung für geladene Gäste (und das sind hauptsächlich 400 Stiftungsvertreter) und ein Abschlussfest sollen die Stiftungen einander näher bringen. Die sind es in der Regel nicht gewöhnt, sich in eigener Sache darzustellen, würden dabei vielleicht auch eine unerwünschte Antragsflut befürchten. Eine echte Vernetzung etwa der Münchner Stiftungen gibt es bislang nicht, um etwa Anträge untereinander austauschen zu können. Der Stiftungsfrühling soll beleuchten, wo und wofür überall in München gestiftet wurde und wird, „um München … auch weiterhin als eine lebenswerte Stadt gestalten zu können“ (so der über die Initiative stolze Christian Ude). Er soll auch eine Leuchtturmfunktion haben: etwa die Nürnberger anregen, noch mehr aus ihrem bisherigen einen „Stiftungstag“ pro Jahr zu machen. Mittel von Stadt und Stadtsparkasse, von Sponsoren und kleinere Beiträge der teilnehmenden Stiftungen haben die Organisation ermöglicht, die jetzt die volle Bandbreite der Münchner Stiftungslandschaft darstellen will. Mit bis zu 10.000 Besuchern rechnen die Veranstalter bei den dezentralen Angeboten und auf den „Themeninseln“, die eigentlich schon einen ganzen Stiftungskontinent bilden.
(Uwe Mitsching)

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