Wirtschaft

14.03.2014

Wie Gaskraftwerke rentabel werden

Gastbeitrag: Vorschläge des Verbands kommunaler Unternehmen zur Energiewende

Gaskraftwerke sollen vor allem der flexiblen und klimaschonenden Versorgungssicherheit in der Übergangszeit nach dem endgültigen Atomausstieg 2022 dienen. Im derzeitigen Energiemarkt aber sind Neubauprojekte aufgrund der relativ hohen Brennstoffkosten und daraus resultierender geringer Einsatzstunden kaum wirtschaftlich umsetzbar. Ähnliches gilt für den Bau von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), eine der effizientesten Möglichkeiten, heutzutage Strom zu erzeugen. Diese rechnen sich jedoch derzeit ebenfalls nicht. Auch bereits existierende Gaskraftwerke verdienen immer weniger Geld beziehungsweise schreiben gar Verluste. Bei fast drei Viertel unserer Mitglieder hat sich die Wirtschaftlichkeit der Anlagen seit 2011 verschlechtert. Und mehr als 50 Prozent haben ihre Pläne für Kraftwerksneubauten zurückgestellt oder gar aufgegeben.
Das zeigt eindeutig, dass etwas falsch läuft, obwohl gerade flexible Gaskraftwerke eine schnelle Integration der erneuerbaren Energien in das bestehende Energiesystem ermöglichen. In Kombination mit dem Atomausstieg führt das auf absehbare Zeit zu Problemen bei der Versorgungssicherheit – vor allem in Süddeutschland.
Die Bayerische Staatsregierung zum Beispiel strebt daher den Bau von bis zu 4500 Megawatt Gaskraftwerksleistung an. Mögliche Standorte für große Anlagen werden derzeit diskutiert. Sie befinden sich unter anderem in Haiming, Leipheim und Grafenrheinfeld. Daneben wächst auch die Aufmerksamkeit für KWK-Lösungen, die durch hohe Effizienz das angestrebte Ziel Bayerns nach hoher Selbstversorgung unterstreichen können. Stadtwerke sind hier zum einen die Betreiber der zur KWK nötigen Fernwärmesysteme in den Städten, zum anderen auch Innovationstreiber, indem Sie durch Wärmespeicher oder auch den Ausbau von Biogasanlagen den stromgeführten Betrieb von KWK-Anlagen ermöglichen. Beide Ansätze, Großkraftwerke wie auch unterschiedliche Dimensionen der KWK, sind dabei auf den Ausbau des Gasnetzes angewiesen.
Das grundsätzliche Dilemma zwischen unausgelasteten Bestandskraftwerken – wie in Irsching teils in hocheffizienter, neuester Technik ausgeführt – und der Konkurrenz durch weiteren Zubau besteht jedoch auch bei diesen Überlegungen fort. Bayern ist mit aktuell rund 43 Prozent Kernenergieerzeugung in den kommenden Jahren in besonderem Maß auf die richtigen politischen Weichenstellungen angewiesen, um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Unabhängig von tagespolitischen Debatten benötigen die Unternehmen dringend Investitionssicherheit, welche die Weiterentwicklung einer über Jahrzehnte bestehenden Infrastruktur erlaubt.
Wir können mit der Weiterentwicklung des Energiemarktes also nicht beliebig lang warten, um perspektivisch die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Energiemarkt zu ermöglichen, die Grundlage für den Weiterbetrieb bestehender Anlagen und weitere Investitionen ist. Für den Kraftwerkspark heißt das: mehr hochflexible Gaskraftwerke und weg von der (Braun )-Kohle, die ökologisch nachteilhaft und unflexibel ist. Im Moment stehen die Anreizstrukturen diesen Zielen entgegen. Und wieso sollte jemand investieren, wenn er weiß, dass er mit seinem Kraftwerk kein Geld verdient?
Auch bei forciertem Netzausbau werden deutschlandweit spätestens Ende des Jahrzehnts neue Erzeugungskapazitäten benötigt. Bei weiter verzögertem Netzausbau kann dieses Problem regional schon deutlich eher auftreten. Daher brauchen wir spätestens in den nächsten drei Jahren ein neues Energiemarktdesign, das langfristig und nachhaltig wirken können muss! Es geht hier immerhin um die Versorgungssicherheit für deutsche Unternehmen und auch um den energiewirtschaftlichen Mittelstand in Deutschland: die Stadtwerke.
Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern und nur noch Verluste anfallen, wird kaum noch bis gar nicht mehr in konventionelle Erzeugungsanlagen investiert. Der Bedarf an zusätzlicher gesicherter Leistung wird spätestens ab Anfang bis Mitte der 2020er Jahre entstehen. Das ist nicht lange hin. Wenn wir die Projektierungsphasen von neuen Kraftwerken berücksichtigen, bedarf es aus unserer Sicht eines Kapazitätsmechanismus, der wettbewerblich und technologieoffen dafür sorgt, dass gesicherte Leistung einen Preis bekommt. Und das innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre. Hier bietet der vom VKU entwickelte dezentrale Leistungsmarkt ein attraktives Modell an. Daneben wird es – jedenfalls in der Übergangszeit – auch einer Weiterentwicklung der KWK-Förderung bedürfen. Entscheidend wird auch der Zugang zu gesicherter Gasversorgung sein. Beide Aspekte sind in der Koalitionsvereinbarung angelegt. Zusätzlich brauchen wir weiterhin eine Verbesserung im Emissionshandel, da der derzeit extrem niedrige CO2-Zertifikate-Preis mit zu einer Benachteiligung effizienter und moderner Kraftwerke beiträgt.  (Hans-Joachim Reck)

(Der Autor ist Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen e.V.)

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