Wirtschaft

Gerd Häusler (l.), Vorstandsvorsitzender der BayernLB, und der Stellvertretende Vorsitzende des Vorstands, Stefan Ermisch, erläutern das Geschäftsergebnis der Bank. (Foto: dapd)

01.04.2011

Wieder schwarze Zahlen für die BayernLB

Die BayernLB übertrifft ihre eigenen Erwartungen für das Geschäftsjahr 2010

Die Bayerische Landesbank ist zu alter wirtschaftlicher Stärke zurückgekehrt. Nach dem Skandal um den Fehlkauf der Hypo Group Alpe Adria 2007, der für die beiden ehemaligen Verwaltungsräte Kurt Faltlhauser und Siegfried Naser aller Voraussicht nach noch Folgen haben wird, Milliardenverlusten und Staatshilfen schrieb die Bank im Geschäftsjahr 2010 wieder schwarze Zahlen.
Sie profitierte von der allgemein anziehenden Konjunktur in Deutschland und einem gesteigerten Zinsüberschuss. Die Exporte erholten sich schlagartig, weil deutsche Waren im Ausland stark nachgefragt wurden. Die BayernLB sieht sich als Unternehmensfinanzierer.
„Der Hauptgeschäftsbringer ist und bleibt das Geschäft mit Großunternehmen, mit Fokus auf weltweit tätigen deutschen Unternehmen ab einer Milliarde Euro Umsatz“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Gerd Häusler auf der Bilanzpressekonferenz in München. „Die BayernLB ist aber auch die Kernbank des gehobenen Mittelstandes in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Mit rund 48 Milliarden Euro Kreditvolumen sind wir ein großer Finanzierer des deutschen Mittelstandes.“
Während im Jahr 2009 nach Steuern ein Minus von fast 3 Milliarden Euro stehenblieb, konnte die Bank ihre eigenen Erwartungen sogar übertreffen und erzielte ein Konzernergebnis von 635 Millionen Euro.
Bernhard Pohl, Landesbankexperte der Freien Wähler, freut sich über dieses gute Ergebnis. „Damit ist der Beweis erbracht, dass die Existenz der Bank nicht vom Kauf einer Kärntner Skandalbank namens HGAA oder halsbrecherischen Abenteuern auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt abhängig ist.“
Probleme bereitete der BayernLB im letzten Jahr vor allem die ungarische Tochtergesellschaft MKB, die eine hohe Risikovorsorge im Kreditgeschäft erforderte. Die Regierung in Ungarn, die seit gut einem Jahr im Amt ist, machte nicht nur durch das verschärfte Mediengesetz von sich reden, sondern zeichnet sich anscheinend auch nicht gerade durch Wirtschaftsfreundlichkeit aus. In Osteuropa musste die BayernLB als Folge 380 Millionen Euro Verluste verbuchen.
Eine große Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr konnte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Chief Financial Officer Stefan Ermisch im Bereich der Kreditrisikovorsorge vermelden. Durch den Abbau von potenziellen Kreditrisiken konnte die Summe, die zur Deckung von Kreditausfällen verwendet werden muss, von über drei Milliarden auf knapp 700 Millionen reduziert werden. Knapp zwei Drittel dieser Risikovorsorge entfielen dabei auf die MKB.
Das Transformationsprogramm „Herkules“ unter der Leitung von Stefan Ermisch zeigte auch in anderen Bereichen Wirkung. Nicht rentable Beteiligungen wie zum Beispiel an der Hypo Group Alpe Adria wurden abgegeben und die Kosten im Gesamtkonzern gestrafft. Wobei „Straffung“ auch bedeutet, dass rund 1000 Arbeitsplätze abgebaut wurden – das ist etwa ein Zwölftel der Gesamtbelegschaft.
Die Verwaltungsaufwendungen konnten die Umstrukturierer ebenfalls drastisch senken: von über einer Milliarde Euro im Jahr 2009 auf 805 Millionen Euro. Ab dem 30. April wird jedoch jemand anderes das Projekt „Herkules“ leiten. Stefan Ermisch verlässt die BayernLB mit unbekanntem Ziel. Neuer Finanzdirektor an seiner Stelle wird Stephan Winkelmeier, der bereits im Vorstand der BayernLB sitzt. Den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt das Vorstandsmitglied Edgar Zoller.
Aufgrund ihrer soliden Ergebnisse wird die BayernLB alle Zins- und Wiederauffüllungsansprüche der Genussrechtsinhaber befriedigen können. Nur der Freistaat Bayern wird wohl noch etwas warten müssen, bis die 10 Milliarden Euro Staatshilfen zurückgezahlt sind – falls das bei einem Ergebnis wie in diesem Jahr, das bei Weitem nicht einmal ein Zehntel dieser Summe abdeckt, je der Fall sein wird.
„Die Hypotheken aus der Vergangenheit, beispielsweise die MKB, wiegen schwer und das rettende Geschäftsmodell für die Zukunft fehlt“, kritisierte der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Eike Hallitzky. „Außerdem schwebt über der BayernLB immer noch das Beihilfe-Verfahren der EU.“
Alle Entscheidungen, die der Vorstand und der Verwaltungsrat treffen, müssen mit der EU-Kommission abgestimmt werden. Das führt auch dazu, dass sich Häusler und Ermisch zieren, Fragen zur weiteren Planung zu beantworten. Die Kommission soll diese Dinge schließlich nicht aus der Presse erfahren.
Für das Geschäftsjahr 2011 wagen die Vorstände jedenfalls eine positive Prognose. „Das Jahr ist im Rahmen der Planungen angelaufen. Wir erwarten ein positives Ergebnis vor Steuern, das allerdings hinter dem sehr guten Wert des Geschäftsjahres 2010 zurückbleiben dürfte.“, so der Vorstandschef Häusler. „Die letzten Schritte der Restrukturierung erfordern weiterhin volle Konzentration. Wir wollen uns auf das Kundengeschäft fokussieren und den Unternehmensfinanzierer BayernLB weiter vorantreiben.“
(Judith Heigermoser)

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