Wirtschaft

Stephan Götzl fordert bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen in Deutschland. (Foto: GVB)

08.01.2015

„Wir brauchen dringend ein besseres Investitionsklima“

Präsident des Genossenschaftsverband Bayern fordert Politik zum Handeln auf

Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Stephan Götzl, fordert angesichts der seit Jahren anhaltenden Zurückhaltung der Unternehmen bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen in Deutschland. „Wir brauchen dringend ein besseres Investitionsklima. Die Kauflaune ist gut, der Arbeitsmarkt boomt und trotzdem halten sich die Betriebe mit Ausgaben für neue Maschinen oder Anlagen zurück“, sagt Götzl. Die Politik müsse aktiv werden, um private Investitionen gezielt zu fördern. Götzl „Wer heute nicht investiert, dem drohen morgen Einbußen bei Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit.“

Der GVB-Präsident spricht sich für steuerliche Anreize aus, um die Investitionsbereitschaft des Mittelstands zu stimulieren. Konkret tritt er dafür ein, die im Jahr 2008 abgeschaffte degressive Abschreibung wieder einzuführen. Außerdem verlangt Götzl einen dauerhaften Abbau der kalten Progression, die den zahlreichen kleinen Personengesellschaften in Deutschland zu schaffen macht. Die Belastungen des Staatshaushalts durch diese Maßnahmen halten sich nach Einschätzung Götzls mittelfristig in Grenzen: „Errichtet ein Unternehmen eine neue Werkshalle in Deutschland, ergeben sich daraus in Zukunft automatisch höhere Steuereinnahmen.“

Die 281 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen bereit, um den Mittelstand im Freistaat bei zusätzlichen Investitionen zu begleiten, wie Götzl betont. Die Kreditgenossenschaften haben bereits in den vergangenen Jahren ihr an Firmenkunden ausgereichtes Kreditvolumen auf rund 39 Mrd. Euro (Stand: 3. Quartal 2014) ausgeweitet. „Wir haben die Mittel und das Knowhow, um die bayerische Wirtschaft mit zusätzlichen Krediten zu versorgen“, sagt Götzl. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Kreditvergabe nicht durch weitere Regulierungsschritte erschwert wird. Dies würde die ohnehin schwache Investitionstätigkeit weiter ausbremsen.

Die Investitionszurückhaltung der Privatwirtschaft in Deutschland ist eklatant. Die Investitionsquote sinkt in der Tendenz seit Jahren und liegt unter der von anderen Industrieländern wie Frankreich. Nach letztverfügbaren Angaben von Eurostat beliefen sich die Bruttoanlageinvestitionen 2013  auf 19,8 Prozent des BIP. Nach Abzug der Abschreibungen liegen die Anlageinvestitionen der deutschen Unternehmen damit nur knapp über der Nulllinie. Volkswirte sehen das kritisch, da ein großer und moderner Kapitalstock die Voraussetzung für nachhaltiges reales Wirtschaftswachstum ist. (BSZ)

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