Wirtschaft

Für Helmut Brunner (2.v.r.) ist die Internationale Grüne Woche in Berlin eine hervorragende Vermarktungsplattform für bayerische Produkte. (Foto: STMELF)

13.01.2012

„Wir können mit der neuen Halle ganz Bayern abbilden“

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner über Exporthits bayerischer Aussteller auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin

Am Freitag in einer Woche startet in Berlin die Internationale Grüne Woche. Der Freistaat wird dort erstmals eine komplette Halle belegen. Wir sprachen mit Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) über die Bedeutung der Messe für die heimische Ernährungswirtschaft, den Tourismus und die Energiewende.

BSZ: Herr Brunner, wie wichtig ist die Internationale Grüne Woche für die bayerischen Bauern?
Brunner: Die Grüne Woche ist seit jeher ideal, um bayerische Produkte zu bewerben. Für uns als Agrarexportland ist die Teilnahme an dieser so wichtigen Messe ein absolutes Muss. Gerade Gäste aus Osteuropa, die hier stark vertreten sind, haben die Möglichkeit, sich von der Qualität bayerischer Lebensmittel zu überzeugen.

BSZ: Warum gibt es denn jetzt eine eigene Bayern-Halle?
Brunner: Weil wir zum einen schon immer etwas unglücklich waren mit der Situation, dass die bayerischen Aussteller in verschiedenen Hallen untergebracht waren. Und weil es zum anderen durch das Aus der CMA, der Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, keinen CMA-Abend mehr gibt. Dieser war aber immer sehr hilfreich, um wichtige Geschäftskontakte zu knüpfen. Das ersetzen wir jetzt mit dem bayerischen Abend in der Bayern-Halle. Außerdem können wir in dieser Halle das Gesamtbild Bayerns wesentlich besser darstellen.

BSZ: Wie viele bayerische Aussteller werden sich denn vom 20. bis 29. Januar in Berlin präsentieren?
Brunner: In den vergangenen Jahren hatten wir etwa 20 Aussteller aus Bayern auf der Grünen Woche. Jetzt werden es 50 sein. Aber auch die Ausstellungsfläche hat deutlich zugenommen. Waren es bisher immer um die 1000 Quadratmeter, so werden es in der Bayern-Halle jetzt 2350 Quadratmeter sein. Bei den Ausstellern hat diese Halle einen regelrechten Run ausgelöst, so dass wir vielen leider eine Absage erteilen mussten.

BSZ: In Europa schätzen die Verbraucher ja schon seit Längerem die Qualität bayerischer Lebensmittel, was dazu geführt hat, dass die bayerischen Agrarexporte in EU-Länder in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind. Welche Absatzmärkte haben Sie noch im Visier?
Brunner: Unter anderem die asiatischen Länder China und Indien. Dort hat in den vergangenen Jahren der Lebensstandard deutlich zugenommen und somit auch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. In unserer chinesischen Partnerregion Shandong zum Beispiel werden bayerische Milchprodukte sehr gut angenommen. Allein im vergangenen Jahr ist der Absatz solcher Produkte nach China um 33 Prozent auf knapp neun Millionen Euro gestiegen. Zum Vergleich: In die EU-Länder exportieren wir Milchprodukte im Wert von rund zwei Milliarden Euro.

BSZ: Aber nicht nur die Asiaten mögen bayerische Produkte.
Brunner: Nein auch in unserer Partnerregion Sao Paolo in Brasilien kommen diese gut an. Ebenso in Südafrika. Wir nutzen ganz gezielt unsere Partnerregionen, um den gesamten, dahinterliegenden Markt eines oder mehrerer Länder zu erschließen.

BSZ: Aber produzieren denn die bayerischen Erzeuger überhaupt so viel Nahrungsmittel, um noch stärker in den Export einsteigen zu können?
Brunner: Ja, denn allein bei Rindfleisch haben wir einen Selbstversorgungsgrad von 210 Prozent. Bei Milch liegt er bei 170 Prozent und bei Käse sogar bei 330 Prozent.

BSZ: Und wie sieht es mit der Konkurrenz von Nahrungsmittel- und Energieerzeugung auf den Feldern aus?
Brunner: Nimmt man das Beispiel Raps, so ergibt sich ein ganz neues Bild. Aus dieser Pflanze gewinnen wir Biosprit. Gleichzeitig kann man aus den dabei anfallenden Nebenprodukten zu über 50 Prozent hochwertiges Eiweißfuttermittel herstellen. Also heißt die Losung nicht mehr „Tank oder Teller“, sondern „Tank und Teller“. Im Zweifelsfall gilt es aber immer noch, sich für den Teller zu entscheiden.

BSZ: Wie wichtig ist denn Bayern als Agrarland?
Brunner: Bezogen auf Deutschland ist Bayern ein sehr bedeutendes Agrar- und, ich betone es besonders, Waldland. Der Freistaat hat 3,2 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 2,5 Millionen Hektar Wald, was im Rahmen der Energiewende nicht unerheblich ist. Außerdem gibt es 113 000 landwirtschaftliche Betriebe, so dass jeder dritte deutsche Bauernhof in Bayern ist und jeder siebte Arbeitsplatz im Freistaat von der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft abhängt. Bezogen auf die ganze Welt spielt Bayern als Agrarland eine eher untergeordnete Rolle.

BSZ: Die Grüne Woche ist neben der Präsentation der heimischen Gaumenfreuden auch ein Marktplatz für den Tourismus. Welche Chancen sehen Sie hier für Bayern?
Brunner: Es geht darum, Bayern insgesamt sympathisch darzustellen. Die Gäste der Grünen Woche sollen alle Facetten des Freistaats kennenlernen. 15 regionale Tourismusverbände und Anbietergemeinschaften von „Urlaub auf dem Bauernhof“ wollen möglichst viele Messebesucher ansprechen und sie von einer Reise nach Bayern überzeugen.

BSZ: Ist es denn nicht auch sinnvoll, Bayern bei ähnlichen Veranstaltungen wie der Grünen Woche hinsichtlich seiner Nahrungsmittel und Urlaubsmöglichkeiten weltweit zu vermarkten?
Brunner: Sicher, darum haben wir zum Beispiel bayerische Produkte bei einer Veranstaltung in Bukarest präsentiert. Und im italienischen Parma oder in der russischen Hauptstadt Moskau sind wir regelmäßig vertreten. Dort fungiere ich aber nur als Türöffner. Die Geschäftskontakte müssen die Erzeuger schon selbst knüpfen. Da aber „Made in Germany“, und mehr sogar noch „Made in Bavaria“, im Ausland einen sehr guten Ruf hat, ist das für die Unternehmer relativ leicht. Sie müssen diesen Trumpf nur spielen. Gerade im Osten sehe ich noch erhebliche Wachstumsmöglichkeiten für unsere Ernährungswirtschaft.

BSZ: Werden denn Bayerns Bauern jetzt Nachteile zu erleiden haben, wenn Bauernpräsident Sonnleitner demnächst den Weg für seine Nachfolger freimacht?
Brunner: Es war sicher von Vorteil, dass Bayern im Bund so gut vertreten war. Aber künftig werden wir in Berlin eben noch mehr mit guten Argumenten überzeugen müssen.

BSZ: Und was erwartet die Bauern seitens Europa?
Brunner: Dort beginnt ab 2014 eine neue Förderperiode. Von deutscher Seite aus werden wir darauf drängen, dass die beiden Säulen, bestehend aus Direktzahlungen und Stärkung des ländlichen Raumes, erhalten bleiben. Bei der Anpassung der Fördersätze innerhalb der EU darf nicht zu sehr nivelliert werden. Das wäre nicht gerecht. Denn was man hierzulande an Pacht für einen Hektar im Jahr zahlt, reicht aus, um beispielsweise in Lettland einen Hektar kaufen zu können. Aus bayerischer Sicht ist wird es wichtig sein, eine flächendeckende Landbewirtschaftung weiterhin zu ermöglichen und somit möglichst vielen bäuerlichen Betrieben eine Zukunftsperspektive eröffnen zu können.

BSZ: Sonst müssten noch mehr Bauern aufgeben.
Brunner: Das nicht unbedingt. Aber sie müssen sich unter Umständen breiter aufstellen. Ich betone ausdrücklich, dass es kein sozialer Abstieg ist, wenn sich Landwirte neue Unternehmensstandbeine außerhalb der klassischen Landwirtschaft aufbauen, um erfolgreich wirtschaften zu können. Es muss uns auch noch stärker gelingen, die Landwirtschaft in den ländlichen Raum zu integrieren.

BSZ: Was bedeutet das?
Brunner: Eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit der Landwirtschaft mit Handwerk, Mittelstand und Dienstleistern verbessert die Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze im ländlichen Raum – in der Landwirtschaft und weit darüber hinaus.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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