Wirtschaft

Katja Hessel hält nichts von einer Frauenquote. (Foto: Schweinfurth)

30.08.2013

"Wir müssen die Langzeitarbeitslosigkeit anpacken"

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) über Bildungspolitik, den ländlichen Raum, den Breitbandausbau und Führungsfrauen in der Wirtschaft

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) ist Nürnbergerin und der nordbayerische Raum ist ihr ein besonderes Anliegen. Wir sprachen mit ihr über ihre Pläne für den Norden Bayerns in der neuen Legislaturperiode - vorausgesetzt, ihre Partei schafft den Wiedereinzug in den bayerischen Landtag.

BSZ: Frau Hessel, was wollen Sie in Ihrer Heimatstadt in der kommenden Legislaturperiode angehen?
Hessel: Das Hauptproblem, das wir in Nürnberg haben, ist die Langzeitarbeitslosigkeit. Hier müssen wir dringend anpacken. Zwar haben wir als Staatsregierung bereits vor einigen Jahren mit der Arbeitsagentur ein entsprechendes Programm aufgelegt, das erste Erfolge zeigt. Das reicht aber noch nicht. Wir müssen uns noch stärker für die Nachqualifizierung der Betroffenen einsetzen. Teilweise haben diese ja noch gar keinen Berufsabschluss.

BSZ: Apropos Bildung: Ist in Bayern nicht auch eine Reform der Lehrerausbildung gefragt. Denn ein Lehrer, der in Pädagogik ein fünf hat, besteht trotzdem seine Staatsexamen und darf unterrichten.
Hessel: Sicher muss die Lehrerausbildung im Freistaat auf den Prüfstand. Denn unser Bildungssystem lebt noch viel zu sehr vom Faktor Glück. Wenn man einen engagierten Lehrer hat, der einen fördert, bringt man es auch zu etwas. Leider gibt es aber immer noch zu viele Lehrer, die die Schüler alleine lassen. Lehrer müssen den individuellen Förderbedarf erkennen. Natürlich müssen sie dazu auch zeitlich die Möglichkeit haben; Stichwort: Klassenstärke. Daher haben wir als FDP in den letzten Jahren 8200 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen.

BSZ: Und wie sieht es mit dem Verhältnis Schule-Wirtschaft aus?
Hessel: Diese Vernetzung müssen wir noch enger ziehen. Denn oftmals herrscht in den Schulen das Unternehmerbild vom Porsche-fahrenden Golfspieler vor. Dass Unternehmertum, gerade im bayerischen Mittelstand, aber bedeutet, als Firmenchef von 7 bis 22 Uhr zu arbeiten, mit seinem Privatvermögen zu haften und Arbeitsplätze zu schaffen, ist nicht so sehr in den Köpfen verankert. Dies wollen wir ändern.

BSZ: Eingangs waren wir bei Nürnberg. Was muss dort noch angepackt werden?
Hessel: Die Forschungslandschaft muss weiter gestärkt werden – und zwar in ganz Nordbayern. Mit dem Helmholtz-Institut für Erneuerbare Energien hier in Nürnberg und Erlangen ist uns ja erst vor kurzem ein entsprechender Erfolg gelungen. Darauf wollen und müssen wir aufbauen.

BSZ: Sollen dann noch mehr Helmholtz-Institute nach Nordbayern kommen?
Hessel: Nicht nur Helmholtz. Auch Fraunhofer-Institute könnten wir noch ein paar vertragen. Aber wir müssen auch bei der Infrastruktur anpacken.

BSZ: Und wie bringt man die Deutsche Bahn auf Trab, damit die drängendsten Schienenprojekte wie die Elektrifizierung der Strecken Hof-Regensburg und München-Lindau sowie der zweigleisige Ausbau der Bahnlinie von München ins bayerische Chemiedreieck vorangehen?
Hessel: Letztlich, indem man den Verkehrsetat im Bund erhöht. Das muss unbedingt im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung festgeschrieben werden. Aber viel geholfen hat jetzt schon das von Bayern initiierte Planungskostenbudget für Bahnprojekte...(Ralph Schweinfurth)

(Lesen Sie das vollständige Interview am Freitag, 6. September, in der gedruckten Ausgabe der Bayerischen Staatszeitung.)

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