Wirtschaft

Wohneigentum als Altersvorsorge bleibt weiterhin gefragt. (Foto: LBS)

12.12.2014

Wohnriester boomt

Die LBS Bayern kann die Serie guter Bausparjahre fortsetzen

Zum vierten Mal in Folge erreicht die LBS Bayern für dieses Jahr voraussichtlich eine Summe von rund acht Milliarden Euro (2013: 8,08 Milliarden Euro) vermittelter Bausparverträge. „2014 haben wir die Serie guter Bausparjahre fortsetzen und damit erneut an das hohe Niveau der Vorjahre anknüpfen können“, erklärte Franz Wirnhier, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbausparkasse. Dabei verteilt sich die Bausparsumme auf rund 213.000 Verträge – minus acht Prozent gegenüber 2013. Die durchschnittliche Bausparsumme pro Vertrag wird 2014 voraussichtlich bei etwa 37.600 Euro liegen, so hoch wie nie zuvor. Darin spiegelt sich wider, so Wirnhier, dass immer mehr Bausparverträge bereits beim Abschluss mit einem konkreten Finanzierungsvorhaben verknüpft sind. „Angesichts historisch niedriger Zinsen spielt beim Bausparen neben der Eigenkapitalbildung die langfristige Zinssicherung eine immer größere Rolle.“
Neben der langfristigen Zinssicherung ist laut Wirnhier die staatliche Förderung ein weiterer wichtiger Grund für die anhaltend hohe Nachfrage nach Bausparverträgen. Gerade angesichts niedriger Sparzinsen wirke sich diese besonders stark aus. Der Prognose zufolge wird die LBS Bayern 2014 mehr als 23.000 Wohnriester-Verträge mit einer Bausparsumme von 1,24 Milliarden Euro abschließen. Insgesamt befinden sich dann 139.500 Wohnriester-Verträge im Portfolio der LBS Bayern. Dies entspricht Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr von elf Prozent (nach Stückzahl) beziehungsweise 15 Prozent (nach Summe).
Auf gutem Niveau bewegt sich nach den Worten des LBS-Chefs auch das Geschäft mit Sofortfinanzierungen für Kunden, die nicht über einen bereits zuteilungsreifen Bausparvertrag verfügen. Hierbei wird ein Auszahlungsvolumen von etwa 700 Millionen Euro erwartet. Dies sei weniger als im Rekordjahr 2013, in dem 755 Millionen Euro erreicht wurden. Es handle sich aber um das zweithöchste Volumen bei Sofortfinanzierungen in der Unternehmensgeschichte.

Anpassung der Tarife an das rückläufige Zinsniveau

Wirnhier rechnet damit, dass bei den Bauspardarlehen die Auszahlungen 2014 voraussichtlich auf rund 460 Millionen Euro – nach 510 Millionen Euro im Vorjahr – zurückgehen werden. Angesichts der seit Jahren sinkenden Zinsen seien Bauspardarlehen für viele Kunden mit älteren Verträgen nicht mehr attraktiv. „Darauf haben wir bereits mehrfach mit Anpassungen unserer Tarife an das rückläufige Zinsniveau reagiert. Außerdem bieten wir Kunden mit älteren Verträgen interessante Alternativen an. Eine solche Option ist der Umstieg in neue Tarife mit günstigeren Darlehenszinsen. Eine weitere Alternative für Kunden mit Altverträgen ist der Abschluss einer Vorfinanzierung. In beiden Fällen können die Vorteile für die Kunden in Höhe vierstelliger Euro-Summen liegen.“
Dass nach wie vor ein hoher Bedarf an Immobilienfinanzierungen besteht, würden die Zahlen der Sparkassen-Immobilien-Vermittlungs-Gesellschaft, der Maklerorganisation von LBS und Sparkassen in Bayern, zeigen. Von Januar bis November wurden laut Wirnhier fast 10.000 Objekte vermittelt. Der Wert der vermittelten Kaufobjekte betrug rund 1,8 Milliarden Euro – etwa so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Harsche Kritik äußerte Wirnhier an der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und EZB-Präsident Mario Draghi. Während Bausparen als Zinssicherungsinstrument bei niedrigen Zinsen besonders attraktiv und wichtig sei, habe das historische Zinstief bedenkliche volks- und betriebswirtschaftliche Konsequenzen, sagte der LBS-Chef. Draghi überschwemme die Märkte mit billigem Geld und belaste damit alle, den privaten Sparer genauso wie den institutionellen Geldanleger. Die radikale Zinspolitik der EZB setze fundamentale volkswirtschaftliche Regeln wie Sparen und Altersvorsorge außer Kraft, „auf denen – unter anderem – unser Wohlstand in den zurückliegenden 65 Jahren aufgebaut wurde“, sagte Wirnhier. Normale, sicherheitsorientierte Vermögensbildung werde nicht mehr belohnt.
Die LBS müsse Spargelder, die nicht als Darlehen vergeben werden können, am Kapitalmarkt anlegen. Hier sei in Zeiten, in denen zehnjährige Bundesanleihen weniger als ein Prozent Rendite erbringen, eine rentierliche Anlage nicht mehr möglich. „Wir erwarten deshalb weiter rückläufige Betriebsergebnisse.“ 2014 werde das Betriebsergebnis vor und nach Risikovorsorge positiv ausfallen, aber unter der Hochrechnung vom Juli dieses Jahres (35 Millionen Euro) liegen.
Die LBS Bayern richtet daher ihre Strategie auf „das politisch gewollte Minizinsniveau“ aus, so Wirnhier. Die durchschnittliche Verzinsung der Einlagenbestände werde weiter abgesenkt. Dazu trage vor allem das hohe Neugeschäft mit niedrigverzinslichen Bauspartarifen bei sowie die Umstiegs- und Sofortkreditangebote an Kunden mit älteren Verträgen, die eine Wohnbaufinanzierung anstreben. „Dazu werden wir aber auch konsequent Altverträge kündigen, wenn der Zweck des Bausparens, ein zinssicheres Bauspardarlehen zu erhalten, nicht mehr verfolgt wird. Das ist nötig, um die Balance zwischen Sparern und Darlehensnehmern im Bausparsystem zu gewährleisten.“

Einsparungen bei Personal und Sachkosten

Inzwischen habe man rund 26.000 Kunden gekündigt, von denen sich 1100 beschwert hätten. Gekündigt habe man Verträge, die bereits seit mehr als zehn Jahren einen Darlehnsanspruch haben, aber nicht in Anspruch genommen werden. Die Besitzer halten laut LBS diese Verträge nur wegen der guten Verzinsung aufrecht. Die Frage, ob es bereits Klagen gegen die Kündigungen gebe, verneinte der LBS-Chef, der gleichzeitig betonte, dass die Bausparkasse aufgrund diverser Urteile juristisch auf der sicheren Seite ist. Man fühle sich wegen der Kündigungen auf Seiten der LBS nicht wohl, aber sicher, sagte Wirnhier.
Zur strategischen Ausrichtung der LBS Bayern gehört auch die Anpassung ihres Verwaltungsaufwands, so der Vorstandsvorsitzende. Bei den Sachkosten seien für 2015 Einsparungen von fünf Millionen Euro geplant. Dies entspreche einem Einspareffekt von etwa zehn Prozent. Im Personalaufwand sollen bis Ende 2016 durch natürliche Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und eine Erhöhung der Teilzeitquote 50 von derzeit 630 Vollzeitstellen abgebaut werden.
Die wirtschaftliche Stärke des Freistaats und die hervorragende Arbeitsmarktsituation, die für weiteren Zuzug nach Bayern sorgen, förderten die Nachfrage nach Wohnraum und Immobilienfinanzierungen, sagte Wirnhier zu den Perspektiven der LBS im Markt. „Diese Rahmenbedingungen sind günstig für unser Darlehensgeschäft. Mit unseren Produkten können sich unsere Kunden die historisch niedrigen Zinsen dauerhaft sichern.“ Insbesondere bei energetischen Modernisierungen erhofft sich die LBS einen Schub, wenn es dafür spürbare zusätzliche Anreize vom Staat gibt, wie sie die Bundesregierung in Aussicht gestellt hat. Denn bei Gebäudesanierungen werden Aufträge an heimische, mittelständische Unternehmen vergeben. So fließe ein großer Teil der Investitionen wieder über höhere Steuereinnahmen an den Staat zurück.
Ein weiterer strategischer Schwerpunkt ist laut Wirnhier der Ausbau des Teams von Handelsvertretern, die in den Sparkassen und Geschäftsstellen des LBS-Außendienstes tätig sind. Ferner erweitert die LBS ihren Kundenservice kontinuierlich. Vor Kurzem startete ein Service-Chat online, in dem Kunden schnell und unkompliziert kompetente Rückmeldung zu ihren Fragen erhalten. Zudem wurde die Online-Vertragsauskunft „Mein LBS-Bausparen“ etabliert, über die Kunden etwa den Kontostand, den Freistellungsauftrag oder Lastschrifteinzüge kontrollieren können. „Die Nutzung der neuen Medien und die weitere Verbesserung des Online-Services für unsere Kunden sind strategische Investitionsschwerpunkte“, kündigte Wirnhier an.
(Friedrich H. Hettler)

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