Wirtschaft

Zur Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, also den Arbeitsgebieten des Dachdeckerhandwerks gehört auch das Thema Erneuerbare Energien. (Foto: Bayerisches Dachdeckerhandwerk)

10.02.2014

Zehn Gründe, kein Dachdecker zu werden?

Alte Vorurteile gegen einen der vielseitigsten Handwerksberufe

Geht es um den Dachdecker, ist nicht selten von „Ziegelauflegern“
und einem Handwerk, das „jeder schnell lernt“ die Rede. Hier die
„Top-Ten“ der Vorurteile:
1. Dachdecker sind reine Ziegelaufleger: Stimmt nicht ganz. Dächer
werden von Dachdeckern auch aus Holz, Metall, Bitumen und
Kunststoff errichtet. Welches andere Gewerk kann so viel Materialvielfalt
bieten?
2. Dachdecker tun nichts anderes, als jeden Tag nur Dächer einzudecken:
Völlig richtig – sieht man davon ab, dass Dachdecker zum
Beispiel auch Fundamente abdichten, Wände bekleiden, Solaranlagen
montieren, Gründächer anlegen und Bauherren bei der Umsetzung
von Baumaßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden beraten und
unterstützen.
3. Dachdecker leben gefährlich: Natürlich wäre das Verletzungsrisiko
enorm hoch, wenn man vom Dach fällt. Um aber genau das zu
verhindern, gelten für Dachdecker besonders hohe Sicherheitsstandards.
Da ist das Verletzungsrisiko eines Profi-Fußballers um ein
Vielfaches höher.
4. Die Einstiegsqualifikation für Dachdecker ist extrem niedrig:
Naja - außer körperlicher Fitness, guten Mathematikkenntnissen
etwa zur Materialbedarfsberechnung oder zur Ermittlung von Wärmedämmmaßnahmen,
guten Deutschkenntnissen und dem Talent,
die unterschiedlichsten Werkstoffen fachgerecht zu be- und verarbeiten,
gehört eigentlich nichts zu den Voraussetzungen für diesen
Beruf.
5. Dachdecker haben keine Zukunft: Das könnte durchaus der
Fall sein, wenn allein die restlichen 16 von insgesamt rund 20 Mio.
Wohngebäude in Deutschland energetisch auf dem aktuellen Stand
und ihre Dächer frisch saniert wären und kein einziges Haus mehr
neu gebaut werden würde.
6. Im Dachdeckerhandwerk ist seit rund 800 Jahren nichts
Neues mehr hinzugekommen: Nicht ganz korrekt – denn sonst
müssten Solarmodule zur Stromerzeugung, Kollektoren zur Warmwasserbereitung, per Smartphone gesteuerte Dachfenster, vorgehängte
hinterlüftete Fassadensysteme bereits im 13. Jahrhundert bekannt
gewesen sein.
7. Dachdecker werden jeden Winter arbeitslos: Sobald kein
Dach mehr von Schneemassen befreit, kein Innenausbau mit Trockenbauelementen
im Dachgeschoss und keine Reparaturen nach
Unwettern mehr nötig sind, könnten Dachdecker wirklich für einige
Tage arbeitslos werden. Aber nicht einkommenslos, denn bei ungünstigen
Witterungsverhältnissen sorgt die eigene Sozialkasse dieses
Handwerks mit einem speziellen Programm dafür, dass es nicht
zu finanziellen Engpässen kommt.
8. Es gibt nur wenige Arbeitsplätze im Dachdeckerhandwerk:
Das ist natürlich relativ, denn die über 60.000 Arbeitnehmer im
Dachdeckerhandwerk Deutschlands entsprechen gerade mal der
Einwohnerzahl von Siegen, Bayreuth oder Weimar.
9. Wer Dachdecker ist, hat kaum die Möglichkeit, seinen Arbeitgeber
zu wechseln: Meist hat er auch keinen Grund dafür, weil
Dachdecker am Markt gesuchte Fachkräfte sind, die auch finanziell
gute Aussichten genießen. Und wer dennoch zu einem anderen Betrieb
wechseln will, hat lediglich die Qual der Wahl zwischen 12.000
Betrieben in Deutschland.
10. Bei der Dachdecker-Karriere ist beim Meister Schluss: Auch
das wäre nicht so schlimm, denn mit dem Meisterbrief kann ein eigener
Betrieb gegründet oder die Betriebsleitung übernommen werden.
Oder sogar die Tür zu manch einem Fachhochschulstudium öffnet
sich mit dem Meisterbrief.
Wer nun trotz all dieser Vorurteile noch mehr über die Ausbildung
zum Experten für die Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, also
den Dachdecker, wissen will, erfährt mehr unter www.Dachdecker-
DeinBeruf.de, unter www.dachdecker.net oder bei der regionalen
Dachdecker-Innung. (BSZ)

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