Wirtschaft

Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München. (foto: SSKM)

11.01.2017

Zehn Millionen Euro an Strafzinsen gezahlt

Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, beklagt, dass mit Kundeneinlagen kein Geld mehr zu verdienen ist

Mit Einlagen ist kein Geld mehr zu verdienen“, erklärte Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München (SSKM), in einer Journalistenrunde. „Uns ist ein Ertragszweig weggebrochen.“ Ab 2018 werde sein Haus daher damit keinen einzigen Euro mehr erlösen, da es keine Marge mehr gibt, so der Banker. Schuld daran seien das weiterhin historisch niedrige Zinsniveau, negative Zinssätze im kurzen- und mittelfristigen Bereich sowie die Zinsdifferenz, das heißt der Abstand zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen ist insgesamt stark rückläufig.

Die Stadtsparkasse München werde von ihren Privatkunden keine Minuszinsen verlangen, allerdings schränkte Fleischer ein, „nur solange es geht“. Denn die eigene Existenz dürfe ebenfalls nicht in Gefahr kommen. Vermögende Firmenkunden zahlen jedoch ab 1. April 2017 Negativzinsen für kurzfristig verfügbare Geldanlagen ab 250 000 Euro. Der SSKM-Vorstandsvorsitzende hält die Wahrscheinlichkeit aber für sehr groß, dass, wenn ein am Markt tätiges größeres Geldinstitut sich gezwungen sieht, Negativzinsen von ihren Kunden zu verlangen, am folgenden Tag alle Banken nachziehen müssen. Gleichzeitig glaubt Fleischer aber auch, dass die Hemmschwelle für Sparkassen bei Negativzinsen wegen ihres Auftrags jedoch noch einmal höher ist als bei anderen Geldinstituten.

Fleischer bedauert auch, dass das Ankaufprogramm der EZB bis 31. Dezember 2017 verlängert (ursprünglich bis 31. März 2017 befristet) und der Einlagenzins weiterhin bei - 0,4 Prozent belassen wurde. Die Folge der EZB-Politik ist, dass der Markt mit Liquidität überversorgt beziehungsweise geflutet wird. Die EZB hat im abgelaufenen Jahr laut Fleischer Wertpapiere im Wert von 1,5 Billionen Euro aufgekauft. Davon verspricht man sich eine bessere Konjunktur und eine höhere Inflationsrate.
Der Chef der Stadtsparkasse München geht nicht davon aus, dass sich kurzfristig etwas an der Zinssituation ändert. Denn nicht alle europäischen Länder wären in der Lage höhere Zinsen zu verkraften. Zum Beispiel würde sich durch hohe Staatsverschuldung in Griechenland, Italien und Spanien der jährliche Schuldendienst deutlich erhöhen.

Wenig Freude bereitet Fleischer auch der Umstand, dass seit 2013 deutschlandweit die Kundeneinlagen die Kredite an Kunden übersteigen. Die Folge: Geldinstitute verdienen kein Geld mehr. Kunden würden, so Fleischer, ihr Vermögen überwiegend in variabel verzinslichen Tagesgeldern „parken“ beziehungsweise „das Geld liquide halten“. Der Einlagenüberschuss muss von der SSKM jedoch angelegt werden und das bei einem Negativzins von - 0,4 Prozent. Die Stadtsparkasse München habe daher allein 2016 einen Strafzins in Höhe von rund zehn Millionen Euro gezahlt, den sie nicht an ihre Kunden weitergab.

Hattenkofer ist neues Vorstandsmitglied


Wegen der Kapitalmarktsituation muss die Stadtsparkasse München derzeit Kundeneinlagen bis zur Laufzeit von fünf Jahren subventionieren, sagte Fleischer. Da für Kunden kein Unterschied zwischen Tagesgeld und einer langfristigen Anlage besteht, wählen sie fast ausschließlich kurze Anlagen.
Da der Verwaltungsaufwand – Personal- und Sachkosten – der SSKM 2016 genauso hoch ist wie der Zinsüberschuss sucht das Geldinstitut nach Prozessoptimierungspotenzialen. Die Überlegungen gehen dahin Personal in den nächsten Jahren sozialverträglich abzubauen und die Sachkosten zu reduzieren.
Seit 1. Januar 2017 komplettiert Stefan Hattenkofer das von fünf auf vier Köpfe verkleinerte Vorstandsgremium der Stadtsparkasse München. In der Übergangsphase wurde Bayerns größte Sparkasse vom Vorstandsvorsitzenden Ralf Fleischer und seinen Vorstandskollegen Marlies Mirbeth und Bernd Hochberger geleitet. Hattenkofer kommt von der BayernLB, wo er zuvor Bereichsleiter des Internationalen Konzernkundengeschäfts war.

Mit der Komplettierung des Vorstandsgremiums verändern sich auch die Geschäftsbereiche, für die jeder Vorstand zuständig ist. Beim Verteilen der Aufgaben war es den Vorständen äußerst wichtig, dass möglichst jeder von ihnen auch direkte Vertriebsverantwortung übernimmt. Im Fokus des Überwachungsvorstands Hochberger stehen die internen Bereiche: Er konzentriert sich in seinem Ressort weiterhin voll auf die Aufgabe, die Prozesse im Haus konsequent zu vereinfachen, um schneller und effizienter zu werden sowie um das Entwickeln neuer digitaler Angebote.
Hattenkofer übernimmt in seinem Ressort die Betreuung großer Unternehmenskunden sowie PrivateBanking-Kunden,außerdem Treasury, dazu die Abteilung Geld- und Kapitalmärkte sowie die S Immobilientochter SIS mit ihren Maklern. Der Bereich Geld- und Kapitalmärkte kauft und verkauft für unsere Kunden Wertpapiere. Stefan Hattenkofer: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe bei der Stadtsparkasse München und werde meinen Schwerpunkt darauf setzen, die Geschäfte mit Münchner Unternehmen und vermögenden Kunden zu intensivieren, um so meinen Beitrag für den Erfolg von Bayerns größter Sparkasse beizutragen.“

Der Vorstandsvorsitzende ist weiterhin für die Direktionen Personal, für Unternehmenskommunikation/Vorstandsstab sowie nun auch für die Direktion Privatkunden im Osten der Stadt und die Versicherungstochter SVS GmbH zuständig. Die Gesamtverantwortung für das Filialgeschäft liegt weiterhin bei Mirbeth. Sie verantwortet die Direktion Privatkunden im westlichen Stadtgebiet, die Direktion Firmenkunden und Immobilienfinanzierung sowie das Vertriebsmanagement. Hochberger ist für die fünf Direktionen Kreditmanagement, Prozesse und IT, Immobilienmanagement sowie nun auch für Gesamtbanksteuerung und Revision zuständig; zusätzlich auch für die Abteilung Compliance. (Friedrich H. Hettler)

(Stefan Hattenkofer - Foto: SSKM)

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