Wirtschaft

Solar Millennium wollte mit Parabolrinnenkraftwerken viel Geld verdienen. (Foto: Solar Millennium)

20.01.2012

Zufall oder Lobbyistenkomplott?

Über den möglichen Anteil der amerikanischen Energieindustrie an der Pleite der Erlanger Solar Millennium AG

Kurz vor Weihnachten 2011 beantragte der Erlanger Solarkraftwerksentwickler Solar Millennium beim Fürther Amtsgericht Insolvenz (Staatszeitung berichtete). Wie Insider vermuten, hätten US-Energielobbyisten an der Pleite der Technologiefirma einen gehörigen Anteil: Die Deutschen sollten aus der kalifornischen Wüste gedrängt werden.
Solar Millennium besitzt in Blythe/USA Lizenzen zum Bau des nach Firmenangaben weltgrößten Solarprojekts. Die Erlanger planten dort seit Jahren Solarthermiefelder mit riesigen Wärmespeichern. Daraus erzeugter Strom hätte auch dann ins Netz eingespeist werden können, wenn keine Sonne scheint.
Doch ein Solar-Millennium-Insider, der seinen Namen nicht lesen möchte, ist sich ganz sicher: Der US-Energiekonzern Edison South California (ESC) habe Solar Millennium im Frühsommer 2011 aufgefordert, beim Blythe-Solarthermie-Projekt auf Wärmespeicherung zu verzichten. Diesen Vorteil von Parabolrinnen- gegenüber Photovoltaikkraftwerken wollte ESC, der vorgesehene Stromabnehmer von Blythe, nun plötzlich nicht mehr haben.
Kurz darauf habe ESC dem Lieferanten auch noch die Kraftwerks-Technologie freigestellt. Erst jetzt habe man im Hause Solar Millennium statt auf Solarthermie auf die billigere Bauvariante Photovoltaik, gesetzt, behauptet der Finanzfachmann. Als Reaktion auf diesen Technologiewechsel kam es im Sommer 2011 zu Turbulenzen bei den Solar Millennium-Aktien: Die Firma hatte zuvor kaum Photovoltaik-Erfahrung. Auch deshalb startete Solar Millennium letzten September Verhandlungen mit dem ebenfalls recht jungen Photovoltaik-Projekteur Solar Hybrid AG aus Brilon auf Übernahme des Solar Millennium-Projekts Blythe.
Wiederum wenige Wochen später, am 29. November letzten Jahres vermeldete der US-Branchendienst Bloomberg einen Ergänzungsaauftrag an die BrightSource Energy Inc. (BSE). Bei der US-Konkurrenz von Solar Millennium hatte ESC 2009 sieben Solarthermiekraftwerke mit insgesamt 1300 Megawatt Spitzenleistung für Kalifornien bestellt. Nun soll BSE diese Anlagen im ESC-Auftrag mit Speichern nachrüsten, die etwa 30 Prozent der Wärmemenge zurückhalten könnten. Also genau das, was ESC zuvor bei Solar Millennium abbestellt hatte. Ein Beleg für die These des Insiders, Solar Millennium solle aus US-Projekten gekegelt werden?
Bis Redaktionsschluss lag seitens ESC keine Stellungnahme vor. 
(Heinz Wraneschitz)

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