Wirtschaft

Installateur Theodor Röhm mit seinem bepackten Lastfahrrad. (Foto: dpa)

11.02.2015

Zum Kunden strampeln

Die Post kommt mit dem Rad, Maurer und Schornsteinfeger auch. Lastenräder können für Handwerker eine echte Alternative zum Auto sein

Wenn der Verkehr in der Bremer Innenstadt mal wieder stockt, radelt der Heizungsinstallateur Theodor Röhm ganz entspannt vorbei. Bohrmaschine und Lötkolben finden vorne auf seinem roten Lastenfahrrad Platz, die Werkzeugkiste und jede Menge Material hinten. Sogar zweieinhalb Meter lange Rohre transportiert er an der Seite. Um die 100 Kilogramm muss der drahtige 50-Jährige dann ins Rollen bringen.
Wer für Röhm arbeitet, braucht keinen Führerschein, aber große Lust aufs Radfahren. Firmenwagen gibt es in dem Betrieb nicht, dafür einen ganzen Fuhrpark an Fahrrädern. Stramme Beine sind kein Einstellungskriterium. "Die kommen schon von allein", sagt Röhm. Seit fast 15 Jahren ist er als radelnder Installateur in Bremen unterwegs - und schätzt, dass er so mehrere Tausend Euro pro Jahr sparen kann. Denn für seine fünf Monteure bräuchte er sonst mindestens drei Autos.
Bei der Post, bei Kurierdiensten und auf Werksgeländen werden Fahrräder seit jeher viel genutzt. Lastenräder fristen nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands zwar immer noch ein Nischendasein. Inzwischen entdecken aber auch andere Branchen die Vorteile für sich. "Die elektrische Unterstützung hat einen Schub gegeben", sagt Geschäftsführer Siegfried Neuberger. Denn nun lassen sich auch Lasten von 250 Kilogramm transportieren, ohne dass man völlig verausgabt am Ziel ankommt.  
In den Innenstädten, auf Strecken unter sieben Kilometern und bei vielen Zwischenstopps sieht der Verkehrsclub Deutschland das Fahrrad klar im Vorteil: Man steht nicht im Stau, die Parkplatzsuche entfällt, Abkürzungen durch Parks und verkehrsberuhigte Zonen sparen Zeit, und klimaschonend ist das Ganze auch noch. In vielen Unternehmen werden Lastenräder - ob mit oder ohne Elektroantrieb -das Auto jedoch nicht komplett ersetzen können, wie Verkehrsexperte Arne Behrensen meint. Sie könnten aber eine sinnvolle Ergänzung sein.

"Ich komme vielleicht 10 Minuten später an - aber entspannt"

Ein Beispiel dafür ist Thomas Göttner. Der Schornsteinfeger aus Niederkassel am Rande von Bonn hat vor zwei Jahren zwei E-Räder statt eines dritten Firmenwagens angeschafft. Seitdem spart er jährlich 1700 bis 1800 Euro, die für Reparatur, Unterhalt und Benzin draufgegangen wären. "Bei der Struktur meines Kehrbezirks bot sich das an", sagt der 47-Jährige. Da seine Kunden meist nur wenige Kilometer entfernt wohnen, tritt er lieber in die Pedale -vorausgesetzt, er muss keine Leiter oder sperriges Material transportieren, und es regnet nicht.
Der Bremer Theodor Röhm ist dagegen Überzeugungstäter. Er und seine Angestellten steigen bei jedem Wetter aufs Fahrrad. Nur wenn er mal Gasflaschen besorgen muss, nutzt der Chef sein privates Auto. Alle anderen schweren Lasten liefert der Großhändler direkt zum Kunden.  
Wie viel tatsächlich mit dem Fahrrad geht, wollen die Stadt München und die Industrie- und Handelskammer in einem Pilotprojekt untersuchen. 13 Teilnehmer steigen dafür ein Jahr lang aufs Lastenrad um, darunter ein Getränkemarkt, ein Lieferdienst für Essen und der Maurer Eckehard Siebert. "Ich bin überzeugter Fahrradfahrer - geworden", sagt der 63-Jährige. "Ich komme vielleicht zehn Minuten später an, dafür aber entspannt."
Da Siebert nur noch kleinere Arbeiten auf Baustellen übernimmt, muss er nicht so viel Material transportieren. 20 Ziegel oder ein Sack Zement sind schon drin. Beim Werkzeug muss er sich aber beschränken. In der Mittagspause holt er deshalb öfters Nachschub von zu Hause. "Man muss logistisch anders denken", lautet seine Erkenntnis nach den ersten Monaten als radelnder Handwerker. (Irena Güttel, dpa)

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