Wirtschaft

MAN gibt es künftig auch in der Mongolei. Ein entsprechender Liefer- und Servicevertrag wurde jetzt in Ulan Bator unterzeichnet. (Foto: Schweinfurth

16.11.2012

„Zwischen Entrepreneur und Hasardeur“

Wer in der Mongolei Geschäfte machen will, muss Geld und Geduld mitbringen – dann aber winken satte Gewinne

Wegen ihres Rohstoffreichtums ist die Mongolei ein ge-
fragter Handelspartner. Auch bayerische Unternehmen sind auf eine ausreichende und preiswerte Rohstoffversorgung angewiesen, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich auf den Weltmärkten agieren zu können. Deshalb ist jetzt Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) mit einer Expertendelegation in das zentralasiatische Land gereist. Die Staatszeitung war dabei.

Ein ganz handfestes Resultat der Mongoleireise von Wirtschaftsstaatssekretärin Hessel konnte mit einem Vertrag besiegelt werden. Repräsentanten des in München beheimateten Lkw-Herstellers MAN unterzeichneten in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator einen Liefer- und Servicekontrakt. Demnach sollen künftig neben chinesischen, amerikanischen und koreanischen auch weiß-blaue Lastwagen auf mongolischen Straßen rollen. „Das ist doch mal ein greifbares Ergebnis. Denn oftmals werden bei derartigen Reisen nur viele Absichtserklärungen abgegeben“, erklärt Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel sichtlich zufrieden.
Gerhard Wackenhut, Direktor der Automobil- und Logistiksparte des mongolischen Handelskonzerns Nomin Holding (vergleichbar mit der deutschen Metro), sagt zur Staatszeitung: „Wenn wir in den nächsten Jahren zehn MAN-Laster verkaufen, bin ich schon froh. Denn wir müssen die Mongolen erst einmal davon überzeugen, dass es sich lohnt, deutsche Qualitätsprodukte zu kaufen.“ Denn chinesische Lastwagen seien um ein Vielfaches günstiger, hielten aber auch nicht so lange wie deutsche. Doch das Bewusstsein für ein derart nachhaltiges Investment müsse sich bei den Mongolen erst noch besser herausbilden. In vielen Bereichen hätten sie aber schon verstanden, dass Qualität und Langlebigkeit von Produkten entscheidend seien.
Trotzdem feierten alle Beteiligten die Vertragsunterzeichnung in der deutschen Botschaft in Ulan Bator als großen Erfolg. Ist es doch vor allem für die mongolische Regierung ein Aufbruchsignal, jetzt verstärkt auf nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität zu setzen, so Staatssekretär Baasandorj Batzaya vom mongolischen Verkehrsministerium. Dies nahmen Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel und Peter Schaller, der deutsche Botschafter in der Mongolei, mit Freude zu Kenntnis. Ergeben sich doch aus diesem Vertragsabschluss positive Perspektiven für andere deutsche und bayerische Unternehmen in der Mongolei.
Insgesamt konnten alle Mitglieder der Expertendelegation, die Wirtschaftsstaatssekretärin Hessel anführte, die positive Grundstimmung gegenüber den Deutschen feststellen. Dies sei eine perfekte Grundlage für den bilateralen Handel und Wissenstransfer, so Hessel. Allerdings sollten sich alle bayerischen Unternehmer, die sich mit dem Gedanken tragen, in der Mongolei aktiv zu werden, klar darüber sein, dass man mongolische Partner braucht, um in diesem zentralasiatischen Land Fuß fassen zu können, so Unternehmer Wackenhut.
Ziemlich „aufgeschmissen“
„Zwischen Entrepreneur und Hasardeur“, so bezeichnet er seine unternehmerischen Erfahrungen in der Mongolei. Bei einer kleinen Diskussionsrunde im German Centre of Excellence in Ulan Bator berichtet er, dass man ohne mongolische Geschäftspartner ziemlich „aufgeschmissen“ ist. Er hatte nämlich versucht, als Spediteur mit 16 Lastwagen aktiv zu werden. Sollten doch Unmengen von Kohle aus den Abbaugebieten in der Wüste Gobi im Süden der Mongolei ins benachbarte China transportiert werden. Doch vom vermeintlichen Boom hatte Wackenhut nichts. Die Lastwagen standen die meiste Zeit nur herum, weil China nicht so viel Kohle abnahm wie ursprünglich geplant. Darum musste er viele Durststrecken überwinden und empfiehlt jedem Deutschen, der sich in der Mongolei wirtschaftlich betätigen möchte: „Bringen Sie genug Geld mit. Etwa das Zweieinhalbfache des eigentlichen Investments ist nötig, um hier Erfolg haben zu können. Außerdem braucht man sehr viel Geduld.“ Irgendwann fragte sich Wackenhut auch, der sein Mongolei-Engagement als „das größte Abenteuer seines Lebens“ bezeichnet: „Brauche ich das?“
Ähnlich sieht das auch Oliver Schnorr, Vorstandschef der Euro Khan Co. Ltd.: „Die Finanzierung muss mitgebracht werden.“ Doch das sei mit Hermes-Exportbürgschaften sehr gut darstellbar. Sie könnten 85 Prozent des Investments decken. Den Rest von 15 Prozent könnte man über die Commerzbank oder die BHF-Bank finanzieren. Gerade der deutsche Anlagenbau hätte in der Mongolei riesige Chancen und könne nach einer gewissen Anlaufzeit sehr gute Renditen erzielen. „Man braucht Geduld ohne Ende, aber auch die nötige Flexibilität, ganz schnell zu reagieren, wenn die mongolische Seite das Signal zum Aufbruch gibt.“
Vom langen Atem, den man in dem zentralasiatischen Land braucht, berichtet auch der aus Oberfranken stammende Veith Seidel, Generaldirektor des Bergbauunternehmens BSI LLC. Er ist zusammen mit seinem Vater schon seit über 11 Jahren in der Mongolei sehr erfolgreich aktiv und sieht in der Rohstoffexploration und der -förderung die Zukunft für sein Unternehmen. Seidel ist davon überzeugt, dass die Mongolei eines der wirtschaftlichen Boomländer der kommenden Jahre sein wird.
Allein durch das Oyu Tolgoi-Projekt wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Mongolei um 36,4 Prozent bis zum Jahr 2020 prognostiziert. In der Mine von Oyu Tolgoi lagern laut Weltbank etwa 2300 Millionen Tonnen Kupfer und Molybdän.
Doch nicht nur im Bergbau ergeben sich große Geschäftschancen für bayerische Unternehmen. Firmen, die in den Branchen Milch- und Fleischverarbeitung, Textil-, Bekleidungs- und Teppichindustrie sowie Tourismus aktiv sind, könnten laut Stephen Kreppel, Direktor des nationalen mongolischen Marketingkoordinationsbüros, ebenfalls in der Mongolei reüssieren.


Deutsche sind willkommen


Er betont, dass die Deutschen sehr willkommen seien, weil sie im Gegensatz zu Amerikanern und Australiern nicht Teil der Bergbauindustrie sind. Diese würde oft als ausbeuterisch angesehen, weil sie mit dem Abbau und der Lieferung der Rohstoffe an China lediglich das schnelle Geld machen wollten. Darum sieht Kreppel für deutsche Firmen in der Mongolei „die solideste Basis für ein Investment in Asien“.
Diese Einschätzung kann Thomas Kuball, Geschäftsführer des Deutsch-Mongolischen Unternehmerverbands in Ulan Bator, nur unterstreichen. Auch er sieht trotz aller Geduld und finanzieller Mittel, die man aufbringen muss, in der Mongolei die Basis für langfristige, nachhaltige und ertragreiche Geschäfte.
Wenn jetzt noch das von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im vergangenen Jahr bei ihrem Mongoleibesuch angestoßene Projekt der deutsch-mongolischen technischen Hochschule etwas wird, haben bayerische Unternehmen noch einen Grund mehr, sich in der Mongolei zu engagieren. Denn Ulrich Teipel vom Institut für Interdisziplinäre Innovationen an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg sieht gute Chancen, im weiterverarbeitenden Bereich der Rohstoffe mit der mongolischen Seite zusammenzuarbeiten. „Hier geht es um Wertschöpfung, die im Land bleibt, wenn man die Rohstoffe der Mongolei gleich vor Ort weiterverarbeitet.“ In diesem Bereich des Technologietransfers könnten gerade bayerische Unternehmen punkten, so der Professor. Seine Gesprächspartner auf mongolischer Seite hätten ihm jedenfalls extrem großes Interesse an einer derartigen Kooperation signalisiert.
Gute Perspektiven hat auch Klaus Burger, Geschäftsführer Vertrieb der MAHA Maschinenbau Haldenwang GmbH & Co. KG aus Haldenwang, ausgemacht. Sein Unternehmen, das in Kooperation mit dem TÜV Süd erst vor Kurzem die flächendeckende Fahrzeuguntersuchung in der Türkei eingeführt hat, könnte ein ähnliches System in der Mongolei etablieren. „Das Interesse hierfür ist gegeben.“ Allerdings könne die Fahrzeuguntersuchung in der Mongolei niemals so umfassend und gründlich sein wie in Deutschland. Man müsse sich eben auf ein paar Minimalstandards verständigen, die für die Fahrzeugsicherheit entscheidend sind.
Insgesamt sorgte die Expertenreise unter Leitung von Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel dafür, das partnerschaftliche Klima zwischen Bayern und der Mongolei zu stärken. Durch immer mehr Engagement bayerischer Unternehmen in dem zentralasiatischen Land wird die gesamte Wirtschaft des Freistaats profitieren. Denn die mongolische Seite wird für den Technologietransfer, der durch gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten stattfindet, Bayern mit Rohstoffen versorgen. (Ralph Schweinfurth)

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