Wirtschaft

21.09.2012

Zwischen Gemeinwohl und Gewinnerzielung

Der Public Corporate Governance Kodex im Gesundheits- und Sozialwesen

Gemeinsam das Beste wollen und erreichen, Werte etablieren und Vertrauen schaffen unter Einbeziehung aller involvierten Akteure – ein Public Corporate Governance Kodex ist ein wertvoller Teil eines Unternehmens. Mit ihm kann bei öffentlichen Unternehmen eine Unternehmensführung entwickelt werden, die sowohl die Gemeinwohlorientierung als auch die Gewinnerzielung berücksichtigt. Dies gilt gerade auch für Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens.
Gute Unternehmensführung und Unternehmenskontrolle ist der Inhalt der Corporate Governance. Sie ist ein Führungs- und ein Kommunikationsinstrument, das sowohl intern als auch extern einen Mehrwert für das Unternehmen generiert und das Unternehmen in der Erreichung seiner Ziele unterstützt. Ihre Einrichtung erfolgt mittels des Corporate Governance Kodex, einem verschriftlichten Ordnungsrahmen für die Führung und Überwachung von Unternehmen. Einsprechende Anforderungen bestehen auch für öffentliche Unternehmen wie zum Beispiel kommunale Krankenhäuser und Altenheime. Sie sollen einerseits dem Gemeinwohl dienen und sich an Werten orientieren, andererseits aber auch zielgerichtet und effizient arbeiten.
Als Public Corporate Governance Kodex (PCGK) sieht sich dieser Ordnungsrahmen besonderen Bedingungen ausgesetzt. Öffentliche Unternehmen stehen neben den originären betriebswirtschaftlichen Anforderungen noch vor weiteren Herausforderungen. Zu nennen sind insbesondere die öffentliche Zielsetzung und ihre innere Verfassung.
Kommunikation zur zielgerichteten Informationsweitergabe ist ein essentieller Teil eines PCGK. Die hierfür wichtigen Funktionen sind die Übermittlung von Informationen, die Veranlassung und Koordination von Handlungen sowie das Schaffen von Vertrauen und die Pflege von Beziehungen. Kommunikation ist Teil der Wertschöpfung. Dafür ist es wichtig, dass diese adressatengerecht, situationsgerecht, authentisch, eindeutig und verständlich ist. Unter diesen Bedingungen kann Sie zum Erfolg und zur Erfüllung des öffentlichen Zweckes beitragen. Adressatengerecht bedeutet auch, dass nicht alles für jeden bestimmt ist. Gerade interne Kommunikation ist teilweise hoch vertraulich und dementsprechend zu behandeln und zu schützen.
Die lückenlose Dokumentation und Transparenz des Informationsflusses ist unerlässlich. Sie stärkt das Vertrauen der Öffentlichkeit mit Hilfe von Kommunikation und Information, damit sowohl der Gemeinwohlorientierung als auch der Gewinnerzielung Rechnung getragen werden. Dies geschieht durch Berichte, Entwicklungsdarstellungen, Barriere-Abbau durch verständliche Aufbereitung sowie Zugangserleichterung. Transparenz in der Kommunikation und in der Führung schafft Vertrauen und ermöglicht notwendige Kontrollen.
Eine weitere Besonderheit beim PCGK ist die innere Verfassung öffentlicher Unternehmen, der Kodex-immanent Rechnung getragen werden muss. Neben den öffentlichen Auftrag treten beispielsweise im Gesundheits- und Sozialwesen durch den Umgang mit Hilfsbedürftigen spartenspezifische Rechts- und Steuerungsprobleme hinzu, die bei der Ausarbeitung des unternehmensspezifischen PCGK adäquat zu berücksichtigen sind.
Die Anzahl der Akteure ist durch die involvierten Bereiche Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung, Unternehmen und Medien umfangreich. Die Verflechtungen zwischen den Akteuren sind komplex und die Öffentlichkeit kann sowohl durch die Nutzer, als auch durch Politik und Medien unmittelbar auf das Unternehmen einwirken, welches den Spagat zwischen Gemeinwohlorientierung und Gewinnerzielung vollführen muss. Zusätzlich zu diesem Zielkonflikt sind die Verantwortlichkeiten oft nicht klar abgegrenzt und in das Tagesgeschäft kann durch politische Vorgaben eingegriffen werden. Ein PCGK unterstützt die Verwaltung und die Führung bei der Bewältigung dieser Herausforderungen in dem er einheitliche Vorgaben und Regelungen trifft und dadurch Verlässlichkeit in der Kommunikation und im Umgang miteinander und gegenüber der interessierten Öffentlichkeit schafft.
Ein PCGK setzt sich zusammen aus einer Grundwerterklärung, Verhaltenskodizes und Richtlinien. Der öffentliche Auftrag wird klar und messbar durch schriftliche Zielvereinbarungen formuliert. Darauf aufbauend, werden strategische Zielvorgaben festgelegt. Fixiert sind auch die regelmäßige Berichterstattung an die Öffentlichkeit über die öffentliche und die unternehmerische Zielsetzung, zum Beispiel die interessenskonfliktfreie Besetzung des Aufsichtsrats.
Soziales Wertemanagement als Steuerungselement
Gutes Handeln nach einem PCGK bezieht sich auf alle Akteure und Ebenen und ist eng verknüpft mit den Werten des Unternehmens. Durch ein soziales Wertemanagement als Instrument zur Steuerung und Umsetzung können sowohl der PCGK als auch die ihm immanenten Werte etabliert und gefestigt werden.
Das soziale Wertemanagement durchläuft die vier Prozessstufen Kodifizieren, Kommunizieren, Implementieren und Organisieren. In der ersten Stufe werden die Werte eines Unternehmens gesammelt und in ein schriftliches Regelwerk überführt. Der Unternehmenskommunikation fällt die zweite Stufe zu, seien es der konkrete PCGK, Arbeitsverträge oder Vorlagen für Kommunikation nach außen. Nicht die Klärung oder Verschriftlichung en Detail ist das Ziel sondern eine eindeutige und passgenaue Kommunikation, so dass zum Beispiel Mitarbeitende über das gewünschte Verhalten im Bilde sind und es leben können. In Stufe 3 werden die Grundwerte und der PCGK im Unternehmen verankert und Instrumente werden in den Unternehmens- und Arbeitsalltag integriert. Es zielt auf die Selbstverpflichtung und Selbstbindung einer Organisation. In Stufe 4 werden die Zuständigkeiten definiert, das heißt zum einen die funktionale Integration des PCGK, zum anderen die Ansiedelung der Nachverfolgung der Umsetzung.
Die Einführung und Etablierung eines Public Corporate Governance Kodexes dient der Vereinbarung von Gemeinwohl und Gewinnerzielung. Gerade im Gesundheits- und Sozialbereich mit seinen engen Rückkoppelungen zwischen Zielsetzung und Erwartungshaltung der Öffentlichkeit kann ein PCGK gelebte Werte zeigen, Transparenz und Vertrauen in die Einrichtung schaffen und damit einen Mehrwert generieren.
(Uwe Lezius, Rainer Rösl)

(Die Autoren sind Wirtschaftsprüfer und Berater der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Nürnberg.)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 42 (2017)

Sollen Arbeitnehmer das Recht haben, auf eine 28-Stunden-Woche zu reduzieren?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 20. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG-Metall Bayern

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.