Bauen

Das Luitpoldbad im unterfränkischen Bad Kissingen erhielt den Denkmalpflegepreis in Silber. (Foto: HKL)

14.09.2018

Auszeichnungen für vorbildliche Sanierungen

Die Gewinner des Bayerischen Denkmalpflegepreises 2018 stehen fest

Am gestrigen Donnerstag wurde in feierlichem Rahmen im Neuen Schloss Schleißheim der Bayerische Denkmalpflegepreis 2018 vergeben. Seit 2008 zeichnet die Bayerische Ingenieurekammer-Bau alle zwei Jahre Bauherren aus, die sich in besonderer Weise um den Erhalt eines Baudenkmals verdient gemacht haben. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ist Partner des Preises. Der Preis ist aufgeteilt in die Kategorien Öffentliche und Private Bauwerke. Für die Preisträger in der Rubrik Private Bauwerke steht zusätzlich ein Preisgeld von insgesamt 10 000 Euro bereit. Die diesjährigen Gewinner kommen aus Oberfranken, Unterfranken, Schwaben und Niederbayern.

In diesem Jahr wurde der Jury des Bayerischen Denkmalpflegepreises eine Rekordzahl von 62 Bewerbungen zur Prüfung eingereicht. Ein besonderes Augenmerk bei der Vergabe des Preises richtete die Jury auf die herausragenden Leistungen der Ingenieure, die maßgeblich zum Erfolg der Instandsetzungen beigetragen haben. Ihre Arbeit ist besonders wichtig, aber meist weniger sichtbar als beispielsweise die neue Fassade. Ohne Ingenieurswissen, wie den richtigen Kniff bei der Statik oder auch der Lüftungsplanung, wäre der Erhalt vieler Baudenkmäler jedoch unmöglich.

So viele eingereichte
Projekte wie nie zuvor

„In diesem Jahr wurden so viele Projekte für den Bayerischen Denkmalpflegepreis eingereicht wie nie zuvor. Das zeigt das große Engagement der Ingenieure auf diesem Gebiet. Denn die Sanierung denkmalgeschützter Bauwerke ist die Königsdisziplin im Bereich Bauen im Bestand“, sagte Michael Kordon, 1. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, bei der Preisverleihung.

Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, betonte: „Damit auch nachfolgende Generationen über den Einfallsreichtum, die Geschicklichkeit und das Können unserer Vorfahren staunen können, sind Instandsetzungen, wie wir sie mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis auszeichnen, außerordentlich wichtig. Das Engagement der prämierten Bauherren und ihrer begleitenden Ingenieure verdient höchste Anerkennung.“

In der Kategorie öffentliche Bauwerke ging Gold an das Rathaus Hallstadt in Oberfranken. Mit Silber wurde das Luitpoldbad in Bad Kissingen geehrt. Bronze erhielt die ehemalige Gastwirtschaft „Zum goldenen Kreuz“ im schwäbischen Monheim. Das Gebäude wird inzwischen von sieben Vereinen als „Haus der Kultur“ genutzt.
Das Gasthaus Baumgartner in Vilshofen und das Fernsemmerhus in Scheidegg im Allgäu können sich über Silber in der Kategorie „Private Bauwerke“ freuen. Beide erhielten zusätzlich ein Preisgeld von je 4000 Euro. Die Zisterzienser-Abtei Seligenthal im niederbayerischen Landshut wurde mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Bronze und einem Preisgeld von 2000 Euro bedacht.

Die Jurybegründung für das Rathaus in Hallstadt lautete: „Über ein kreatives Absauge-Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung konnte die Erhaltung der historischen, aber schadstoffbelasteten Deckenkonstruktionen erreicht werden. Mit der Absaugung der schadstoffbelasteten Luft aus den Deckenkonstruktionen erfolgt gleichzeitig eine Belüftung aller Räume. Insgesamt beinhaltet das Konzept der Reparaturmaßnahme minimale Eingriffe in den historischen Baubestand, berücksichtigt technische Bestimmungen, wie Brand- und Schallschutz und erzielte somit ein außergewöhnliches wie vorbildliches Ergebnis. Dies gilt besonders für die Leistung des Fachingenieurs für Haustechnik, dem eine hervorragende Anpassung der ansonsten nur schwierig unterzubringenden Lüftungskanäle in das Gebäude gelungen ist.“

In der Begründung für das Luitpoldbad in Bad Kissingen schreibt das Preisgericht: „Mit Freilegung und Ergänzung der historischen Gusseisenkonstruktionen wurde die Wiederherstellung des ursprünglichen Raumeindrucks des Treppenhauses erreicht. Die besondere Leistung der Tragwerks-planer bestand darin, die Tragfähigkeit der bauzeitlichen Konstruktion mit Vor-Ort-Messungen zu ermitteln, da ein rechnerischer Nachweis gegen den Erhalt gesprochen hätte.“

In der Jurybegründung für die ehemalige Gastwirtschaft „Zum Goldenen Kreuz“ in Monheim heißt es: „Die Revitalisierung der ehemaligen Gastwirtschaft zu einem ’Haus der Kultur’ erforderte ideenreiche ingenieurtechnische Lösungen. Eine besondere Herausforderung war die dem schlechten Baugrund geschuldete Vermeidung von Lasterhöhungen und Lastkonzentrationen. Den Tragwerksplanern ist es gelungen, durch Aussteifungen des barocken Dachwerks bis hin zum Nachweis als Faltwerk und dem Einbau leichter additiver Systeme, die Standsicherheit auch bei weit gespannten Bauteilen wieder herzustellen. Damit wurden nicht nur denkmalverträgliche sondern auch besonders kostengünstige und nachhaltige Lösungen zum Erhalt des Denkmals gefunden.“

Den Denkmalpflegepreis in Silber für das Gasthaus Baumgartner im niederbayerischen Vilshofen begründete das Preisgericht wie folgt: „Das durch Hochwasser stark beschädigte Baudenkmal konnte durch intelligente Lösungen gerettet werden. Eine besondere Leistung war dabei die hydraulische Abfangung und anschließende Unterfangung von zwei unterspülten Granitstützen. Besonders hervorzuheben ist die gelungene Wiederherstellung von Teilflächen des gemauerten böhmischen Platzlgewölbes mit historisch überlieferter Handwerkstechnik.

Eingriffe in
unauffälliger Weise

Für das Fernsemmerhus in Scheidegg im Allgäu lautete die Jurybegründung: „Bei der Instandsetzung des Baudenkmals wurden zahlreiche individuelle Lösungsansätze zur bautechnischen Instandsetzung und zur energetischen Ertüchtigung gefunden. Bei allen Maßnahmen gelang es, notwendige Eingriffe in unauffälliger Weise dem Denkmal anzupassen. Hervorzuheben sind dabei die individuell angepasste Lösung bei einer ’unsichtbaren’ Wandaussteifung sowie die Anpassung neuer Bauteile in das Gesamtbild des Gebäudes. Im Rahmen der energetischen Modernisierung wurde durch den Einsatz von Winterfenstern und moderaten Dämmstärken eine nachhaltige Lösung gefunden. Mit der Instandsetzung wurde vorzeigbarer denkmalgerechter Gesamteindruck erreicht.“

Der Denkmalpflegepreis 2018 in Bronze ging in diesem Jahr an die Zisterzienser Abtei Seligenthal in Landshut. In der Jurybegründung heißt es: „Fehlende Aussteifungen verbunden mit Schäden im barocken Dachwerk sowie Ausschwemmungen des Baugrunds durch das für Zisterzienserklöster charakteristische, unterirdisch verlaufende Bachbett führten zu starken Verformungen am Gebäude. Mit einer überlegten Tragwerksplanung konnte die Gebäudeaussteifung wiederhergestellt werden. Durch die Umleitung der Lasten wurden weitergehende Eingriffe in den Denkmalbestand verhindert. Die Instandsetzung zeichnet sich durch eine wirtschaftliche, funktionale und auch praxistaugliche Lösung aus.“ (SA/FHH)

(Das mit Gold prämierte Rathaus in Hallstadt und das Gasthaus Baumgartner in Vilshofen.Die frühere Gastwirtschaft "Zum Goldenen Kreuz" in Monheim und das Fernsemmerhus im schwäbischen Scheidegg. Die Abtei Seligenthal in Landshut - Fotos: Simone Krainz Architekten/Petraschka/Richard Kende, Augsburg/Pfanner/Ingenieurbüro Brandstetter)

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