Bauen

Unterm Strich gab es beim bayerischen Bau- und Ausbaugewerbe auf allen Ebenen kräftige Zuwächse. (Foto: Bilderbox)

13.04.2018

Bauboom in Ostbayern

Das bayerische Bau- und Ausbaugewerbe freut sich über kräftige Zuwächse, doch zehntausende offene Stellen geben Anlass zur Sorge

Das Konjunkturbarometer des bayerischen Bau- und Ausbaugewerbes zeigt, dass im Freistaat der Optimismus überwiegt – sowohl die aktuelle Einschätzung als auch die Aussichten stimmen zuversichtlich, so Wolfgang Schubert-Raab, Sprecher der Landesvereinigung Bauwirtschaft Bayern (LVB). Unterm Strich gab es laut Schubert-Raab auf allen Ebenen kräftige Zuwächse, unter anderem bei Umsatz, Ertrag und bei den Auftragseingängen – die Betriebe sind im Schnitt für mehr als das nächste Vierteljahr im Voraus ausgebucht. „Das ist ein neuer Rekord, der aber auch eine Kehrseite birgt: Wir brauchen deutlich mehr Fachkräfte, die als qualifizierte Bewerber zur Verfügung stehen.“

Für den LVB-Sprecher bedeutet das, dass die Betriebe in vielen Fällen gar nicht mehr hinterherkommen, ihre Aufträge abzuwickeln. Allein in Bayern gibt es seiner Ansicht nacht zehntausende offene Stellen in den Bau- und Ausbauberufen. „Hier muss etwas passieren“, fordert Schubert-Raab. Das Bau- und Ausbaugewerbe biete attraktive Arbeitsplätze mit interessanten und vielfältigen Tätigkeiten. Dies müsse man deutlich herausstreichen, so Schubert-Raab. Auch sei „handwerkliches Arbeiten durch nichts zu ersetzen“, womit man darüber hinaus auch „digitalisierungsfest“ sei. Angesichts der grundsoliden wirtschaftlichen Lage der Branche sind die Perspektiven für junge Menschen in der bayerischen Bau- und Ausbauwirtschaft ausgezeichnet, betont Schubert-Raab.

Die Umsätze
sind kräftig gewachsen

In der LVB-Frühjahrs-Umfrage kamen Rekordwerte zutage. So ist der Geschäftslageindex auf den höchsten bisher gemessenen Wert gestiegen. Der Anteil der Betriebe, der die aktuelle Lage als ungenügend einstuft, ist auf deutlich unter ein Prozent gesunken, erklärt Schubert-Raab. Ähnliche Zufriedenheitswerte gebe es mit Blick auf die Umsätze. Knapp zwei Drittel der Bau- und Ausbauunternehmen geben hier die Note „gut“ oder „sehr gut“ ab. Auch hier liege der Anteil der Unternehmen mit ungenügender Umsatzentwicklung unter einem Prozent. „Tatsächlich sind die Umsätze kräftig gewachsen: 16 Milliarden Euro waren es vergangenes Jahr im Bauhauptgewerbe – das entspricht einem Plus von zehn Prozent im Jahresvergleich.“ Die guten Umsätze resultieren nach den Worten des LVB-Sprechers auch in einer deutlich verbesserten Ertragslage: Gut die Hälfte der Ausbauunternehmen und knapp die Hälfte der Baubetriebe bewerten die Erträge als gut. Das gibt der Branche Sicherheit – denn die guten Ergebnisse führen zu einer verbesserten Eigenkapitalausstattung der Unternehmen.

Bei der Auslastung der Branche fallen einige regionale Unterschiede auf, so Schubert-Raab. Die vollsten Auftragsbücher können die ostbayerischen Bau- und Ausbaubetriebe vorweisen, sie haben einen durchschnittlichen Auftragsbestand von rund 15 Wochen – die Niederbayern liegen hier noch knapp vor den Oberpfälzern. In Oberfranken fällt der Auftragsbestand mit gut zehn Wochen am niedrigsten aus. „Man muss aber sagen, dass sich in sämtlichen Regierungsbezirken die Auftragslage erhöht hat.“ Mehr als zwei Drittel aller Unternehmen bewerten laut Schubert-Raab ihre aktuelle Auftragslage als gut bis sehr gut. Im Vergleich zum Vorjahr könne man jeweils zweistellige Zuwächse bei den Zufriedenheitswerten feststellen.

Auch mit Blick auf die Preise, die die Unternehmen für ihre Leistungen auf dem Markt abrufen können, ist die Branche im großen Ganzen zufrieden, erklärt der LVB-Sprecher. Die weit überwiegende Mehrzahl der Betriebe erziele befriedigende bis gute Baupreise. Über ein schlechtes Preisniveau würden lediglich acht Prozent der Unternehmen klagen, das ist ein Rückgang um drei Prozent im Vorjahresvergleich.
Die Unternehmen heben laut Schubert-Raab trotz der guten Lage keineswegs die Preise übermäßig an. „Im Gegenteil: Die Preissteigerungen für die einzelnen Leistungen der Unternehmen halten sich völlig im Rahmen der üblichen Teuerungsraten. Die Steigerung der Baupreise einschließlich der Nebenkosten lag im Wohnungsbau mit 22,7 Prozent seit dem Jahr 2000 deutlich unterhalb der Entwicklung der Lebenshaltungskosten. Sie machen nur knapp 23 Prozent der Gesamtinvestitionskosten (Baukosten im Mehrfamilienhausbau) aus. Dennoch sind die Bauwerkskosten gegenüber dem Jahr 2000 um durchschnittlich 55 Prozent angestiegen. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind dagegen nur um 28 Prozent gestiegen, also bei Weitem nicht so kräftig.“

Die Ursache für diese Entwicklung liegt aus Sicht des LVB im Wesentlichen beim Gesetzgeber. Verschärfte energetische Anforderungen, strengere Brandschutzpflichten, höhere Anforderungen an die Barrierefreiheit und allgemein steigende Qualitätsanforderungen haben vor allem den Wohnungsbau erheblich verteuert. Hinzu kommen stark anziehende Kosten für die Bauabfallentsorgung, die alle Baumaßnahmen treffen – auch den Wohnungsbau.

Kostentreiber: Baulandpreise

Der größte Kostentreiber bei den Baukosten ist für Schubert-Raab allerdings noch ein anderer: Die stark steigenden Baulandpreise lassen bezahlbaren Wohnungsbau in den Ballungsräumen bereits heute nicht mehr zu. Die Preise haben sich nach den Worten des LVB-Sprechers seit 1995 in Deutschland um durchschnittlich 170 Prozent erhöht. Der durchschnittliche Kaufwert für baureife Grundstücke betrug im 2. Quartal 2017 in Bayern 294 Euro pro Quadratmeter. In bayerischen Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohnern waren es durchschnittlich 2573 Euro für den Quadratmeter – das entspricht fast dem Neunfachen des landesweiten Durchschnittspreises für baureifes Land.

Die hoheitliche Aufgabe, Bauland als solches auszuweisen, liege bei den Städten und Gemeinden und damit die politische Verantwortung für eine adäquate Flächenbereitstellung. „Diese ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten, zum größten Teil sogar nachweislich gesunken. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums steht im Konflikt mit dem umweltpolitisch gerechtfertigten Ziel, den Flächenverbrauch in Bayern deutlich und dauerhaft zu senken. Verknappung führt zu Preissteigerungen; dies gilt auch für Bauland. Hier müssen alle Beteiligten Kompromisse eingehen“, erklärt der LVB-Sprecher.

Mit Nachfolgeregelung bereits auseinandergesetzt

„In unserer Umfrage hat uns zu guter Letzt interessiert, inwiefern das Thema Betriebsübergabe in unserer Branche eine Rolle spielt. Anlass für unsere Frage war insbesondere eine bundesweite Studie, der zufolge 236 000 Mittelständler in den kommenden zwei Jahren ihren Betrieb übergeben wollen. Zugleich kam die Analyse zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der befragten Seniorchefs noch keine konkreten Pläne für die Betriebsübergabe gemacht hat“, so Schubert-Raab.

Für das bayerische Bau- und Ausbaugewerbe ergebe sich hier jedoch ein anderes Bild. Bei fast einem Drittel der Betriebe stehe in den kommenden fünf Jahren eine Geschäftsübergabe an. „Überraschenderweise haben aber bereits mehr als ein Drittel (35 Prozent) der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer eine Nachfolgeregelung getroffen.“ Die Zahl lässt aus Sicht des LVB den Schluss zu, „dass die Branche eine aktive Risikovorsorge betreibt und frühzeitig an die Absicherung der Zukunft denkt“. (Friedrich H. Hettler)

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Daniel Föst,
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(JA)

Volkmar Halbleib, Parlamentarischer Geschäftsführer und wohnungsbaupolitischer Sprecher der Landtags-SPD

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