Bauen

Der Huberhof in Natz-Schabs. (Foto: Südtirol Marketing/Georg Hofer)

20.05.2015

Neues Leben für alte Mauern

Die "Tage der Architektur" in Südtirol bieten Baukultur zum Anfassen

Weite Apfelhaine, sanft-hügelige Weinberge und glutrot schimmernde Dolomitenspitzen: Die vielfältige Landschaft ist Südtirols Kapital. Der Baukultur von Italiens nördlichster Region kommt eine besonders verantwortungsvolle Rolle zu, da nur sechs Prozent der Fläche besiedelbar ist – und davon ist bis heute nur die Hälfte überhaupt bebaut. Die Herausforderung Südtirols ist umso mehr, eine unverwechselbare Architektur zu entwickeln, die geprägt ist durch die natürlichen Vorgaben der Region, landestypischer Baumaterialien und der Lage am Schnittpunkt von drei Kulturen. Einen Blick hinter die Fassade von Bauernhöfen, Hotels, Schlössern, öffentlichen Bauten oder Privathäusern ermöglichen die „Tage der Architektur“ vom 11. bis 14. Juni 2015. Rund 40 historische Bauwerke öffnen interessierten Besuchern ihre Türen. In acht verschiedenen Touren geben Architekten und Bauherren interessante Details zu Planung und Bauhintergründen. Die diesjährige Premiere dieser Veranstaltungsreihe steht unter dem Motto „Neues Leben für alte Mauern“ und dreht sich um alte Bausubstanz, die saniert, renoviert oder erweitert wurde.
Durch das Erlebbarmachen von Bauobjekten festigt Südtirol seine Position als Architekturland. Die Führungen durch Klöster, öffentliche Gebäude oder Kellereien tragen dazu bei, dass Architektur als ein Gesamtkonzept wahrgenommen und als integraler Bestandteil des Lebensraumes betrachtet wird. „Wir möchten Gäste und einheimische Bevölkerung für die Kultur des Bauens sensibilisieren“, sagt Architekt Carlo Calderan, Präsident der Architekturstiftung Südtirol. Im Vinschgau etwa lassen sich zusammen mit Architektin Margot Wittig neben dem auf 1340 Meter liegenden Benediktinerstift Marienberg auch Italiens erste Whiskydestillerie Puni entdecken, während das Kunsthaus und die Therme Meran die Hauptrolle bei der halbtägigen Tour in der Stadt an der Passer spielen. Mit von der Partie sind auch das „Parkhotel Holzner“ in Oberbozen und das „Drei Zinnen“ in Sexten – wer wirft nicht gern mal einen Blick hinter die Kulissen eines Hotels und erfährt, wie alte Strukturen für die moderne Nutzung adaptiert werden? 
Macht gute Architektur auch guten Wein? Die Frage lässt sich zusammen mit den Architekten Matthias Meier und Klaus Ausserhofer auf der täglichen Weintour klären. Inspiration geben die überraschenden Dialoge von moderner Architektur und Altbestand zum Beispiel bei der Kellerei St. Michael Eppan oder dem Weingut Hofstätter in Tramin. Oftmals ein beindruckendes Zusammenspiel aus historischen Mauern und zeitgenössischen Stilelementen sind die Südtiroler Bauernhöfe. Ob man das auch schmeckt, kann der Besucher bei der Verkostung der hofeigenen Produkte auf dem Huberhof in Natz-Schabs oder dem Söhlerhof in St. Lorenzen herausfinden.
Pünktlich zu den „Tagen der Architektur“ launcht Südtirol Marketing die „Architektur App Südtirol“ für iOS-, Android- und Windows-Phone-Endgeräte. In den Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch gibt sie architekturinteressierten Gästen das ganze Jahr über Informationen zu den architektonischen Besonderheiten der Region. Hier findet der Nutzer Wissenswertes zu Bauwerken und Gebäuden in den Kategorien Kulinarik, Kunst, Freizeit, Unterkunft, öffentliche Bauten und Wohnbauten: von Architektenprofilen und Zitaten über Innenansichten bis zu Touren- und Eventvorschlägen.
Sechs verschiedene Touren führen in die Regionen Vinschgau, Meran, Bozen, Brixen, Bruneck und das Pustertal. Thematische Führungen bringen die zwei Themen Wein und Bauernhöfe näher. Detailliertes Programm und Buchung der Touren unter: www.tagederarchitektur.it. (BSZ) (Der Eingang zum Museum Marienberg und das Parkhotel Holzner in Oberbozen - Fotos: Südtirol Marketing/René Riller)

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