Bauen

Knapp zehn Millionen Euro wurden in den Erweiterungsbau investiert. (Foto: Gerryland)

19.08.2011

Platz für 720 Studierende

Campus II: Ein neuer Erweiterungsbau für die Hochschule Schweinfurt

Nach 14 Monaten Bauzeit ist der neue Erweiterungsbau der Hochschule für angewandte Wissenschaften im Herzen Schweinfurts, Konrad-Geiger-Straße 2, eingeweiht worden. Ab dem Wintersemester 2011/2012 können hier 720 Studenten auf einer Gesamtfläche von 4500 Quadratmetern ihr Studium beginnen.
Dringend notwendig wurde die Erweiterung, da sich die Studentenzahl der auf Ingenieurstudiengänge ausgelegten Hochschule am Standort Schweinfurt innerhalb von nur zwölf Jahren mehr als verdoppelt hat – von 1200 auf derzeit 2600. Darüber hinaus wurden neue Kapazitäten dadurch besonders notwendig, da in diesem Jahr ein doppelter Abiturjahrgang verabschiedet wurde. Und da die bisherigen Räumlichkeiten nicht ausreichten, ist in kürzester Planungs- und Bauzeit der „Campus II“ errichtet und eröffnet worden.
Am „Grünen Markt“ in Schweinfurt ist ein modernes Gebäude entstanden, welches sich perfekt in die vorhandene, städtebauliche Situation einfügt, ohne dabei den eigenen Charakter zu verlieren. Die Architektur des Gebäudes wird durch klare Formen und Linien bestimmt, Funktionen und Nutzen sind eindeutig gegliedert. Die zentrale „Erschließungsstraße“ des Bauwerks stellt im Erdgeschoss die so genannte Mall dar.

Lerninseln in der Mall


Belebte Anlaufstellen, wie die großen Hörsäle, sind direkt daran angeschlossen. In der Mall vorhandene „Lerninseln“ sollen der Kommunikation und dem gemeinschaftlichen Lernen dienen, wobei besonderes Augenmerk auf optische und akustische „Wohlfühlfaktoren“ gelegt wurde. Durch ausreichend Helligkeit und durch die Dämpfung der Nachhallzeiten ist ein individuelles, konzentriertes Arbeiten inmitten einer lebhaften Umgebung möglich.
In den Obergeschossen, entlang der Friedrich-Ebert-Straße, sind Räumlichkeiten wie Sozialräume, Professoren- und Verwaltungsbüros untergebracht. Alle Hörsäle sind variabel möblierbar, also multifunktional nutzbar. Im Erdgeschoss sind sieben Hörsäle, Eingangshalle, Hausmeisterbüro, Sanitärbereiche und Lager, im ersten Obergeschoss Seminarräume, Tutorenraum, Technikbereiche, Dozentenzimmer, Projekt- und Sozialräume, im zweiten Obergeschoss Büroräume, ein Großarbeitsraum, Terminalpool, Projekträume und Sanitärbereiche.
 Der Campus II ist ein moderner Zweckbau aus Beton und viel Glas, der nicht etwa vom Freistaat über sein Staatliches Hochbauamt, sondern durch die städtische Tochter Stadt- und Wohnbau GmbH (SWG) errichtet wurde. Die SWG, die als größter kommunaler Immobiliendienstleister Unterfrankens Wohnungen und Dienstleistungen rund um Immobilien in Schweinfurt anbietet, unterstützt zusätzlich die Stadt Schweinfurt bei einzelnen Projekten und der generellen städtebaulichen Entwicklung.

14 Monate Bauzeit


In das Gebäude und seine Außenanlagen wurden knapp zehn Millionen Euro investiert und, so SWG-Geschäftsführer Alexander Förster, der Kostenrahmen eingehalten. Die Finanzierung wurde aus Eigenkapital und Fremdkapital realisiert – allerdings ohne staatliche Zuschüsse.
Im September 2009 war die erste öffentliche Ausschreibung, auf die sich kein privater Investor gemeldet hatte, im März letzten Jahres der Spatenstich und am 3. August 2011 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Die reine Bauzeit hat sich also auf gerade mal 14 Monate erstreckt – sehr ambitioniert, meint Förster: „Das war nur möglich, weil alle angepackt und an einem Strang gezogen haben.“
Es sei das erste Mal, dass der Freistaat für ein Hörsaalgebäude nicht als Investor auftritt, sondern als Mieter, hatte Schweinfurts Bürgermeister Otto Wirth im Rahmen der Einweihungsfeier gesagt. Für zwölf Jahre wurde der Mietvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem städtischen Wohnungsbauunternehmen abgeschlossen – mit der Option auf Verlängerung.
Die städtebauliche Situation sei mit dem neuen Baukörper aufgewertet worden, so Wirth. Nun können in Schweinfurt insgesamt 3400 junge Leute studieren und das städtische Leben wichtige neue Impulse durch die wachsende Studentenschaft erfahren. Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sei beispielhaft und zukunftsweisend. Der Campus II trage außerdem dazu bei, dem steigenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
 Bei der Eröffnungsfeier zitierte Architekt Peter Ropertz – von der Ropertz & Partner Projektmanagement GmbH mit Niederlassung in Schweinfurt – einen römischen „Kollegen“, der vor 2000 Jahren schon von Gebäuden Festigkeit, Zweckmäßigkeit und Schönheit gefordert hatte. Das gelte auch heute noch. Die Hörsäle seien „sehr von funktionalen Bedingungen geprägt“. Besonders sei darauf geachtet worden, dass sie sowohl lichtdurchflutet als auch schallisoliert seien. „Ich hoffe, dass es gelungen ist, der auf technische Disziplinen ausgerichteten Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt eine angemessene Ausdrucksform zu geben“, sagte der Architekt.

Stärkung des Standorts


„Hier schaut man nach vorne und baut an der Zukunft“, lobte in seiner Festrede Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch die Schweinfurter. Der neue Campus II stärke den Wissenschaftsstandort Schweinfurt und Bayern.
Seit Herbst 2008 habe die Staatsregierung erheblich in Hochschulen und Bildung investiert, was aber nur möglich sei, wenn das Geld vorher von den Unternehmen erwirtschaftet werde. Das Verhältnis von Staat und Hochschulen bezeichnete er als partnerschaftlich. Es habe sich bewährt, nicht mehr von oben herab zu verfügen, was Hochschulen mit ihren Etats zu machen haben.
Mit dem neuen Campus wird aber nicht nur die Hochschule erweitert, sondern auch ein städtebaulicher Akzent gesetzt. Die über Jahre hinweg bestehende Baulücke zwischen dem „Grünen Markt“ und der Friedrich-Ebert-Straße konnte nun endlich geschlossen und somit das Stadtbild vervollständigt werden. Die Nähe zur bereits bestehenden Hochschule und die zentrale Lage zur Innenstadt sind zudem vielversprechende Standortfaktoren.
(Sven Schröter)

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