Beruf & Karriere

Statt beim Homeoffice mit dem Laptop im Wohnzimmer zu sitzen, sollten sich Arbeitnehmer zu Hause einen festen Arbeitsplatz mit vernünftigen Arbeitsmitteln schaffen, raten Experten. (Foto: dpa)

10.08.2018

Große Freiheit – oder noch mehr Druck?

Viele Berufstätige träumen vom Homeoffice, in der Praxis hat das aber seine Tücken – wie die Arbeit von zu Hause zum Erfolg wird

Beruf und Familie verbinden, die Zeit besser einteilen oder bloß ungestört arbeiten. Das sind drei mögliche Gründe dafür, im Homeoffice zu arbeiten. Doch wie gelingt das am besten?

Entspannt in der Hängematte liegen, den Laptop auf den Beinen, vielleicht noch einen Cocktail in der Hand. Mit solchen naiven Klischeevorstellungen hat die Arbeit im heimischen Büro zwar nichts zu tun. Trotzdem würde etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland gerne im Homeoffice arbeiten, wenn es erlaubt wäre. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Für Freiberufler ist die Arbeit daheim oft gängige Praxis.

Doch der Traum vom Büro in den eigenen vier Wänden hat auch seine Tücken: Soziale Isolation und Selbstausbeutung sind nur zwei der möglichen Risiken. Die folgenden Tipps helfen dabei, solche Fallen zu umgehen:

Tipp 1: Kontakt halten!
Aus den Augen, aus dem Sinn: Für Arbeitnehmer kann es zum Problem werden, wenn sie den Kontakt zur Firma verlieren. „Wenn man von zu Hause arbeitet, kann man noch so fleißig sein, die anderen sehen es nicht“, sagt Jennifer Reckow vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Sie rät, „sich virtuell öfter zu zeigen, als man es tun würde, wenn man im Büro sitzt“.

Und auch für das eigene psychische Wohlbefinden sei es wichtig, die eigene Rolle in der Firma zu kennen, sagt Julia Scharnhorst, Vorsitzende der Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Außerdem werde man im Homeoffice allzu leicht von Informationen abgeschnitten, die den Unternehmensalltag betreffen. Ihre Empfehlung: Regelmäßig das Gespräch mit dem Chef suchen und möglichst an Besprechungen und Betriebsfesten teilnehmen.

Tipp 2: Vertrag aufsetzen!
Ob Homeoffice oder Firmenbüro – arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen gelten für beide Arbeitsorte. „Das bedeutet, der Arbeitgeber hat das Recht und die Pflicht, in das Haus des Arbeitnehmers zu gehen und die Einhaltung der Regelungen auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und falls es erforderlich ist, sie anzupassen“, erklärt Reckow.

Viele arbeiten von zu Hause aus mehr als im Büro

Der Chef in den eigenen vier Wänden? Viele Arbeitnehmer wollen das nicht. Umso wichtiger sei es, das Wesentliche vorab festzulegen, empfiehlt Jan Strunk, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied im Verband Deutscher Arbeitsrechts-Anwälte. Vertraglich festlegen sollte man das Zutrittsrecht zum Homeoffice, aber zum Beispiel auch Arbeitszeit und Erreichbarkeit.

Tipp 3: Gesonderten Arbeitsplatz schaffen!
Arbeiten zwischen Abwasch und Bügelwäsche – das funktioniert für die wenigsten. Statt mit dem Laptop am Küchentisch zu sitzen, sollten sich Arbeitnehmer zu Hause einen festen Arbeitsplatz mit vernünftigen Arbeitsmitteln schaffen, empfiehlt Scharnhorst. „Man sollte darauf achten, nicht mitten im Gewusel zu arbeiten, sondern hinter sich die Tür zumachen zu können“, sagt die Psychologin.

Auch arbeitsrechtlich gibt es dabei einiges zu bedenken: „Wenn das Homeoffice ein dauerhafter und regelmäßiger Arbeitsplatz sein soll, gilt alles, was es an gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen gibt, auch hier“, sagt Jan Strunk. Das betrifft die Arbeitssicherheit genauso wie den Datenschutz. Ein Beispiel: „Dienstliche Dokumente müssen gegebenenfalls so gesichert sein, dass Dritte keinen Zugriff darauf haben.“

Tipp 4: Grenzen setzen!
Im Homeoffice regiert der Schlendrian? Von wegen! „Viele Leute arbeiten eher mehr, aus lauter schlechtem Gewissen. Die Tendenz geht in Richtung Selbstausbeutung“, sagt Julia Scharnhorst. Meistens kommen dabei mehrere Gründe zusammen: Erstens das Gefühl, man müsste ständig erreichbar sein – zweitens aber auch der Anspruch, neben dem Beruf noch Haushalt und Kinderbetreuung zu schaffen.

Damit die Arbeit daheim nicht irgendwann im Burnout endet, empfiehlt die Psychologin, klare Regeln für die eigene Arbeitszeit festzusetzen – und diese auch der Familie, den Kollegen und Vorgesetzten zu kommunizieren.

Tipp 5: Arbeit dokumentieren!
Das Zeitmanagement ist vielleicht die größte Herausforderung im Homeoffice. Denn Ablenkungen drohen mehr oder weniger ständig, wenn sich Beruf und Privatleben überschneiden. „Man sollte seine Arbeitszeit dokumentieren, das ist in den meisten Fällen notwendig und sinnvoll“, sagt Rechtsanwalt Strunk.

Sinnvoll ist das nicht nur, um Klarheit über die geleisteten Stunden zu erlangen. Denn auch zu Hause gelten die gesetzlichen Grundlagen zur Arbeitszeit. „So müssen Arbeitnehmer auch im Homeoffice eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden einhalten“, sagt Reckow.

Tipp 6: Pausen machen!
Wer fleißig ist, braucht auch Pausen – im Büro und im Zuhause gleichermaßen. „Doch Pausen werden häufig gar nicht oder nicht regelmäßig genommen“, sagt Scharnhorst. Stattdessen will man häufig noch schnell etwas im Haushalt erledigen, die Erholungszeiten kommen zu kurz.

Die Psychologin rät deshalb: „Man sollte sich Pausenzeiten fest einplanen. Das erfordert Selbstdisziplin, führt aber dazu, Arbeit und Privates besser zu trennen.“ Ein Cocktail muss es da ja nicht gleich sein – die Hängematte ist aber vielleicht gar keine schlechte Idee. (Anke Dankers, dpa)

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