Kommunales

Die Mauscheleien, so die Kronzeugin der Staatsanwaltschaft, seien kein Einzelfal gewesen. (Foto: dpa)

01.09.2014

Mauschelei bei Sanierung von 60-Millionen-Bauprojekt

Amtsgericht verurteilt Ingolstädter Hochbauamtsleiter und seinen Stellvertreter wegen illegaler Absprachen mit Architekten zu hohen Geldstrafen.

Der Leiter des Städtischen Hochbauamts von Ingolstadt und sein Stellvertreter wurden vom Amtsgericht Ingolstadt zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Behördenleiter muss 220 Tagessätze á 120 Euro bezahlen, sein Vize 90 Euro. Die beiden Beamten werden beschuldigt, bei der rund 60 Millionen Euro schweren Generalsanierung  illegale Absprachen mit drei Architekten getroffen zu haben. Die besagten Architekten wurden ebenfalls zu Geldstrafen verurteilt. Alle Betroffenen kündigten an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Eine offizielle Stellungnahme der Ingolstädter Stadtverwaltung liegt bisher noch nicht vor.
Insgesamt hatten sich an der Ausschreibung für die Sanierung rund 30 Architekturbüros beteiligt. Geld floss seitens der Architekten angeblich nicht an die Beamten. Offenbar ging es den Kommunalbeschäftigten aus eigenem Antrieb darum, konkret jenen Firmen einen Informationsvorsprung zu verschaffen, mit denen sie in der Vergangenheit bei anderen Bauprojekten gute Erfahrungen hinsichtlich der Qualität der Bauausführung und der Pünktlichkeit gemacht hatten und die sie deshalb gern wieder als ausführendes Unternehmen gesehen hätten.

Schwere Mobbingvorwürfe einer ehemaligen Mitarbeiterin


An die Öffentlichkeit gekommen war der Fall durch eine ehemalige Beschäftigte im Hochbauamt. Die 43-Jährige - Sie fungierte im Prozess als Kronzeugin der Staatsanwaltschaft - sagte aus, dass es sich bei dem geschilderten Fall um kein einzelnes Vorkommnis gehandelt habe, sondern das derlei Mechanismen im Ingolstädter Hochbauamt an der Tagesordnung seien. Sie sei sich vorgekommen "wie in einem Sumpf" und habe ihre Vorgesetzten mehrfach darauf hingewiesen, aber als Antwort bestenfalls erhalten, sie solle "den Ball flach halten" oder das sei "ohnehin bald alles verjährt". Und andere Kollegen, die nicht auf der Anklagebank sitzen, hätten ihr geraden, „das Maul“ zu halten. Für ihr kritisches Verhalten sei sie zudem massiv gemobbt worden, innerhalb des Amtes versetzt und mit niederen Aufgaben betraut worden. Das sei soweit gegangen, dass sie sogar gesundheitliche Probleme gehabt hätte. Seitens der Leitung des Hochbauamts wurden die Vorwürfe zurückgewiesen. (APL)

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