Kultur

In seinen Romanen und Essays legt Gerhard Roth gekonnt Verdrängtes frei. (Foto: dpa)

22.09.2015

Ader für Abgründe

Wahn, Tod und die Angst davor: Gerhard Roth kann das präzise beschreiben. Jetzt erhält er den Jean-Paul-Preis

Es sind die menschlichen Abgründe, die Gerhard Roth so überzeugend beschreiben kann. Das begeistert auch die Jury des Jean-Paul-Preises, die ihre Auszeichnung heuer dem österreichischen Schriftsteller für sein literarisches Gesamtwerk zukommen lässt; die Preisverleihung findet am 26. Oktober in München statt.

„Gerhard Roths Interesse gilt einer Freilegung von Verdrängungsprozessen, die bis heute den Umgang mit der jüngeren Geschichte prägen", schrieb Kunstminister Ludwig Spaenle in einer Würdigung. Der mit 15.000 Euro dotierte Literaturpreis wird vom Freistaat alle zwei Jahre vergeben.

Gewalt und Verdrängung

In der Jurybegründung  wird erwähnt, dass sich Roths Werk durch einen präzisen und enzyklopädischen Blick auf Wahn und Tod sowie durch die Angst vor beiden auszeichne: „Roths große Romanzyklen sind Entdeckungsfahrten in das Unbewusste. Sie thematisieren die Gewalt der menschlichen Verhältnisse, die verdrängte Geschichte vom letzten Jahrhundert bis in die Gegenwart und geben den Opfern eine Stimme. Seine Arbeiten erzeugen in ihrer klaren Sprache und den kriminalistischen Erzählstrukturen die Lust, die Wirklichkeit und das oft unverständliche Verhalten der Menschen in ihr zu deuten.“

Der 1942 in Graz geborene Erzähler, Dramatiker, Essayist und Fotograf Gerhard Roth lebt heute in Wien und in der Südsteiermark. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Drehbücher. Seine großen Romanzyklen "Die Archive des Schweigens" (1980-1991) und "Orkus" (1995-2011) umfassen allein insgesamt 15 Einzelwerke. (BSZ)

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