Kultur

Duell der Rivalinnen: Nadja Stefanoff als Elisabeth I. (rechts) und Jennifer O’Loughlin als Maria Stuart. (Foto: Christian POGO Zach/Gärtnerplatztheater)

26.03.2018

Ein Kampf auf Leben und Tod

Donizettis „Maria Stuarda“ am Gärtnerplatz-Theater in München

Die Szene ist beklemmend. Gerade hat Elisabeth I., Königin von England, das Todesurteil für ihre Rivalin unterzeichnet, als sich der Kerker auf die Bühne schiebt. In ihm kauert Maria Stuart, die Königin von Schottland. Während sich die Szenerie mit der Drehbühne ändert, sieht man noch die um Fassung ringende Elisabeth I. Sie hält zitternd den Stift, mit dem sie faktisch ein Leben beendet hat.

Es ist der stärkste Einfall, den Michael Sturminger in seiner Inszenierung der Oper Maria Stuarda von Gaetano Donizetti aus dem Jahr 1835 für das Gärtnerplatz-Theater in München entwickelt. Dieses Doppelbild ist fraglos groß. Seine Regie profitiert dabei ganz wesentlich von den durchwegs erstklassigen Leistungen der beiden Hauptrollen: Nadja Stefanoff als Elisabeth I. sowie die schlicht überragende Jennifer O’Loughlin in der Titelpartie.

Mühelos schafft es O’Loughlin, den Stolz und die Leidenschaft, aber auch die Verzweiflung und die Zuversicht der Maria Stuart einnehmend zu verlebendigen. Die Sopranistin ist eine echte Sänger-Darstellerin, und in ihrem Gesang wird der Belcanto stilgerecht ausgestaltet. Jede Koloratur und Höhe sitzt perfekt, alles agil und flexibel. Auch die Agogik und die Verzierungen werden von O’Loughlin zielgenau dem jeweiligen Ausdruck angepasst.

Duell der Rivalinnen: Weit entfernt von einem hohlen Zickenkrieg

In Verbindung mit dem dunklen Timbre von Stefanoff entsteht ein Duell der Rivalinnen, das keineswegs zum hohlen Zickenkrieg mutiert. Hier geht es wahrlich um Ehre und Entehrung, am Ende gar um Leben oder Tod. Dieses Doppelporträt inszeniert Sturminger sehr historisierend, was in der Bühne sowie der etwas plüschigen Ausstattung von Andreas Donhauser und Renate Martin deutlich unterstrichen wird.

Die zweite Hälfte ist am stärksten, was auch für die Leistungen des Gärtnerplatz-Orchesters unter Anthony Bramall gilt. Hier kann sich ebenso Lucian Krasznec als Graf von Leicester besser behaupten. Zuvor wackelt sein Tenor in der Intonation und wirkt in der Höhe brüchig. Sein Widersacher, der Schatzmeister Cecil, wird von Matija Meić mit der nötigen Hinterlist ausgestaltet. Er möchte Maria Stuart tot wissen und nutzt dazu seinen Einfluss auf Elisabeth.

In dem Bariton von Meić mischt sich treffsicher eine böse verdüsterte Färbung. Auch Christoph Seidl gibt einen bravourösen Graf Talbot ab, zumal sein Bass sonore Großherzigkeit ausstrahlt. Dies ist stimmlich das nötige Rüstzeug, um den Vertrauten von Maria umfassend einzufangen. Schön auch Elaine Ortiz Arandes als Amme der Maria, und neben O’Loughlin siegt vor allem der Chor. Aus den finalen Szenen mit dem Chor erwächst eine atemberaubend dichte Atmosphäre.
(Marco Frei)

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