Kultur

Zur Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA brachte Griechenland diese Briefmarke heraus. (Foto: Staatliche Antikensammlung und Glyptothek/Renate Kühling)

15.06.2018

Kickende Götter

Die Antikensammlung am Münchner Königsplatz zeigt Bilder vom Sport auf Briefmarken

Schuld sind wieder mal die Achtundsechziger: Weil sie das Verhältnis zwischen den Geschlechtern deutlich aufgelockert haben, braucht kein Mann mehr eine Briefmarkensammlung, um sie bei Bedarf der Angebeteten zu zeigen. Und seither ist die Philatelie stark aus der Mode. Aber ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwartet, kommen Liebhaber von Postwertzeichen jetzt auf ihre Kosten: In der Münchner Antikensammlung, dem berühmten Museum alter griechischer Vasen, prangen in einer neuen Sonderausstellung zahlreiche Briefmarken in Wandvitrinen.
Gar so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist diese Kombination des Antiken mit dem Postalischen freilich nicht. Denn für die Auswahl der Marken war hier kein philatelistisches Kriterium entscheidend, sondern es zählten die abgebildeten Motive. Zu sehen sind also weder die Blaue Mauritius noch der Schwarze Einser, sondern Briefmarken mit Darstellungen von Athleten. Und damit ist die Brücke geschlagen zu den alten Griechen, den Erfindern des Sports.
Größer kein Ruhm heißt, mit einem Homer-Zitat, die Ausstellung über „Kleine Bilder vom Sport“. Wobei diese Bilder oft tatsächlich so klein sind – Briefmarkengröße eben –, dass eine Lupe zur Betrachtung nicht schaden könnte.
Anlässlich sportlicher Großereignisse wie Olympischer Spiele oder Weltmeisterschaften bringen viele der teilnehmenden Staaten Briefmarken mit Motiven aus der Welt des Sports heraus. Dass auf denen gerne antike Statuen von Diskuswerfern oder Vasenmalereien, die Wettkämpfer darstellen, abgebildet werden, verwundert nicht. Ja, oft sind auf einer Marke sogar zeitgenössische Sportlerbilder mit solchen der Antike kombiniert, um aus der vermeintlich ehrwürdigen Vergangenheit einen Hauch von Größe auf die neuzeitlichen Leibesertüchtigungen herüberwehen zu lassen.
Dass es dabei zu kuriosen Kurz- und Fehlschlüssen kommen kann, führt die Münchner Ausstellung ebenfalls genüsslich vor. So ist etwa eine Briefmarke aus Tonga zu bewundern, die anlässlich der Olympiade von Atlanta 1996 herausgegeben wurde. Sie zeigt im Vordergrund einen modernen Speerwerfer und dahinter den berühmten Laokoon aus den Vatikanischen Museen, dem ein kühner Bildbearbeiter nach dem Motto „passt scho“ einfach statt der Schlange einen Speer in die Hand gedrückt hat.

Originale auf Vasen

Ein besonderer Reiz der Schau besteht allerdings darin, dass etliche Marken altgriechische Kunstwerke zeigen, die sich im Besitz der Antikensammlung befinden. So ist etwa auf einer Briefmarke aus Laos, die anlässlich der Sommerspiele 1988 in Korea erschien, neben zwei Ringern eine attische Amphore abgebildet, auf der man Faustkämpfer nebst dem Schiedsrichter erkennt. Direkt neben der Marke kann man in der Vitrine diese Amphore im Original bewundern, das dem Miniaturbildchen eben doch vorzuziehen ist. (Alexander Altmann)

Information: Bis 29. Juli. Staatliche Antikensammlung, Königsplatz 1, 80333 München. Di., Do. bis So. 10-17 Uhr, Mi. 10-20 Uhr.
www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de

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